• The Wall Street Journal

Frankreich verstärkt den Einsatz in Mali

    Von DREW HINSHAW und SAM SCHECHNER

Die französischen Truppen haben ihren Einsatz in Mali verstärkt, mit dem sie von al-Qaida unterstützte Islamisten aus den Städten im Norden des westafrikanischen Landes vertreiben wollen. Damit ändern sie ihre Strategie: Eigentlich sollten afrikanische Truppen die Offensive leiten – das war das Ergebnis monatelanger Diskussionen bei den Vereinten Nationen.

Doch am Sonntag kämpften sich die französischen Soldaten sowohl auf dem Boden als auch in der Luft weiter in die Wüste vor. Panzer rollten in Timbuktu ein, einer Stadt, die seit April von militanten Islamisten besetzt ist.

dapd

Französische Soldaten auf einem Beobachtungsposten: Die Armee hat sich weiter in die Wüste im Norden von Mali vorgekämpft.

In Gao, der größten Stadt im Norden des Landes, versuchte die malische Armee am Sonntag, die versteckten Aufständischen aufzuspüren, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Zuvor hatten französische und malische Soldaten außerhalb der Stadt ihre Stützpunkte errichtet.

Rebellen haben Mobilfunktürme im Norden zerstört, weshalb es schwierig war, den Vormarsch genau zu verfolgen. Ein Sprecher der französischen Armee erklärte aber am Sonntag, dass eine Spezialeinheit von 600 bis 700 Soldaten auf dem Weg nach Timbuktu und dort auf Widerstand von Rebellen getroffen sei.

Mali - ein Staat scheitert

Die gut ausgerüsteten französischen Truppen steuern direkt die strategisch wichtigen Orte im Norden an, während die malische Armee und ihre Verbündeten aus Niger und Tschad das Gebiet sichern sollen. „Ziel ist es, dass die afrikanischen Truppen übernehmen können", sagte der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault. Frankreich habe „nicht die Absicht zu bleiben", fügte er hinzu.

Es bleibt aber abzuwarten, wie lange die französischen Soldaten warten müssen, bis ihre afrikanischen Verbündeten sie eingeholt haben. Seit knapp zehn Monaten planen afrikanische Generäle, etwa 3.000 Soldaten aus Westafrika in den malischen Norden zu schicken, um dem Militär zu helfen, die Region zurückzuerobern. Weitere 2.000 Soldaten sollen aus Tschad kommen. Man werde sich darauf beschränken, die schwache malische Armee darin zu unterstützen, die Islamisten an einem Vorstoß in Richtung Süden zu hindern, sagte die französische Regierung. Den Norden des Landes haben die Rebellen bereits unter ihrer Kontrolle. Diesen Teil zurückzugewinnen sei Aufgabe der afrikanischen Truppen, hatte die französische Regierung gesagt.

Doch während die Franzosen schon seit Wochen im Einsatz sind, haben die westafrikanischen Soldaten das Kampfgebiet noch nicht erreicht. Der nigerianische Verteidigungsminister habe angekündigt, bis zum 19. Januar 900 Soldaten nach Mali zu schicken, sagen französische und afrikanische Regierungsvertreter. Bisher sind lediglich 200 Soldaten im Land – und sie sind auf dem Flughafen der Hauptstadt Bamako stationiert, etwa 800 Kilometer von Timbuktu entfernt.

Soldaten warten auf Flugzeuge, die Fahrzeuge bringen

Weil ihnen Betten, Munition und Fahrzeuge fehlen, bleiben Tausende afrikanische Soldaten in ihren Heimatländern. Soldaten aus Tschad blieben im benachbarten Niger zurück, nachdem Rebellen eine Brücke in die Luft gejagt hatten. Und nigerianische Generäle sagen, dass ihr Land als einziges in Westafrika ein Frachtflugzeug besitzt. Nur langsam treffen Lieferungen auf dem provisorischen Stützpunkt hinter dem Flughafen der Hauptstadt ein. „Wir warten noch auf große Flugzeuge, die Fahrzeuge bringen", sagte ein französischer Soldat, der dabei hilft, den Einsatz der französischen und afrikanischen Truppen zu koordinieren.

Französische Militärvertreter sehen die Aufgabe der afrikanischen Truppen inzwischen weniger an der Front als darin, die Franzosen bei ihrem Vorstoß zu unterstützen. „Sie müssen ausgerüstet und ausgebildet werden", sagt ein französischer Oberst. „Mitte Februar werden sie bereit sein."

Bei den Anschlägen am Wochenende seien einige Islamisten-Stützpunkte zerstört worden, heißt es aus dem französischen Verteidigungsministerium. Inzwischen sind 2.500 französische Soldaten in Mali stationiert. Die USA helfen Frankreichs Armee dabei, ihre Flugzeuge zu betanken. Das ermöglicht es den Franzosen, ihren Einsatz im Norden auszuweiten und den Bodentruppen Unterstützung aus der Luft zu bieten. „Es hilft uns, das Tempo der Einsätze zu erhöhen und mehr Kampfflugzeuge in die Gegend zu schicken", sagte der französische Militärsprecher.

Trotz der Luftschläge ist der Widerstand der Rebellen noch nicht gebrochen. Derzeit halten sie sieben französische Geiseln. Man werde aber nicht mit den Islamisten über ihre Freilassung verhandeln, heißt es von französischer Seite. „Wir werden uns nicht erpressen lassen", sagte Ministerpräsident Ayrault.

—Mitarbeit: Adam Entous

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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