• The Wall Street Journal

Falken in der US-Notenbank machen Gold-Anleger nervös

    Von RALF ZERBACK

Lange Gesichter bei den Gold-Fans: Der Preis für das Edelmetall ist am Freitag auf den tiefsten Stand seit August 2012 gefallen. Nur noch 1.630 Dollar kostet die Feinunze, nachdem sie am Mittwoch noch für 1.693 Dollar den Besitzer wechselte. Zur Erinnerung: 2012 war der Preis im Hoch auf über 1.790 Dollar geklettert. Das ist gerade einmal zwei Monate her.

Es gibt viele Faktoren, die den Preis des Edelmetalls bewegen, aktuell wirkt aber vor allem einer, nämlich die Geldpolitik der US- Notenbank. Und hier sorgt das am Donnerstagabend publizierte Protokoll der Dezember-Sitzung des Offenmarktausschusses für Nervosität. Denn dieses zeigt, dass sich die Währungshüter offenbar keineswegs eins sind, wenn es um die künftige Politik geht.

dapd

Unter Beobachtung: Nicht alle in der US-Notenbank sind mit dem Kurs von Fed-Chef Ben Bernanke einverstanden.

Gut für Gold sind die "Tauben" in den Notenbanken, die die Geldpolitik lockern wollen, um die Wirtschaft in Gang zu bringen. Eine solche Politik wirkt tendenziell inflationssteigernd und lässt das Gold glänzen: Als sicherer Hafen, als Schutz gegen einen Verfall des Geldes.

Beliebte Instrumente der Tauben sind neben Zinssenkungen etwa Ankäufe von Staatsanleihen. Bis Donnerstag wusste der Markt nur, dass die US-Notenbank im Dezember ein neues Kaufprogramm für Anleihen beschlossen hat, Ende offen. Doch nun kommen Signale, dass keiner der Währungshüter die Käufe über 2013 hinaus verantworten will. Mehr noch: Offenbar wollen manche Geldpolitiker das Kaufprogramm der Fed sogar bereits früher beerdigen. Oder zumindest das Volumen senken - aktuell nimmt die Notenbank jeden Monat 85 Milliarden Dollar für den Aufkauf von Staatsanleihen und mit Hypotheken gedeckte Schuldpapiere in die Hand.

Kurz nach dem Bekanntwerden des Protokolls gab der Goldpreis in einer raschen Bewegung sofort um zehn Dollar nach und fiel anschließend. Auch am Freitag setzte sich die Abwärtsbewegung fort.

Neben der möglicherweise also wieder strafferen Geldpolitik drückt noch ein zweites auf den Goldpreis: der feste Dollar. Seit Jahresbeginn geht es aufwärts mit der US-Devise. Der Euro ist von 1,33 Dollar bis in die Nähe von 1,30 Dollar gefallen. Die steigende Wert der US-Währung sorgt dafür, dass für Gold weniger Dollar bezahlt werden müssen. Und die Aussicht auf eine stärkere Rolle der "Falken" in der Geldpolitik stützt den Dollar ohnehin zusätzlich. Eine straffe Geldpolitik stützt in der Regel die Währung des betreffenden Landes.

Droht der zwölfjährigen Gold-Rally das Aus?

Gold-Anleger in Euro oder anderen Drittwährungen könnte dies zwar zunächst einmal kalt lassen, weil sich ihre Währung im Gleichschritt mit dem Gold bewegt. Allerdings kann der Abwärtsdrang des Edelmetalls auch eine solche Dynamik entfalten, dass es auch für Investoren, die in Euro rechnen, zu einem Verlustgeschäft wird.

Steht der Goldpreis nach zwölf Gewinnjahren in Folge also tatsächlich vor schwierigen Zeiten? Hier sind die Auguren gefragt.

Zunächst die technische Seite: Die Experten von FuturesTechs sind zuversichtlich - der Fall des Goldpreises biete eine Kaufgelegenheit. Aktuell bewege sich der Goldpreis um das Tief vom Mai 2012. Damals wurden gut 1.644 Dollar bezahlt. Unterstützungen sieht FuturesTech bei 1.630 und bei 1.586 Dollar. Kurzfristig rechnen die Experten zwar mit einem Anhalten der Schwäche, bis ein Signal zur Trendumkehr auftaucht. Dann dürften die Gold-Bullen aber wieder triumphieren. Andere Marken sieht der IG-Markets-Stratege Evan Lucas: Nach dem Durchbrechen der Marke bei 1.650 Dollar sieht er die nächste Haltelinie erst bei 1.600 Dollar.

Die 20 größten Goldreserven der Welt

Bleibt die fundamentale Seite und damit die Frage, wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Im Jahr 2012 griffen die Gold-Investoren kräftig zu. So hat der größte Gold-Fonds der Welt, der SPDR Gold, im vergangenen Jahr Zuflüsse von 3,8 Milliarden Dollar verbucht und hält nun insgesamt Gold im Wert von 75,6 Milliarden Dollar. Ob freilich die Investoren im laufenden Jahr ähnlich mutig in Gold gehen werden, erscheint fraglich.

Die Commerzbank mutmaßt, dass in den nächsten Monaten weniger Gold nachgefragt werden dürfte. Vor allem aus Indien erwarten die Analysten Gegenwind, weil hier höhere Steuern auf Goldimporte drohen. Zwei Beamte des indischen Finanzministeriums sagten dem Wall Street Journal, dass diese Steuer von vier auf fünf Prozent angehoben werden könnte. Im indischen Bundeshaushalt, der dem Parlament gewöhnlich im Februar vorgelegt wird, könnten dann sogar sechs Prozent veranschlagt werden.

Das könnte drastische Folgen haben. Denn ein Großteil des weltweit geförderten Goldes geht traditionell nach Indien. Und in diesem Licht erscheint eine weitere Prognose recht furchterregend für Goldfreunde: Die Commerzbank zitiert Experten der All India Gems & Jewellery Trade Federation. Die gehen davon aus, dass die Goldimporte nach Indien 2013 um 20 bis 25 Prozent fallen könnten. Dann würde wohl auch mancher eingefleischte Gold-Fan kapitulieren.

Kontakt zum Autor: ralf.zerback@dowjones.com

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