• The Wall Street Journal

Amerikaner beklagen Wucher bei Hurrikan-Versicherungen

    Von VALERIE BAUERLEIN und LESLIE SCISM

Im Süden der USA machen die Bürger gegen die großen Versicherer Front. Die Preise für Versicherungen auf Wirbelstürme seien zu hoch, sagen immer mehr Leute – auch wenn die Konzerne Milliarden durch die Schäden von Hurrikan Sandy verlieren.

In kleinen Ort Beaufort im Bundesstaat South Carolina hat ein Manager im Ruhestand eine Bewegung in Gang gebracht. Ihr Ziel ist es, die Gouverneurin Nikki Haley und ihre Versicherungsabteilung dazu zu bekommen, die Berechnungsmethoden der Versicherer zu überprüfen.

In Alabama hat eine Aktivistengruppe mit kirchlichem Hintergrund die Einrichtung einer Datenbank erreicht. Sie soll zeigen, wie stark die Gebühren der Hausbesitzer an der Küste ihre Auszahlungen bei Schäden übersteigen.

Associated Press

Don Duplantier in seinem Haus in Louisiana - es wurde im September von Hurrikan Isaac heimgesucht.

Beide Gruppen gehören zu einer Koalition von Aktivisten aus acht Bundesstaaten. Sie alle behaupten, die Versicherer verlangten zu viel für die Risiken, die in ihren jeweiligen Küstengebieten drohen. Die Gruppen sind für die Schaffung eines öffentlichen Versicherers, der über die Grenzen der Bundesstaaten hinweg die Gebühren der versicherungswilligen Bürger kassiert und sie nach Hurrikanen auszahlt.

Um Hypotheken zu bekommen, müssen künftige Hausbesitzer an den Küstenregionen im Süden der USA eine Versicherung gegen Wirbelstürme abschließen. In den letzten Jahren fegte eine Reihe von teuren Stürmen über das Land. Zusammen mit einem Häuserboom führte das dazu, dass die Versicherungsindustrie in Erwartung von potentiell astronomischen Ansprüchen die Preise hochschraubte.

Seit 1970 ist die Zahl der Amerikaner, die angelockt von neuen Immobilien und Siedlungen an den Küsten wohnen, um rund die Hälfte gestiegen. Der Wert der versicherten Häuser in gefährdeten Regionen am Atlantik und am Golf sind seit 2004 um 42 Prozent auf 10,2 Billionen US-Dollar gestiegen, wie Daten der Risikoberatung AIR ergeben.

Gleichzeitig haben drei der teuersten Hurrikane überhaupt in den vergangenen zwei Jahrzehnten das Land verwüstet. Versicherer erwarten, dass sie für die Schadensansprüche vom jüngsten Wirbelsturm Sandy 25 Milliarden US-Dollar zahlen müssen. Damit wäre der Sturm aus dem vergangenen November der drittteuerste in der Geschichte der USA, nach Katrina im Jahr 2005 und Andrew aus 1992.

So dürften viele Versicherer im vierten Quartal Verluste schreiben – auch wenn sie laut Analysten genug Geld haben, um die Kunden auszuzahlen. Historisch niedrige Zinsraten haben außerdem die Gewinne der Firmen für investierte Gebühren zusammenschmelzen lassen. Beides dürfte dazu führen, dass sie die Raten erhöhen.

„Die Großwetterlage hat sich geändert", sagte Liam McGee, Chef von Hartford, einem der größten Versicherer der USA, auf einer Rede vor Investoren. „Die Branche muss sich darauf einstellen."

Daryl Ferguson führt in South Carolina den Widerstand gegen die hohen Gebühren an. Der frühere Chef eines Telekommunikationsunternehmens ist im Jahr 2000 in die Gegend um die Hilton-Head-Insel vor der Küste des Bundesstaates im Südosten der USA gezogen. Er hat mit Wissenschaftlern, Versicherungsfachmännern und Regulierern gesprochen – und ist überzeugt, dass die Hurrikangefahr für seine Insel weit niedriger ist als für andere Küstenregionen der USA.

Er argumentiert, dass der Neuzeit nur zwei Wirbelstürme über die Gegend gefegt sind – einer im Jahr 1893 und einer im Jahr 1989. Dennoch seien die Gebühren in South Carolina vergleichsweise hoch. Ferguson klapperte die Bürgervereinigungen mit seinen Ergebnissen ab und überzeugte einige Aktivisten, mit ihm die S.C. Competitive Alliance zu gründen. Der Verein will mit Lobbyarbeit erreichen, dass die Berechnungsweisen der Gebühren überdacht wird.

Laut Ferguson drücken die hohen Versicherungsraten die Entwicklung von Gebäuden, und eine übertriebene Angst vor Stürmen schadet dem Tourismus. „Wir glauben, dass wir durch gesparte Versicherungsgebühren eine Milliarde Dollar sparen können, und eine weitere Milliarde durch den Tourismus hereinholen können", hofft Ferguson. „Das ist zusammen eine Riesensumme."

"Naturkatastrophen werden mehr"

Russ Dubisky leitet den Branchenverband S.C. Insurance News Service. Er sagt, er verstehe Fergusons Frust, weil Küstenbewohner in South Carolina allgemein mehr Gebühren Zahlen als Nachbarn in Georgia und North Carolina.

Die Regulierer in South Carolina haben eine Truppe von Ingenieuren und Versicherungsfachleuten gebildet. Die sollen darüber nachdenken, ob der Bundesstaat ein eigenes Modell zur Berechnung von Risiken und Gebühren aufstellt. Der Bericht des Teams wird in den kommenden Wochen erwartet.

Eine kirchliche Gruppe in Alabama, die Homeowners' Hurricane Insurance Initiative, betreibt ebenfalls Lobbyarbeit gegen vermeintlich zu hohe Gebühren. Die Koordinatorin der Gruppe Michelle Kurtz sagt, die Gebühren steigen so schnell, dass Menschen mit niedrigen Einkommen und Rentner sie sich nicht mehr leisten können. Es sei eine „Frage der Gerechtigkeit", so Kurtz.

Die Frau eines Priesters sagt, der durchschnittliche Eigenheimbesitzer in Alabama zahlt 870 US-Dollar Gebühren für ein Haus, das 150.000 Dollar wert ist. Kurtz zahlt einen Beitrag von 3.300 US-Dollar pro Jahr für ihr Haus an der Küste – es ist ebenfalls 150.000 Dollar wert. Vor Katrina lag der Beitrag noch bei 1.200 Dollar. Kurtz' Gruppe behauptet, dass die Küstenbewohner in Alabama weit mehr zahlen als Hausbesitzer in anderen Teilen des Bundesstaats, die im Jahr 2011 von mehreren Tornados heimgesucht wurden.

Der Versicherungsaufseher Jim Ridling sagt, dass er die Küstenbewohner verstehe. Er hat mit ihnen an Maßnahmen gearbeitet. So müssen Versicherer etwa Häuser, die bestimmten Standards entsprechen, Rabatte geben. Aber die Besitzer müssen der Realität ins Auge sehen, sagt er: Die Küstenregion sei nach wie vor unter latenter Gefahr durch Wirbelstürme.

Die Versicherungsbranche sieht es als ein wiederkehrendes Problem: „Wenn durch einen Bundesstaat eine Zeit lang kein großer Hurrikan ging, hören wir von Eigenheimbesitzern oft, dass die Versicherungen zu teuer sind", sagt Robert Hartwig, Präsident des Branchenverbands Insurance Information Institute. Vor allem im Nordosten der USA sei das passiert – und dann kamen die Hurrikane Irene im Jahr 2011 und Sandy in diesem Winter. „Nach allen Vorhersagen werden die Naturkatastrophen mehr, nicht weniger", sagt Hartwig.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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