• The Wall Street Journal

Royal Bank of Scotland soll Zinspfusch gestehen

    Von DAVID ENRICH, EVAN PEREZ und DANA CIMILLUCA

Im Skandal um manipulierte Zinssätze drängen US-Finanzfahnder die Royal Bank of Scotland Group zu einem Schuldeingeständnis. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, wollen die Ermittler das Verfahren gegen die Bank beilegen, wenn eine Sparte der RBS sich zu den kriminellen Machenschaften am Markt schuldig bekennt und außerdem eine Strafe zahlt.

RBS-Vorstände aber wehren sich laut den Quellen noch gegen jegliches Schuldeingeständnis aus Angst, dass führende Kunden ihre Beziehungen zu der Bank einstellen könnten und dass damit Tür und Tor für weitere kostspielige Prozesse in der Zukunft geöffnet würden.

Reuters

Soll zugeben, dass ihre Mitarbeiter den Libor-Interbankenzins manipuliert haben: die Royal Bank of Scotland, die zu 82 Prozent der britischen Regierung gehört.

Die Verhandlungen zeigen, dass die US-Behörden gewillt sind, härter bei Finanzmarktdelikten durchzugreifen. Bis vor kurzem wurden die Aufseher noch dafür kritisiert, dass sie Großbanken viel zu häufig ungeschoren davon kommen ließen.

Sollten die Ermittler mit den RBS-Chefs übereinkommen, werden amerikanische und britische Behörden wohl eine Strafe von knapp 500 Millionen Pfund (rund 583 Millionen Euro) verhängen – auch wenn die genaue Summe noch nicht feststehe, sagen die informierten Personen. Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll der Fall aber abgewickelt werden. Die Verhandlungen laufen bereits seit Herbst 2012.

Die RBS wäre dann die dritte Bank, die einen Vergleich in dem aufsehenerregenden Verfahren aushandeln könnte. Ihr wird vorgeworfen, Mitarbeiter hätten versucht, den Londoner Interbanken-Zinssatz Libor und andere Leitzinsen zu manipulieren. Im vergangenen Jahr hatten schon die Banken Barclays und UBS einen Vergleich erzielt, die insgesamt fast 2 Milliarden Dollar zahlten, um die Vorwürfe beizulegen.

Weil eine Einigung mit der RBS näherrückt, haben sich den Insidern zufolge schon Top-Manager von rund einem Dutzend Banken, bei denen noch ermittelt wird, in lockerer Runde zusammengesetzt. Sie wollen eine Lösung finden, die mehrere Banken auf einmal beinhaltet. Die Gespräche seien aber noch am Anfang und könnten auch im Sande verlaufen. Aufsichtsbehörden seien nicht daran beteiligt, sagen die informierten Personen weiter.

Amerikanische Strafverfolger drängen darauf, dass ein Bereich der RBS zugibt, die Zinsen manipuliert zu haben, sagen die Insider. Offenbar handelt es sich dabei um eine Einheit in Asien, wo ein Teil der Zinsmanipulationen stattgefunden haben soll. Zwar sträuben sich RBS-Manager noch dazu, aber es ist nicht klar, wieviel Gewicht sie bei den Verhandlungen überhaupt in die Waagschale werfen können. Das Justizministerium kann auch ohne die Zustimmung der Bank Strafanzeige stellen.

Die Bank RBS gehört zu 82 Prozent der britischen Regierung.

Reuters

Andrea Orcel (m), Vorstandschef der Investmentbank UBS nach einer Anhörung des britischen Untersuchungsausschusses zum Libor-Bankenskandal Anfang Januar.

Die japanische Einheit der UBS hatte im Rahmen des Vergleichs im vergangenen Monat zugegeben, Zinsen manipuliert zu haben. Vertreter des Justizministeriums waren überrascht, dass die erwartete negative Reaktion auf den Märkten und unter Aufsichtsbehörden ausblieb. Vor dem Vergleich hatten einige befürchtet, dass die Bank ins Wackeln geraten könnte. Das habe die Behörden dazu ermutigt, auch gegen andere Banken wie die RBS vorzugehen, sagen Insider.

Die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA habe keine Strafanzeige gegen die RBS gestellt, sagen Insider. Doch die SFO, eine Strafverfolgungsbehörde, die sich mit schweren Betrugsdelikten befasst, prüfe die Sache weiter. Sie überlegt, gegen einzelne Banker vorzugehen, die in die Libor-Manipulation verwickelt sind.

Weniger Strafe als UBS, aber mehr als Barclays

Mit einer möglichen Strafe von 500 Millionen Pfund würde die RBS zwar weniger zahlen müssen als die UBS, aber mehr als die Barclays Bank. Die Behörden sind der Ansicht, dass RBS-Händler und ihre Abteilungsleiter jahrelang versucht hätten, die Zinsen zu manipulieren. Dabei sollen sie auch mit Angestellten anderer Banken zusammengearbeitet haben, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht und wie mit der Sache vertraute Personen bestätigen.

„Die Gespräche mit verschiedenen Behörden über den Libor dauern an", sagte RBS-Sprecher Michael Strachan. „Wir arbeiten weiter in vollem Umfang mit ihnen zusammen."

Mindestens ein Dutzend weiterer Banken in den USA, Europa und Asien sollen versucht haben, den Libor und den Referenzzinssatz Euribor manipuliert zu haben. Auch die Deutsche Bank muss sich wegen möglicher Zinsmanipulationen verantworten.

Vergangene Woche regte UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber laut einem Informanten an, dass die Branche einen Deal abschließen sollte, der mehrere Banken umfasst. Eine komplette Aufklärung der Angelegenheit auf einen Schlag würde den Banken dabei helfen, ihren ramponierten Ruf wieder zu herzustellen, erklärte Weber der informierten Person zufolge während eines Treffen hinter verschlossenen Türen beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die Chancen für eine schnelle Einigung, die mehrere Banken umfasst, stehen zumindest kurzfristig aber nicht sonderlich gut. Solche Gespräche seien vielmehr Wunschdenken, sagte ein Offizieller einer Behörde, die Untersuchungen in der Libor-Affäre durchführt. Ein Banken-Manager, der an Gesprächen über eine umfangreiche Einigung beteiligt war, zeigte sich besorgt. Der jetzige Stand sei nicht das, was man vereinbaren sollte.

Dennoch, die Gespräche zeigen die wachsende Zuversicht in der Bankenbranche, dass die meisten Institute den Libor-Skandal relativ schmerzfrei überstehen werden. An den Gesprächen beteiligte Banker sagen, eine solche Einigung müsse die Institute von der privaten Strafverfolgung abschirmen, die den Verantwortlichen in der Branche größeres Kopfzerbrechen beschert als die von den Regulierungsbehörden verhängten Strafen. Allerdings sind Banker, Anwälte und Behördenvertreter der Ansicht, dass ein solcher Deal schwierig umzusetzen sei. Das liege zum Teil an der großen Anzahl beteiligter Parteien. „Der schwierige Teil ist, wie man die Haftbarkeit abgrenzt", sagte ein beteiligter Vorstandsvorsitzender. „Sonst lohnt es sich nicht."

—Mitarbeit: Jean Eaglesham

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