• The Wall Street Journal

Das fahrerlose Auto steht in den Startlöchern

    Von IAN SHERR und MIKE RAMSEY

Toyota und Audi haben sich in dieser Woche zum fahrerlosen Auto bekannt. Die beiden Hersteller haben bestätigt, dass sie in der kommenden Woche bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas (CES) automatische Fahrfunktionen vorstellen werden. Die Technologie könnte also schon bald beim Verbraucher ankommen.

In einem fünf Sekunden dauernden Vorschauvideo, das Toyota am Donnerstag auf seine Webseite gestellt hat, ist ein Lexus zu sehen, der mit einer Armada von Sensoren ausgestattet ist. Dazu heißt es: „Das hochentwickelte Forschungsauto von Lexus führt die Branche in eine neue, automatisierte Ära". Ein Audi-Vertreter erklärte, dass das Unternehmen auf der Messe mehrere Autonomie-Funktionen demonstrieren wird. Unter anderem kann ein Auto damit selbstständig einen Parkplatz finden und sich selbst ohne Zutun des Fahrers einparken.

Video auf WSJ.com

Toyota previews the Lexus AASRV, a computer-controlled car, ahead of the Consumer Electronics Show in Las Vegas next week. (Photo/Video: Lexus)

Der Prototyp von Toyota ist ein Lexus LS 600h, der mit Radar und Kameras ausgestattet ist, mit denen andere Fahrzeuge, Fahrbahnmarkierungen und Ampeln erkannt werden. So kann sich das Auto ohne einen Fahrer zurechtfinden. Auf dem Dach scheint auch derselbe Laser montiert zu sein, den Google seit 2009 für seine Tests mit fahrerlosen Autos verwendet. Der Suchmaschinenbetreiber nutzt zwar auch oft Toyota-Technik. Die von dem japanischen Autobauer verwendete Technologie sei aber kein Ergebnis einer Partnerschaft, erklärten beide Unternehmen. Sie forschten jeweils getrennt. In der kommenden Woche sollen mehr Details bekannt gegeben werden.

Dave Sullivan, Analyst beim Marktforschungsunternehmen AutoPacific, rechnet damit, dass Toyotas Engagement für automatische Fahrtechnologie einen Trend in der Branche auslöst. „Dass jemand wie Toyota sich so dafür engagiert, ist beeindruckend", sagt Sullivan. Er berichtet, dass ein fahrerloses Auto auch auf dem Testgelände von Toyota in Ann-Arbor im Bundesstaat Michigan gesichtet wurde.

Grundlegende Technologien existieren bereits

Die grundlegenden Technologien, die bei solchen Fahrzeugen zum Einsatz kommt, existieren bereits. Bis jetzt bringen sie die Autobauer aber nur sehr vorsichtig zum Einsatz. Der Abstandsregelungstempomat zum Beispiel ist schon in dutzenden Modellen verfügbar. Damit können lange Strecken gefahren werden, ohne dass der Fahrer auf das Gaspedal oder die Bremse treten muss. Mercedes-Benz arbeitet an einer Technik für die S-Klasse, die im stockenden Verkehr das Bremsen und Beschleunigen übernimmt. Andere Sicherheitsfunktionen lenken das Auto sanft in die Spur zurück, wenn der Fahrer zu stark abweicht.

Gleichzeitig werden Funktionen entwickelt, mit denen Fußgänger geschützt werden sollen. Toyotas Premiummodell, der Lexus LS, hat ein Radar, das erkennt, wenn jemand die Fahrbahn des Autos kreuzt. Selbst wenn der Fahrer weiter Gas gibt, bleibt das Auto dann stehen.

Alle großen Autobauer sind dabei

Fast jeder Autobauer arbeitet mittlerweile an einem intelligenteren Auto. Ford-Chairman Bill Ford Jr. hat erklärt, dass fahrerlose Autos eine Lösung für die Stauprobleme vieler Städte sein könnten. Sie könnten auf Verkehrsinformationen reagieren und die Wagen um Staus herum lenken.

Vorreiter in der Entwicklung war bisher Google. In zahlreichen Videos sind fahrerlose Autos in Aktion zu sehen. In einem Film sitzt ein Blinder auf dem Fahrersitz. Das Unternehmen fordert bereits, computergesteuerte Fahrzeuge auf die Straße zulassen, und hat dabei Erfolge in den US-Bundesstaaten Nevada, Florida und Kalifornien erzielt.

Unter Akio Toyoda, dem Enkel des Unternehmensgründers, hat Toyota neue Technologien und neues Design aggressiv vorangetrieben. Neben den bekannten Hybridautos der Marke Prius ist Toyota eine Partnerschaft mit dem Start-up Tesla Motors eingegangen, um unter anderem Elektroautos zu bauen.

—Mitarbeit: Amir Efrati

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Werbung

  • [image]

    Tiere – Die Geheimwaffe der Tech-Konzerne

    Viele Produkte von Tech-Firmen sind schwer verständlich für Laien. Die Unternehmen haben es darum oft nicht leicht, für sich zu werben. Etliche setzen auf Tiere, um ihre Marke bekannt zu machen. Wir stellen 30 von ihnen vor.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 31. Juli

    Wasser marsch: in Frankreich spielten Kinder am Donnerstag an Springbrunnen, in Deutschland strömten Urlauber ins Freibad und in Indien trotzten Anwohner einem Wolkenbruch. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: Im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städten die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.

Erwähnte Unternehmen