• The Wall Street Journal

Indische Anleihen locken mit hohen Renditen

    Von KHUSHITA VASANT, HANS BIELEFELD und STEFFEN GOSENHEIMER

Renditejäger werden es gerne hören: Die indische Zentralbank hat die Beschränkungen für ausländische Investoren weiter gelockert. Künftig dürfen Ausländer für wesentlich mehr Geld indische Staats- und Unternehmensanleihen kaufen als bisher. Indien will dadurch mehr ausländisches Kapital ins Land locken und seinem vor sich hindümpelnden Anleihemarkt auf die Sprünge helfen. Lokale Unternehmen sollen sich so künftig leichter mit frischem Kapital versorgen können. Gleichzeitig soll die schwächelnde Rupie gestützt werden, die im vergangenen Jahr fast sieben Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren hat.

dapd

Die Börse in Mumbai: Indien will mehr ausländisches Kapital ins Land holen.

Indische Staatsanleihen rentieren derzeit mehr als 300 Basispunkte höher als beispielsweise vergleichbare Schuldtitel Indonesiens und der Philippinen. Zudem sorgen nach Meinung der Analysten der HSBC zu erwartende Zinssenkungen in Indien, bevorstehende Neuemissionen und das Interesse ausländischer Anleger am indischen Markt für Kursfantasie bei indischen Anleihen. Aktuell werfen zehnjährige indische Anleihen eine Rendite von rund 7,88 Prozent ab.

Wenn die Reserve Bank of India am Dienstag ihren Quartalsbericht veröffentlicht, erwarten 13 von 17 von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte auch eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf dann noch 7,75 Prozent. Drei der Befragten rechnen sogar mit einem noch größeren Zinsschnitt um 50 Basispunkte, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Hintergrund der Zinssenkungserwartung ist auch ein zuletzt abgeebbter Inflationsdruck in Indien. Die Credit Agricole rechnet im laufenden Fiskaljahr mit einem Preisanstieg von 7,3 Prozent, der im kommenden Jahr auf 6,9 Prozent zurückgehen dürfte. Die Analysten leiten daraus ein Zinssenkungspotenzial 2013 von insgesamt 75 Basispunkten ab.

Insgesamt hat die indische Notenbank das Anleihen-Kontingent für ausländische Investoren nun um zehn Milliarden Dollar angehoben. Sie erhöhte die Quote für Staatsanleihen um fünf auf 25 Milliarden US-Dollar und für Unternehmensanleihen um ebenfalls fünf auf 50 Milliarden Dollar. Ausgenommen von der Neuregelung sind aber Schuldverschreibungen von Unternehmen aus dem Infrastruktursektor. Erst im vergangenen Juni hatte die Regierung das Limit für ausländische Käufe von indischen Staatsanleihen von 15 auf 20 Milliarden Dollar angehoben und wurde nicht enttäuscht. Das erhöhte Anlagevolumen wurde schnell ausgeschöpft.

Die nun verabschiedeten Lockerungen geben ausländischen Investoren zudem mehr Flexibilität bei der Auswahl der jeweiligen Papiere. Die Notenbanker hoben die bislang bestehenden Anforderungen an die Mindestlaufzeiten weitgehend auf. Zudem schafften sie die Mindesthaltedauer teilweise ab. Lediglich für Anleihen von Unternehmen aus dem Infrastruktur-Sektor gilt weiter eine Mindesthaltedauer von 15 Monaten, bevor Anleger diese Papiere wieder abstoßen dürfen. Zudem erlauben die Notenbanker Ausländern nun auch den Kauf von Papieren mit Restlaufzeiten von weniger als drei Jahren.

Die im September 2012 eingeleitete Reform zur vorsichtigen Öffnung des indischen Anleihemarktes macht das Land nach Einschätzung der Analysten der HSBC international zunehmend attraktiver. Allein in den vergangenen vier Monaten hätten Devisenausländer Obligationen im Gegenwert von 2,3 Milliarden Dollar erworben.

Auch die Credit Agricole schlägt positive Töne für Indien an. Reformen und ein sich verbesserndes konjunkturelles Umfeld dürften das Land Schritt für Schritt wieder auf Wachstumskurs bringen. Im kommenden Jahr sei ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 6,5 Prozent möglich. Für die indische Rupie sagen die Experten zum Jahresende einen Kursanstieg auf 52 Rupien für einen Dollar voraus. Aktuell kostet der Dollar 54,03 Rupien. Stände oberhalb von 50 seien im gegenwärtigen Umfeld als normal anzusehen, so die Credit Agricole, und dürften auch von der indischen Notenbank schon aus Wettbewerbsgründen gerne gesehen werden. Zuletzt kostete der Dollar im März 2012 knapp unter 50 Rupien.

Sollten die Experten der Credit Agricole mit ihrer Einschätzung einer steigenden Rupie recht behalten, würde sich für Interessenten ein Einstieg am indischen Anleihemarkt doppelt lohnen. Zu den Anleihezinsen kämen dann noch Kursgewinne am Devisenmarkt hinzu. Indien wird derzeit von den Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch mit "BBB" bewertet und von Moody's mit "Baa3". Dies gilt als gute Bonität und steht für Schuldner, die in der Lage sind, termingerecht Zinszahlungen zu leisten und Anleihen zurückzuzahlen.

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