• The Wall Street Journal

Ryanair mit Gewinn und verbessertem Ausblick

    Von DOMINIC CHOPPING

Für die irische Ryanair könnte es angesichts der Krise in der europäischen Luftfahrtbranche kaum besser laufen. Die Billigairline hat nach einem überraschend guten dritten Quartal den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2012/13 nochmals erhöht. Nun soll auch die Übernahme des Konkurrenten Aer Lingus endlich klappen. Die Iren haben bei der EU ein Bündel von Zugeständnissen eingereicht, um grünes Licht für den Zukauf zu erhalten.

Dank eines guten Weihnachtsgeschäfts hat Ryanair im zurückliegenden Quartal anders als vom Markt erwartet einen Gewinn erzielt. Das Nettoergebnis legte von 15 auf gut 18 Millionen Euro zu. Analysten hatten dagegen mit einem Verlust von fünf Millionen Euro gerechnet. Das operative Ergebnis stieg von 29,4 auf 34,6 Millionen Euro, während der Umsatz von 844 auf 969 Millionen Euro kletterte.

dapd

Solide Buchungszahlen vor Weihnachten haben Ryanair zu einem überraschend guten dritten Quartal verholfen. Die irische Billigfluglinien konnte außerdem ihren Ausblick für das laufende Geschäftsjahr erhöhen.

Im Gesamtjahr peilen die Iren nun ein höheres Ergebnis an als bisher. Der Gewinn soll sich unterm Strich auf 540 Millionen Euro belaufen. Zuvor war 490 bis 520 Millionen als Jahresziel ausgegeben worden.

Hauptgrund für die höhere Zuversicht sind die soliden Buchungszahlen, die noch vor Weihnachten hereingekommen waren. Außerdem lässt Ryanair bis zu 80 Flugzeuge am Boden, um die Auswirkungen der hohen Kerosinpreise, der teuren Flughafengebühren in Stansted und Dublin sowie der saisonbedingten Abschwächung des Geschäfts im laufenden Quartal in den Griff zu bekommen. Ryanair erwartet wegen der geringeren Kapazität im vierten Quartal 400.000 Passagiere weniger als im Vorjahr.

Das ist aber keineswegs überraschend. Das Geschäftsmodell des Konzerns aus Dublin mit dem Fokus auf Freizeitreisende sieht vor, in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs den Großteil der Gewinne einzufliegen. Während der Wintersaison nimmt Ryanair dann Kapazitäten raus und lässt Flugzeuge am Boden.

Damit steht Ryanair schon seit längerem besser da als die strauchelnden europäischen Wettbewerber, weil sich die Iren konsequenter als der Wettbewerb auf die Schwankungen im Geschäft einstellen können. Außerdem spielt Ryanair die geringe Kostenbasis und die Flexibilität im Vergleich zu traditionellen Airlines wie der Lufthansa oder Air France in die Karten.

Um sich noch besser aufzustellen, soll es für Ryanair nun endlich mit der Übernahme von Aer Lingus klappen, nachdem zwei Versuche, den irischen Konkurrenten zu kaufen, 2006 und 2008 gescheitert waren. Seit Juni läuft nun der dritte Anlauf, bislang haben sich die Wettbewerbshüter der EU allerdings quergestellt.

Nun habe man ein "radikales und nie dagewesenes Paket" an Zugeständnissen vorgelegt, so Ryanair-Chef Michael O'Leary. So stünden unter anderem zwei Käufer bereit, einen beträchtlichen Teil von Aer-Lingus-Strecken zu übernehmen, um die Konkurrenz auf diesen Strecken zu gewährleisten.

"Wir glauben, dass diese Zugeständnisse jeder Routenüberschneidung zwischen Ryanair und Aer Lingus und allen anderen Bedenken der EU-Kommission Rechnung tragen", so O'Leary. Wenn die Genehmigung der EU da ist, soll die Übernahme im März erfolgen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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