• The Wall Street Journal

Fernseher werden immer größer – und schärfer

    Von DAISUKE WAKABAYASHI

TOKIO – Viele Menschen sind in den vergangenen Jahren von ihren alten, klobigen Fernsehgeräten auf schmale HD-Modelle umgestiegen. Für die Branche war diese Entwicklung ein großer Erfolg. Nun will man daran anknüpfen. Möglich machen soll das eine neue Generation von Fernsehgeräten, die als UHDTV oder „ultra high-definition" bezeichnet werden. Sie verspricht eine Auflösung, die vier Mal so hoch sein soll wie bei aktuellen Modellen. UHDTV werden darum vermutlich ein großes Thema bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas sein, die in der kommenden Woche beginnt.

Sony/Associated Press

Sänger John Legend trat im November bei einem UHDTV-Event von Sony auf.

Heute sorgen bei HDTV etwa zwei Millionen Pixel dafür, dass das Bild gestochen scharf erscheint. Doch die Geräte der Zukunft sollen bis zu acht Millionen liefern können. Noch gibt es jedoch eine große Hürde, die die Kunden von den noch schärferen Bildern trennt: der hohe Preis. Sony und LG haben zum Beispiel beide UHDTV mit einer Bildschirmgröße von 84 Zoll in Angebot. Die Preise dafür liegen zwischen 20.000 und 25.000 US-Dollar. Toshiba will in Japan ein 55 Zoll großes UHD-Gerät herausbringen, das etwa 8.700 Dollar kosten soll. Die neuen Modelle sind so teuer, weil bei den Bildschirmen auf Flüssigkristall-Technologie gesetzt wird. Die verlangt von den Herstellern jedoch ein größeres Maß an Präzision als es bisher der Fall war. Bislang ist die Produktionseffizienz darum relativ gering. Doch es ist davon auszugehen, dass sich die Qualität beim Herstellungsprozess in Zukunft verbessern wird.

Astronomische Preise sind keine Seltenheit bei neuen Technologien. Darum beunruhigen sie Branchenkenner auch nicht. Sie verweisen stattdessen auf die Anfänge von HDTV, Smartphones und anderen Technologien, die sich erst durchsetzten, als die Preise fielen. In diesem speziellen Fall könnte noch eine andere Entwicklung dafür sorgen, dass sich UHDTV schneller durchsetzen, als die HD-Vorgänger. Immer mehr Menschen haben sich daran gewöhnt, dass ihre Smartphones und Tablets eine Auflösung bieten, bei der die einzelnen Pixel kaum noch zu erkennen sind. Es könnte also sein, dass sie darum bereit sind, für entsprechende TV-Geräte etwas mehr zu zahlen – um auch hier in den Genuss besserer Bilder zu kommen.

„Wenn man ein Konsument ist, zahlt man mehr für eine Technologie, die man versteht", sagt Paul Gagnon, Leiter der nordamerikanischen TV-Forschungsabteilung von NPD Display-Search. „Und im Falle einer höheren Auflösung ist es nicht wirklich schwierig, das zu verstehen."

Und trotzdem gibt es auch Grund, skeptisch zu sein. Seit dem Siegeszug der HDTV haben die Hersteller vieles unternommen, um dem Preisverfall bei Fernsehern und den sinkenden Gewinnspannen entgegenzuwirken. Sie haben Premiummodelle eingeführt und neue Technologien wie 3D und Internetanbindung vorgestellt. Diese Weiterentwicklungen findet man heute ganz selbstverständlich bei den meisten Geräten. Doch die Abwärtsspirale bei der Preisentwicklung konnten sie nicht stoppen.

Bislang wurden auch erst sehr wenige Inhalte für ultrahochauflösende Fernsehgeräte produziert. Bis es soweit ist, müssen sich die Kunden darum mit HD-Bildern zufrieden geben, die hochskaliert werden. Anwender berichten jedoch, dass das Resultat besser ist als in der Vergangenheit, als Inhalte noch für HDTV aufbereitet werden mussten.

Konsumenten wollen größere Bildschirme

Das neue Format kommt zu einem Zeitpunkt, da die Konsumenten immer größere Bildschirme fordern. Als die ersten HD-Geräte Anfang 2000 auf den Markt kamen, dominierte eine Bildschirmgröße von 30 Zoll. Später wurden 40 bis 50 Zoll Standard, heute werden Fernseher mit über 60 oder 70 Zoll verkauft. Und die Hersteller wollen noch mehr.

UHDTV ist auch unter dem Begriff „4K" bekannt. 4K steht für die 3.840 mal 2.160 Bildpunkte, die die neuen Bildschirme bieten – also das Vierfache der bisherigen HDTV. Die höhere Pixeldichte erlaubt es dem Zuschauer, dichter an den Fernseher heranzurücken, ohne einzelne Pixel mit bloßem Auge erkennen zu können. Außerdem könnten Fernseher wegen der verbesserten Auflösung in Zukunft auch für andere Aktivitäten genutzt werden – wie zum Beispiel zum Lesen einer Zeitung, einer Zeitschrift oder einer Nachrichtenseite im Internet.

„Solange der Trend zu größeren Bildschirmen anhält, solange wird auch die Entwicklung eines realistischen Bildes, das aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann, immer wichtiger", sagt Tim Alessi, bei LG Electronics in den USA für neue Produkte verantwortlich. „Es ist ein ganz natürlicher Übergang."

LCD am weitesten verbreitet

In 2017 werden UHDTV gerade einmal zwei Prozent aller verkauften LCD-Fernsehgeräte ausmachen, erwartet NPD Display-Search. Allerdings werden sie bei Modellen mit einer Bildschirmgröße von über 50 Zoll auf immerhin 22 Prozent kommen. LCD ist die momentan noch am weitesten verbreitete Bildschirmtechnologie.

In Hollywood hat 4K schon längst Einzug gehalten. Etwa 60 kürzlich gestartete Filme – darunter auch der neue James-Bond-Film Skyfall – werden auch in höherer Auflösung angeboten. Verfügt ein Kino jedoch noch nicht über den entsprechenden 4K-Projektor, bekommt der Zuschauer nur einen regulären HD-Film zu sehen.

Sony hat im vergangenen Jahr eine digitale Videokamera mit 4K vorgestellt. Das Unternehmen kontrolliert etwa zehn Prozent des 4K-Projektormarktes. „Ab sofort werden wir uns darauf konzentrieren, mit zusätzlichen Produkten 4K auch für Endbenutzer attraktiv zu machen", sagte Sony-Chef Kazuo Hirai während einer Konferenz im April.

Die große Frage lautet: Wie schnell gelingt es den Herstellern, die Preise für die UHDTV zu senken? Ein erfolgreiches Modell dafür lässt sich in der Entwicklung von HDTV erkennen: Ein 40 Zoll großer Fernseher kostete 2005 um die 4.800 Dollar. 2012 wurde er für 560 Dollar verkauft. Das haben Zahlen von NPD Display-Search ergeben.

Einen Mangel an Wettbewerbern, die dabei helfen dürften, den Preis zu senken, wird es kaum geben – zumindest, wenn man sich die erwarteten Aktivitäten bei der CES vor Augen führt. Westinghouse Digital soll neben normalen Größen auch ein UHDTV mit 110 Zoll Bildschirmgröße im Gepäck haben, das im ersten Quartal 2013 bestellt werden kann. Einen Preis hat das Unternehmen jedoch noch nicht mitgeteilt. Samsung, Sharp und vier chinesische Hersteller, darunter Haier und Hisense, gehören ebenfalls zu den Firmen, von denen in diesem Jahr ultrahochauflösende Fernsehgeräte erwartet werden.

Doch auch wenn die Hoffnungen hoch sind: Die Hersteller wissen, dass UHDTV die Leiden der Branche kaum werden lindern können. Solange es nicht gelingt, den Blick der Konsumenten auf Fernsehgeräte und ihren Wert zu verändern, solange wird 4K genauso wie 3D zuvor den Produzenten vermutlich kaum helfen. So sieht es zumindest Atsushi Murasawa, bei Toshiba für die Strategie zuständig.

Und niemand erwartet ernsthaft, dass es noch einmal so eine Welle wie zu Beginn des HDTV-Zeitalters geben wird. Zwischen 2003 und 2008 vervierfachten sich die Einnahmen in den USA beinahe. „HDTV war wie die erste Liebe", sagt Gary Shapiro, Präsident bei der Consumer Electronics Association. „Nichts wird jemals wieder so gut sein."

—Mitarbeit: Don Clark

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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