• The Wall Street Journal

Glänzt Gold auch 2013 noch?

    Von FRANCESCA FREEMAN und LAURA CLARKE

Das Jahr 2012 ist zum Glück nicht mit dem Weltuntergang, sondern gemäß den Erwartungen der Marktbeobachter mit einer Gold-Rally zu Ende gegangen. Doch wie sich der glänzende Rohstoff im neuen Jahr entwickeln wird, steht noch in den Sternen.

Während an Silvester die Raketen knallten, notierte Gold 7,1 Prozent höher als zum Jahresbeginn bei 1674,95 Dollar pro Feinunze. Kupfer ist im gleichen Zeitraum um 4,4 Prozent gestiegen, der Dow Jones Industrial Average um 5,5 Prozent. 2012 hat Gold zudem im zwölften Jahr in Folge zugelegt. Laut Edward Meir, Analyst bei INTL FCStone, ist das die längste Erfolgsserie aller gehandelten Rohstoffe.

Reuters

Im letzten Quartal 2012 durchlebte der Goldpreis ein für Investoren frustrierendes Auf und Ab.

Doch im Vergleich zu den vorherigen zwei Jahren hat 2012 enttäuscht: 2011 ist der Rohstoff um 10,1 Prozent gestiegen, 2010 sogar um 30 Prozent. Die Analysten werden sich jetzt überlegen, ob der Aufwärtstrend des Goldes bald vorbei sein könnte.

Es ist noch schwer vorherzusagen, wie sich Gold in diesem Jahr entwickeln wird. „Die Märkte werden so unvorhersehbar sein wie im vergangenen Jahr", sagt Meir.

Im letzten Quartal 2012 durchlebte der Goldpreis ein für Investoren frustrierendes Auf und Ab. Zeitweise sah der Rohstoff wie ein sicherer Hafen aus, dann ähnelte seine Preisentwicklung wieder der von risikobehafteten Papieren. Immer wieder schaffte Gold es nicht über die wichtige Marke von 1.800 Dollar pro Unze, und das trotz kolossaler Bilanzausweitungen durch die US-Notenbank und andere Zentralbanken. Normalerweise fallen deren Käufe mit Preissteigerungen beim Gold zusammen, da der Rohstoff traditionell als Schutz gegen Inflation und Währungsschwächen genutzt wird, wenn es im Markt zu viel Liquidität gibt.

Als am Mittwoch bekannt wurde, dass die amerikanische Fiskalklippe größtenteils vermieden werden könnte, stieg der Goldpreis – ein weiteres Beispiel dafür, dass Gold sich in letzter Zeit eher irrational verhalten hat.

„Ich habe diesem Edelmetall gegenüber kein starkes Gefühl für das neue Jahr. Ich glaube, der Trend des vergangenen Jahres wird sich fortsetzen, der Preis wird auf Nachrichten, Devisen, Rohstoffpreise und Aktienkurse sowie auf die physische Nachfrage reagieren", sagt David Govett, Leiter für den Bereich Edelmetalle bei Marex Spectron. Er glaubt nicht daran, dass Gold einen neuen Höhepunkt über 1.920 Dollar pro Unze erreichen wird – „außer, es passiert etwas Dramatisches und Unvorhersehbares".

Analysten bei BNP Paribas glauben, dass Gold dieses Jahr durchschnittlich bei 1.865 Dollar notieren wird. Einen neuen Höhepunkt könne Gold erreichen, wenn die Geldpolitik weiter gelockert wird. Zudem rechnen sie mit einem geringeren Risiko dramatischer Einbrüche durch die Eurokrise und einer weiterhin starken physischen Nachfrage.

Während Goldman Sachs Anfang 2013 noch Potential für einen höheren Goldpreis sieht, hat die Bank ihre Erwartungen zum Halbjahr um sieben Prozent auf 1.805 Dollar pro Unze und zum Jahresende um 7,2 Prozent auf 1.800 Dollar pro Unze zurückgeschraubt.

Laut Goldman naht also der letzte Jubelruf des Edelmetalls. „Unser erweitertes Modell deutet darauf hin, dass die verbesserten Wachstumsaussichten in den USA schwerer wiegen werden als weitere Ausweitungen der Fed-Bilanz, und dass sich der Trend im Goldpreis 2013 umkehren wird", schreibt die Bank.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 28. Juli

    Sicherheitskontrollen und Süßigkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Ein Boxschlag, der Gesichstzüge entgleisen lässt. Eine Feuersbrunst, die eine ganze Stadt bedroht. Dieses und mehr zeigen unsere Bilder des Tages.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städte die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 27. Juli

    Ein Roboter will per Anhalter in ein Museum reisen, ein Kind leidet unter dem Krieg in Gaza, ein Ire schnorchelt im Schlamm und die Tour de France ist zu Ende - schauen Sie sich unsere Fotos des Tages an!

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.