• The Wall Street Journal

Ein schlechter Deal fürs US-Rating

    Von STEPHEN L. BERNARD

Was paradox klingt, leuchtet bei näherem Hinsehen ein: Für die Bonitätsnote der USA wäre der Sprung über die Fiskalklippe wohl besser gewesen als der halbgare Kompromiss, den die Parteien in letzter Minute ausgehandelt haben.

Denn in den Augen der drei großen Ratingagenturen – Moody's, Standard & Poor's und Fitch – bleibt der Deal zwischen Republikanern und Demokraten hinter dem zurück, was getan hätte werden müssen, um die Kreditwürdigkeit Amerikas zu verbessern.

Das Gesetz, das Präsident Barack Obama letztlich unterschrieben hat, sieht Steuererhöhungen für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 450.000 Dollar (400.000 Dollar für Singles) vor. Außerdem sollen die Zuschüsse für zwei Millionen Langzeitarbeitslose ein Jahr weiterlaufen und die pauschalen Ausgabenkürzungen im Bundeshaushalt um zwei Monate verschoben werden.

dapd

Wolken über dem Weißen Haus - die Parteien in Washington haben dem Rating der USA mit dem Kompromiss im Haushaltsstreit wohl keinen Gefallen getan.

Von einem langfristigen Plan, die Staatsschulden in den Griff zu bekommen, ist in dem Gesetz jedoch keine Spur.

Die drei Ratingagenturen haben einhellig erklärt, dass ein Abkommen die Staatsschulden senken muss. Moody's und S&P erklärten am Mittwoch, dass sie zunächst abwarten. Eine Abwertung der USA dürfte nicht vor Ende des Jahres kommen.

Aber langfristig sieht es nicht gut aus: Der Internationale Währungsfonds hatte vor dem Kompromiss geschätzt, dass die Schulden Ende 2012 auf 84 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geklettert waren. 2016 dürften es fast 90 Prozent werden, prognostiziert der IWF.

Nun fragen sich Beobachter, ob es für die USA besser gewesen wäre, über die Klippe zu springen. Das Haushaltsbüro des Kongresses vermutet, durch den Kompromiss dürften in den nächsten zehn Jahren die USA vier Billionen Dollar mehr Schulden machen, als wenn die Politiker keine Einigung gefunden hätten. In diesem Fall wären die Steuern für alle Einkommensklassen gestiegen – was zwar der Wirtschaft geschadet, die Schulden aber auf Dauer gesenkt hätte.

Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Die pauschalen Ausgabenkürzungen im Bundeshaushalt werden jetzt in zwei Monaten fällig. So könnte bald ein neuer zäher politischer Kampf ausbrechen – allein das schwächt das Vertrauen von Verbrauchern und Märkten in die Volkswirtschaft.

„Was wir jetzt haben, ist so gut wie nichts", sagt Mark Luschini, Chef-Anlagestratege bei der Investmentbank Janney Montgomery Scott. Der Kompromiss sei „kontraproduktiv", um die langfristigen Schuldenprobleme der USA anzugehen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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