• The Wall Street Journal

Chefin Mayer hält Yahoo auf Kurs

    Von AMIR EFRATI und JOHN LETZING
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Yahoo präsentiert besser als erwartete Zahlen fürs vierte Quartal.

Die neue Yahoo -Chefin Marissa Mayer hält den Internetkonzern Yahoo trotz mauer Quartalsergebnisse offensichtlich auf Kurs. Ein halbes Jahr nach ihrem Wechsel an die Unternehmensspitze meldete Yahoo für das vierte Quartal einen Gewinnsturz um 8 Prozent und einen Umsatzanstieg um 2 Prozent.

Zwar waren die Zahlen alles andere als robust – immerhin verkündete Branchenrivale Google in der vergangenen Woche für das selbe Quartal einen Umsatzanstieg von 22 Prozent im Kerngeschäft ohne seine Hardware-Sparte. Aber Analysten hatten für Yahoo noch Schlimmeres erwartet. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass das Geschäft von Yahoo sich zumindest nicht weiter verschlechtert hat.

An der Börse freuten sich Investoren über die Zahlen

Anleger hatte vor allem eines interessiert: Inwieweit würde es die ehemalige Google-Vizepräsidentin Mayer geschafft haben, den Umbau des Yahoo-Internetdienstes voranzutreiben? Das Resultat nahmen viele positiv auf; Aktien des Internetkonzerns stiegen nachbörslich um 3,15 Prozent auf 20,95 US-Dollar. Direkt nach Bekanntgabe der Zahlen war das Papier sogar nachbörslich um 3,6 Prozent gestiegen.

Mayer war im Juli 2012 auf den Chefsessel des strauchelnden Konzerns geholt worden, um die Trendwende einzuläuten. Eine klare Strategie, um dieses Ziel zu erreichen, hat sie bisher zwar nicht öffentlich gemacht. Sie hat aber einige Dienste des Unternehmens reformiert, darunter „Yahoo Mail" und „Flickr". Sie erhöhte die Vergünstigungen für Yahoo-Mitarbeiter. Und ging auf Einkaufstour, bei der sie kleinere Unternehmen im Wert von weniger als 100 Millionen Dollar aufkaufte. Erst vor wenigen Tagen hatte Yahoo das soziale Netzwerk Snip-it erworben, über das Nutzer Nachrichten, Fotos und Videos austauschen können.

dapd

Marissa Mayer auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die 37-Jährige will nach eigenem Bekunden Yahoos Schlagkraft im Bereich der Handy-Software erhöhen. Außerdem sollen die Inhalte, die das Unternehmen auf seinen Sport-, Nachrichten- und Unterhaltungsseiten anbietet, sich noch maßgeschneiderter an den Nutzerinteressen ausrichten.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos teilte Mayer vergangene Woche mit, dass sie zu diesem Zweck „kluge Partnerschaften" mit anderen Unternehmen eingehen wolle. So liefert Yahoo inzwischen einige Daten für den Telefon-Spracherkennungsdienst Siri des Technologiekonzerns Apple . Darüber kämen mehr Besucher auf die Yahoo-Seiten, sagte Mayer.

Anzeigengeschäft schwächelt weiter

Das mobile Geschäft stelle eine „aufkeimende Umsatzquelle" dar, sagte Mayer in einer Telefonkonferenz nach den Quartalsergebnissen. Mehr als 200 Millionen Klicks stammten von den mobilen Yahoo-Seiten. „Umsatz folgt immer den Nutzern, und im Mobilbereich wird das nicht anders sein", sagte Mayer.

Im Weihnachtsquartal schwächelte Yahoos Kerngeschäft mit Bildschirm-Anzeigen aber weiter. Der Umsatz aus Bild- und Videowerbung sowie aus interaktiven Anzeigen sank gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent. Nicht einbegriffen darin sind die Provisionen, die Yahoo an seine Partner zahlt.

Positiv aber: Die Umsätze über die Yahoo-Suche, die von der Microsoft -Suchmaschine Bing befeuert werden, stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent (Provisionskosten ausgenommen). Die Einnahmen aus Suchmaschinenwerbung haben sich in den vergangenen Quartalen unter anderem erhöht, weil Microsoft seine Werbeerlöse mit Yahoo teilt. Zudem klicken mehr Menschen auf die Yahoo-Suchmaschinenanzeigen.

Zahlreiche Hürden muss Yahoo in der Zukunft noch überwinden: Anzeigenkunden haben sich zuletzt wenig euphorisch über den Konzern geäußert. Anfang des Monats setzte sich Yahoo-Chefin Mayer deshalb mit einigen renommierten US-Werbeagentur-Leuten zusammen, um ihre Zukunftspläne für den Konzern darzulegen. Unter vier Augen haben Werber aber gesagt, dass diese Pläne bisher kaum Details enthielten und dass Rivalen wie Google und Facebook spannendere Chancen böten.

Darüber hinaus interessieren sich Nutzer zunehmend weniger für die wichtigen Webseiten des Konzerns, was sie für Werber ebenfalls weniger interessant macht. Im Dezember verzeichneten die amerikanischen Seiten für die Internetsuche, für Sport, für Finanzen und für Email laut Marktforschungsdienst Comscore 12 bis 25 Prozent weniger „Unique Visitors" als im Vorjahr.

Das hat zur Folge, dass Yahoos Anteil auf dem Markt für Online-Werbung weiter schrumpft. Die Marktforscher der Firma Emarketer schätzen, dass im Jahr 2012 8,4 Prozent der Umsätze im Online-Werbemarkt auf das Konto von Yahoo gingen. 2011 lag dieser Anteil bei 9,6 Prozent und 2010 bei 12,8 Prozent.

Der Gesamtgewinn je Aktie lag wegen der Kosten aus dem jüngsten Geschäftsstopp in Südkorea im Berichtsquartal bei 272 Millionen Dollar oder 23 US-Cents je Aktie. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte der Konzern noch 296 Millionen Dollar oder 24 Cents je Aktie erwirtschaftet. Der Umsatz stieg auf 1,35 Milliaden Dollar nach 1,32 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Im laufenden Quartal peilt das Unternehmen einen Umsatz abzüglich Provisionszahlungen zwischen 1,07 und 1,1 Milliarden Dollar an. Im Gesamtjahr 2013 soll der Umsatz zwischen 4,5 und 4,6 Milliarden Dollar liegen. Das entspricht auch den Analystenprognosen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Berichtigung
In einer früheren Version dieses Textes war versehentlich der Gewinn je Aktie mit 32 Cents beziffert worden. Dieser lag im vierten Quartal richtigerweise bei 23 Cents je Aktie.

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