• The Wall Street Journal

Obama und Clinton sagen nichts zur Wahl 2016

    Von PETER NICHOLAS
Associated Press

Am Freitag gaben Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton ein gemeinsames Fernsehinterview. Clinton kündigte aber weder an, Präsidentin werden zu wollen, noch versicherte ihr Obama für diesen Fall seine Unterstützung.

Seine Unterstützung dürfte jedem künftigen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gut zu Gesicht stehen. Ihr politischer Stammbaum ist ein Pfund, um das sie jeder andere demokratische Kandidat beneidet.

Aber in einem gemeinsamen Interview in der Sendung "60 Minutes" des großen amerikanischen Fernsehsenders CBS sprach Präsident Barack Obama keine Unterstützung aus und die demnächst scheidende Außenministerin Hillary Clinton erklärte auch nicht, dass sie seinen Job wolle.

Es war ein etwas quälendes politisches Theater, als die beiden ehemaligen Konkurrenten aus dem Wahlkampfjahr 2008 über den ungewöhnlichen Weg sprachen, der sie dahin geführt hat, wo sie heute stehen.

Obama sagte, er habe dieses Interview gewollt, weil er Clinton auf diesem Wege öffentlich für ihre vier Jahre im Kabinett danken wollte. "Ich werde sie vermissen", sagte der Präsident, der im Weißen Haus neben Clinton saß. "Ich wünschte, sie würde in der Nähe bleiben. Aber sie war so viel unterwegs, dass ich es ihr gönne, mal ein bisschen kürzer zu treten."

Alle warten auf ein Wort von Clinton

Was Hillary Clinton als nächstes tun wird, ist eine Quelle unwiderstehlicher, aber gleichwohl vergeblicher Spekulation. Derzeit ist sie müde von den zahlreichen Reisen. Nachdem sie über 1,5 Millionen Kilometer in der Luft verbracht hat, schickte ihr Körper ihr kürzlich Warnsignale – erst eine Gehirnerschütterung und dann noch ein Blutgerinsel im Kopf. In der vergangenen Woche grillten sie auch noch die Republikaner im Ausschuss zu dem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi, bei dem vier Amerikaner einschließlich des Botschafters ums Leben kamen.

Der Interviewer Steve Kroft versuchte es zwar hartnäckig, aber er konnte dem Präsidenten keine Unterstützungspläne für Clintons politische Zukunft entlocken. Einer, der beides gerne wissen möchte, ist Vizepräsident Joe Biden, der bereits klar gemacht hat, dass er eine Kandidatur anstrebt.

"Ich habe die Aufgabe Sie zu fragen, wann die Zeit für seine Unterstützung abläuft", sagte Kroft in dem Interview am Freitag. "Oh, Steve…", antwortete Clinton. Obama fiel ein: "Wissen Sie, Steve, ihr von der Presse seid unverbesserlich. Ich wurde vor gerade mal vier Tagen vereidigt, und Sie sprechen schon über die Wahl in vier Jahren." Clinton machte dann klar: "Ich denke, weder er noch ich können vorhersagen, was morgen oder im nächsten Jahr passieren wird."

Obama fühlt sich wohl Clinton verpflichtet

Falls Clinton sich um die demokratische Kandidatur für 2016 bewirbt, dürfte sie sofort als Favoritin gelten. In der Tat würde diese Bekanntgabe einige mögliche demokratische Bewerber verängstigen, einschließlich Biden, die große Probleme haben dürften, Geld von Spendern loszueisen, die loyal zur Clinton-Familie stehen.

Wenn sich beide für eine Kandidatur entschließen sollten, säße Obama in der Zwickmühle. Bidens Redseligkeit hat zwar manchmal auch den Präsidenten genervt. Aber in den mehr als vier Jahren hat er sich als einer der wenigen im Weißen Haus erwiesen, die mit den Republikanern im Kongress erfolgreich Kompromisse aushandeln können. Bei der Abwendung der Fiskalklippe zum Jahreswechsel spielte er eine Schlüsselrolle.

Obama machte in dem Interview bei "60 Minutes" aber klar, dass er sich seiner Außenministerin verpflichtet fühlt. Als erster schwarzer Präsident will er sich nicht einer Frau in den Weg stellen, die die erste Präsidentin werden könnte.

Er sagte, dass „unsere starke Verbindung unter anderem darauf zurückgeht, dass wir die gleichen Sachen durchgemacht haben. Und dazu gehören auch die massiven Angriffe im Wahlkampf und die Kritik in der Presse".

Und jetzt? "Ich betrachte Hillary als eine starke Freundin", sagte Obama.

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