• The Wall Street Journal

Samwer-Brüder werden Wimdu nicht los

Haben sich die Samwer-Brüder und ihr Start-up-Finanzierer Rocket Internet verspekuliert?

    Von STEPHAN DÖRNER

Die Idee ist gut und erfolgreich: Wer nicht zu Hause ist, vermietet seine Privatwohnung oder sein Haus einfach via Internet und verdient so nebenbei etwas. Der Mieter bekommt dafür eine günstige Wohnung im Herzen der Stadt statt ein steriles Hotel in einem Außenbezirk. Das Problem auf dem deutschen Markt: Gleich drei Anbieter liefern sich eine teure Schlacht um Marktanteile. Neben dem amerikanischen Original Airbnb buhlen hierzulande auch Wimdu und 9Flats um Kunden.

dapd

Mitarbeiter der Internet-Zimmervermittlung Wimdu in Berlin.

Die drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer gehören sind die wohl bekanntesten deutschen Start-up-Investoren, die unter anderem an der Gründung des Klingeltonanbieters Jamba im Jahre 2000 beteiligt waren.

Focus: Wimdu will niemand kaufen

Die Chancen des Samwer-Start-ups Wimdu gegen den Weltmarktführer Airbnb stehen dabei offenbar so schlecht, dass nach einem Bericht des Netzökonomie-Blogs von Focus.de keine Investoren für einen Exit gefunden werden. Rocket Internet ist ein sogenannter Inkubator, der Start-ups in der Gründungsphase finanziert - in der Regel, um die Beteiligung später zu einem höheren Preis zu verkaufen.

Mit Berufung auf Branchenkreise berichtet das Blog jedoch, dass potenzielle Investoren abgewinkt hätten. Damit drohe Wimdu zu einer teuren Investitionsruine der Samwers zu werden. Dem Bericht zufolge haben die Berliner über Rocket Internet schon rund 70 bis 80 Millionen Euro in den Aufbau des Portals investiert. Ein Sprecher von Rocket Internet, die Beteiligungsgesellschaft der Samwer-Brüder, sagte, dass das Unternehmen Gerüchte grundsätzlich nicht kommentiere.

Wimdu dementiert

"Das erwähnte Branchengerücht ist falsch, uns unbekannt und bedarf daher auch keines weiteren Kommentars", sagte dagegen eine Wimdu-Sprecherin auf Anfrage. "Wir sind sehr zufrieden mit unseren Geschäftszahlen und Wachstumsperspektiven", fügte sie hinzu. Das Unternehmen habe das langfristiges Ziel, Wimdu als die erste Wahl für Unterkünfte auf der ganzen Welt zu etablieren und sei daher derzeit gar nicht auf der Suche nach Käufern. Die Umsätze hätte das Unternehmen auf "bereits hohem Niveau" in den letzten zwölf Monaten mehr als verdreifachen können. "Damit gehört Wimdu zu den führenden Touristikunternehmen in Deutschland", sagte die Sprecherin.

Auch der Konkurrent 9Flats steht dem Bericht zufolge schon seit längerem erfolglos zum Verkauf. Der Konkurrent von Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher musste 2011 Mitarbeiter entlassen müssen. Im Gespräch mit Deutsche-Startups.de sagte 9Flats-Chef Uhrenbacher, dass das Unternehmen stark wachse. "Airbnb versucht zwar mit sehr viel Geld den Markt zu kaufen, aber 95 % der Menschen in Europa kennen das Modell noch gar nicht. Und es ist viel eher eine Buchungsplattform als ein Social Network. Von daher kein winner takes all", sagte Uhrenbacher.

9Flats war im November 2010 als das eine Ein-zu-Eins-Kopie des ursprünglichen Geschäftsmodells von Airbnb gestartet. Wimdu kam im März 2011 dazu. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal Deutschland im vergangenen Jahre hatte Uhrenbacher gesagt, dass er über den Einstieg der Samwer-Brüder auf dem heiß umkämpften Markt überrascht war.

Hinweis vom 31. Januar 2013: Der Artikel wurde um aktuelle Zitate von 9Flats-Chef Stephan Uhrenbacher ergänzt. Außerdem wurde klargestellt, dass die Entlassungen bei 9Flats bereits 2011 stattfanden.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@wsj.com

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