• The Wall Street Journal

RIM kämpft um seine letzte Chance

    Von DAN GALLAGHER

Am Mittwochmorgen stellt Research In Motion in New York City Blackberry 10 vor, das Betriebssystem für mobile Geräte, das das kanadische Unternehmen wieder wettbewerbsfähig machen soll. Außerdem sollen zwei neue Geräte vorgestellt werden, eines davon ein Smartphone mit Touch-Screen.

Für RIM steht am Mittwoch viel auf dem Spiel. Einige Analysten glauben sogar, dass es die letzte Chance des Unternehmens sei, noch zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für Apple und Co. zu werden. Dabei dominierte RIM den Smartphone-Markt, bis mit dem iPhone die Touchscreen-Technologie zum Standard wurde. RIM investiert viel Geld in diese Markteinführung und hat sogar zum ersten Mal einen Werbespot für den Super Bowl gedreht, das wichtigste Football-Spiel des Jahres, bei dem Millionen Menschen zuschauen.

„Das ist ein extrem umkämpfter Markt, und die meisten Verbraucher haben sich über BlackBerry schon eine Meinung gebildet. Deshalb glauben wir, dass RIM die Zuschauer jetzt wirklich verblüffen muss", schreibt Mark Sue von RBC Capital Markets am Montag.

Außerdem rechnen Beobachter mit mehr Details über den Verkaufsstart und die Preise für die neuen Smartphones. Zuvor hatte das Unternehmen einen Verkaufsstart bis Ende März angekündigt.

dapd

Drei Blackberry-Smartphones in New York.

Anleger rechnen schon jetzt mit einem gewissen Erfolg. Die amerikanischen Aktien von RIM haben Aufwind, seit das Unternehmen Ende September einen ersten Blick auf das neue Betriebssystem gewährt hat. Obwohl die Papiere am Montag um acht Prozent fielen, nachdem sich Gerüchte als falsch herausstellten, haben sie unter dem Strich seit Ende September immer noch um 150 Prozent zugelegt.

Trotzdem ist der Kurs von 16,18 Dollar immer noch nur ein Bruchteil des Werts von 60 Dollar, den die Aktie vor zwei Jahren hatte. Und selbst zu dem Zeitpunkt hatte RIM seit seinem Höhepunkt an der Börse schon über die Hälfte an Wert verloren – Mitte 2008 notierte das Papier noch bei 140 Dollar. Doch dann brachte Apple das iPhone 3G für 200 Dollar auf den Markt und nahm RIM immer mehr Marktanteile ab. Im folgenden Jahr wurden Geräte mit dem Google -Betriebssystem Android immer beliebter und verstärkten diesen Trend.

Auf verschiedenen Blogs tauchten jüngst vermeintliche Fotos der neuen Blackberry-Smartphones auf. Eine französische Seite namens NWE veröffentlichte Fotos von einem neuen Gerät mit der Blackberry-typischen Tastatur.

Investoren und Analysten sind uneins darüber, ob RIM sein Betriebssystem auf breiter Front an den Mann bringen kann. Einige glauben, dass das Unternehmen genug Firmenkunden hat, die das Betriebssystem für eine große Gruppe von Nutzern einführen würden, andere glauben, dass Mitarbeiter bei Firmen heute meistens ein Gerät ihrer Wahl nutzen dürfen, was Blackberry womöglich schaden könnte

„RIM hat zwar einen großen Marktanteil verloren, aber wir glauben auch, dass die verbleibenden Kunden schon lange auf ein Upgrade warten", schrieb Peter Misek von Jefferies & Co. vergangene Woche in einem Bericht. Darin hob er seine Bewertung von RIM auf „Buy" an.

Jim Suva von der Citigroup ist weniger optimistisch. Laut seinem neusten Bericht glaubt er, dass Firmenkunden das neue Betriebssystem zuerst vier bis sechs Monate lang testen werden. Einige würden den Angestellten zudem wahrscheinlich anbieten, selbst ein Gerät zu wählen. Dadurch wären sie nicht gezwungen, ein Blackberry-Gerät zu nutzen.

„Die Stimmung hellt sich auf, je näher wir der Markteinführung kommen. Auch Mobilfunkanbieter haben ihr Interesse geäußert. Aber wir erinnern Anleger daran, dass es der tatsächliche Durchverkauf ist, der am Ende entscheidet, wie sich das neue Betriebssystem und die Geräte auf die Bilanz des Unternehmens auswirken", schreibt Suva.

RIM muss nicht nur gegen Apple und Samsung ankommen, sondern seit neustem auch gegen das Windows Phone von Microsoft und Nokia . All diese Betriebssysteme konkurrieren um die Aufmerksamkeit von App-Programmierern und die Treue von Netzanbietern.

„Der extrem umkämpfte Smartphone-Markt lässt RIM nur ein kleines Zeitfenster, um sich wieder zu etablieren, und das trotz dem aggressiven Marketing von Microsoft, ganz zu schweigen von Apple und Google mit seinen Android-Partnern", schreibt Charles Golvin von Forrester Research am Montag. „Das ist eine gigantische Herausforderung für ein Unternehmen wie RIM."

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