• The Wall Street Journal

Spanien will kleine Sparer für Verluste entschädigen

    Von CHRISTOPHER BJORK

MADRID - Spaniens große Parteien haben sich am Dienstag auf einen Plan geeinigt, wie sie Zehntausende kleine Sparer für Verluste mit Vorzugsaktien entschädigen können, die im Zuge der Wirtschafts- und Bankenkrise des Landes einen Großteil ihres Wertes verloren haben.

Monatelang hatten wütende Bankkunden protestiert, sie seien von den Banken getäuscht worden. Ihnen seien die Anteilsscheine als komplett sichere Anlage verkauft worden. Nach dem jetzt vereinbarten überparteilichen Plan soll mit Hilfe erweiterter Schiedsverfahren geklärt werden, ob die Banken die komplexen Anlageinstrumente auch an Kunden verkauft hätten, die nicht in der Lage seien, das Risiko einzuschätzen oder ob sie über die Risiken auch im Einzelfall nicht aufgeklärt hätten, sagte Valeriano Gómez, Sprecher der oppositionellen sozialistischen Parlamentsfraktion.

Alfonso Alonso, Sprecher der regierenden spanischen Volkspartei, sagte, die Vereinbarung müsse jetzt noch vom Parlament verabschiedet werden, doch sei dies gesichert. Die Vereinbarung umfasse Vorzugsaktien verschiedener Banken im Volumen mehrerer Milliarden Euro, die Rettungsbeihilfen der EU bekommen hätten. Ein Teil der 37 Milliarden Euro EU-Gelder zur Rekapitalisierung der spanischen Banken werde dazu verwandt, Entschädigungen für düpierte Sparer zu leisten.

Reuters

Der Protest der Sparer und Kreditnehmer hat in Spanien das ganze Land erfasst. Vor der Zentrale der Bankia in Madrid harren Demonstranten zum Teil schon seit 100 Tagen in Zelten aus. Jetzt scheint eine Lösung für ein Problem der Sparer gefunden.

„Dies könnte am Ende eine gute Nachricht sein", sagte Marisa Pazos Silva, die im galizischen Städtchen Moaña die Proteste organisiert hat, wo hunderte Sparer diese Vorzugsaktien erworben haben. „Die Menschen sind sehr wütend, aufgeheizt und nervös", sagt sie. „Wir wollen das jetzt einfach nur zu einem Ende bringen."

Vorgesehen ist, dass jeder Einzelfall in einem Schiedsverfahren überprüft wird. Wann immer dabei die Bank unterliegt, soll sie den jeweiligen Sparer vollständig entschädigen und einen kleinen Zins zahlen. Das kann in Form eines Sparbuchs bei der jeweiligen Bank geschehen.

Fast 700.000 spanische Sparer haben ihr Geld - in manchen Fällen handelt es sich um die kompletten Ersparnisse des Lebens - im zurückliegenden Jahrzehnt in hochverzinsliche Vorzugsaktien gesteckt. Nachdem 2008 die Finanzkrise begann, verfielen die Aktien derart im Wert, dass es faktisch unmöglich wurde, sie zu verkaufen. Die betroffenen Banken hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt 22,5 Milliarden Euro Kapital mit Hilfe von Vorzugsaktien von ihren Sparern besorgt.

Viele Sparer werfen den Bankmitarbeitern in ihren Filialen vor, sie mit dem Versprechen über das Ohr gehauen zu haben, die Vorzugsaktien seien genauso sicher wie Spareinlagen. Als die Banken ihnen schließlich anboten, die Vorzugsaktien gegen Sparguthaben zu tauschen, blockierte die EU das Vorhaben. Brüssel beharrte vielmehr darauf, dass auch die Sparer selbst bei Banken einen Teil der Verluste tragen müssten, die mit EU-Hilfe gerettet worden seien.

Später hatten die Novagalicia Banco SA und die Catalunya Banc SA unter der Aufsicht regionaler Behörden Schiedsverfahren mit ihren Sparern eingeleitet, doch bisher ist es nur in wenigen Fällen zu einer Einigung gekommen.

Frau Pazos Silva ist eine von 270 Inhabern von Vorzugsaktien ihrer Gemeinde, die ihre Ersparnisse von der Novagalicia Banco zurückbekommen haben, doch hunderte andere warteten noch auf eine Lösung. Einzelne Betroffene campieren im Wechsel seit Anfang Dezember vor den Bankfilialen. Ihr sichtbarer Protest soll das Verfahren beschleunigen.

Die Vereinbarung der beiden großen politischen Kräfte vom Dienstag stellt die Schiedsverfahren unter nationale Rechtssprechung und unter die Aufsicht der spanischen Zentralbank und der Börsenaufsicht. Auf eine Entschädigung hoffen dürfen unter anderem auch Kunden der Bankia SA, dem größten Institut, das in Spanien in Schieflage geraten ist.

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