• The Wall Street Journal

Der lange Weg des Euro zurück zur Normalität

    Von NICHOLAS HASTINGS

Fallende Renditen für italienische Staatsanleihen mögen vielleicht Mario Monti helfen. Doch dem Euro erweisen sie kaum einen Dienst. Der italienische Ministerpräsident hat den sinkenden Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleiherenditen gepriesen. Er sieht darin eine Bestätigung, dass Investoren mit den Reformen in Italien zufrieden sind. In einer Sendung des italienischen Fernsehsenders Rai sagte Monti am Donnerstag, dass der Fall der Renditeabstände auf den tiefsten Stand seit März weiter anhalten soll.

Es gab einmal eine Zeit, da hätte der Euro ebenfalls von solchen Nachrichten profitiert. Man hätte die sinkenden Renditeabstände als Anzeichen dafür gedeutet, dass die Spannungen wegen der Schuldenkrise in der Eurozone langsam zurückgehen. Dass Investoren zurückkehren. Doch heute ist alles anders.

dapd

Früher hätte der Euro von sinkenden Renditeabständen zwischen italienischen und deutschen Staatsanleiherenditen noch profitiert. Doch heute ist alles anders.

Auch wenn die Angst vor einem Staatsbankrott momentan nicht mehr so hoch ist wie noch vor ein paar Monaten, werden die wirtschaftlichen und politischen Sorgen größer. Die Zugkraft des Euro als zweite Reservewährung ist noch längst nicht wieder hergestellt.

Auch Monti hat dazu beigetragen, dass es weiterhin Unsicherheiten über die Einheitswährung gibt. Nachdem er sich Ende 2012 dazu entschieden hatte, als Ministerpräsident zurückzutreten, hat er seine Agenda für das Land vorgestellt, mit der er Ende Februar bei den Wahlen als Sieger hervorgehen will. Zwar sehen viele Monti als beste Lösung, Italien zu reformieren. Doch noch liegt er in Umfragen deutlich hinter seinem Herausforderer Pier Luigi Bersani von der Demokratischen Partei.

Es ist die wachsende Unsicherheit darüber, ob es den politischen Führern der Eurozone gelingen kann, die vereinbarten Reformen auch umzusetzen, die das Vertrauen in den Euro weiter sinken lässt. Portugals Präsident Anibal Cavaco Silva begann das neue Jahr zum Beispiel damit, dass er der Haushaltsentwurf für 2013 an das Verfassungsgericht schickte. Das soll prüfen, ob die Lasten der Sparpolitik gerecht verteilt sind. Silva erklärte, dass das Sparpaket „sozial unhaltbar" sei und forderte ein Ende der Rezessionsspirale, unter der das Land leide.

Unterdessen hält sich Spanien weiterhin zurück. Trotz Verhandlungen über ein Rettungspaket in letzter Minute Ende 2012 wurden noch keine Hilfen beim Euro-Rettungsfonds ESM beantragt, die eine Voraussetzung für Käufe spanischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank wären. Und es gibt auch längst keine Sicherheit, dass Athen in der Lage ist, die neuen Sparmaßnahmen im Land auch umzusetzen.

All das geschieht vor dem Hintergrund sich verschlechternder wirtschaftlicher Konditionen in der Eurozone und einer immer größeren Unsicherheit, ob sich die Weltwirtschaft erholen wird.

In der Eurozone geht der Abschwung in den meisten Ländern unaufhaltsam weiter. Neue Daten deuten darauf hin, dass es unter den momentanen Gegebenheiten kaum Hoffnung auf eine baldige Erholung gibt.

Mit dem Umschiffen der Fiskalklippe in den USA sind zumindest dort die Chancen gesunken, dass die US-Wirtschaft zurück in die Rezession fallen könnte. Und dennoch ist der Kompromiss bei den Steuern minimal. Es herrscht Unsicherheit darüber, welche Abkommen am Ende in Kraft treten. In der Zwischenzeit wird es darum kaum zu einer ernsthaften Erholung des Wirtschaftswachstums in den USA kommen. Und das sind keine guten Nachrichten für andere Länder – auch nicht für die Eurozone.

Welche Rolle spielt der Euro als Reservewährung?

Es gibt noch einen weiteren guten Grund, warum der Euro vermutlich schwach bleiben wird: seine ungewisse Rolle als zweitwichtigste Reservewährung. Seitdem die Schuldenkrise ausgebrochen ist, hat der Euro als Alternative zum Dollar bei den Zentralbanken an Attraktivität verloren. Neue Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen, dass Anlagen in Euro-Reserven, die von Entwicklungs- und Schwellenländern gehalten werden, im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres gefallen sind. Und diese Länder halten zwei Drittel aller Euro-Reserven.

Während die Spannungen in der Eurozone zurückgehen, steigen die Chancen, dass die Zentralbanken zum Euro zurückkehren. Doch Steve Barrow von der Standard Bank warnt vor solchen Mutmaßungen. Er verweist darauf, dass viele Zentralbanken eine strukturelle Veränderung bei ihren Reserven vollzogen haben und Währungen wie Australische und Kanadische Dollar aufgenommen haben, statt einfach zum US-Dollar zurückzukehren. Daher gebe es kaum einen Grund, warum sie nun plötzlich wieder in Euro investieren sollten.

„Unser Fazit lautet: Der Euro wird nicht wegen Währungsreserveströmen steigen", sagt Barrow.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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