• The Wall Street Journal

Gewinner und Verlierer im nächsten Smartphone-Krieg

    Von TIERNAN RAY
Agence France-Presse/Getty Images

Fotos von den neuesten Smartphones in Barcelona. Am Sonntag galt alle Aufmerksamkeit dem Ascend P2 von der noch unbekannten chinesischen Marke Huawei.

Dass sich das Wachstum der Smartphone-Industrie verlangsamt, ist eine Tatsache. Tatsache ist aber auch, dass die Branche immer noch atemberaubend wächst – und mit ihren Bilanzen nach wie vor positiv überraschen kann.

2013 dürften die Hersteller weltweit rund 886 Millionen Smartphones absetzen, schätzen Analysten. Das wäre etwa die Hälfte aller verkauften Mobiltelefone und ein Wachstum von 31 Prozent. Und es wäre das Zweieinhalbfache des gesamten Computerabsatzes im Jahr 2012.

In dieser Woche trifft sich die Branche zu ihrem großen jährlichen Rummel, dem Mobile World Congress in Barcelona. Nach wie vor ist es eine sehr jung Branche, die mit technischen Veränderungen in bemerkenswerter Geschwindigkeit zu tun hat.

Das wird womöglich den dominanten Hestellern in die Karten spielen: dem Marktführer Samsung Electronics etwa, der im vierten Quartal 29 Prozent des weltweiten Smartphone-Absatzes kontrollierte, und dem iPhone-Anbieter Apple, der nach Angaben von Strategy Analytics mit 22 Prozent auf Platz zwei folgte. Profitieren wird auch Qualcomm, der führenden Anbieter von drahtlosen Handychips.

Im vergangenen Jahr wuchs der weltweite Smartphone-Absatz nach den Zahlen der Marktforscher von Gartner um beeindruckende 43 Prozent. Zwar war das Wachstumstempo verglichen mit 2011 (plus 58 Prozent) und vor allem mit 2010 (plus 72 Prozent) rückläufig. Doch das ist kaum verwunderlich, da doch der der Höhenflug der Smartphone-Anbieter erst vor drei Jahren richtig begann. Obwohl der Markt allmählich reift, ist er noch immer für positive Überraschungen gut. 700 Millionen Smartphones wurden 2012 verkauft, etwa 10 Millionen mehr als zu Beginn des Jahres erwartet worden war, sagte etwa Neil Mawston, Research-Direktor bei Strategy Analytics.

Vom Telefon zum leistungsfähigen Taschen-Computer

Ähnlich Qualcomm: Der Chip-Lieferant schätzt, dass im vergangene Jahr 928 Millionen Mobiltelefone verkauft wurden, die die fortschrittlichen 3G- oder 4G-Netze nutzen. Das sind 30 Millionen mehr, als Qualcomm im November 2011 vorhergesagt hatte.

Smartphones gab es schon vor dem Jahr 2010. Zu einem Massenprodukt wurden sie aber erst, als mehr Menschen in den Industrieländern mit schnelleren Verbindungen im Internet surfen konnten. Der 3G-Netzstandard, in Europa unter dem Kürzel UMTS bekannt, sorgte dafür, dass Mobiltelefone populär wurden, die eigentlich leistungsfähige Taschencomputer sind.

Die Frage ist, woher das Wachstum künftig kommen soll. Ein nächster großer Antrieb könnte von der nächste großen Weiterentwicklung im Netz kommen – auf 3G folgt nämlich Long-Term-Evolution, kurz: LTE.

Nicht nur in den USA werden für Milliarden Dollar LTE-Netze ausgebaut, auch in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden ist der Ausbau in vollem Gange, lediglich einige südeuropäische Länder hinken noch hinterher. In Ballungszentren wie Frankfurt werden gezielt schon Handys beworben, die immer mit Hochgeschwindigkeit auf Daten im Netz zugreifen können, wie das neue iPhone 5.

Bisher scheint es aber so, als würden die Handynutzer LTE wenig wahrnehmen oder die Vorteile erkennen. Analyst Peter Misek von Jefferies & Co. zitierte jüngst in einer Studie eine Umfrage von Mobilfunk-Betreibern, der zufolge weniger als die Hälfte der Mobilfunkkunden Interesse an LTE zeigte.

Interesse an LTE ist noch gering

„Jüngere und wohlhabendere Konsumenten und solche, die technikaffin sind, wissen, dass sie LTE wollen", sagte Research-Chef Mawston. „Ältere, Menschen mit geringerem Einkommen und einfachere Leute schauen eher auf den Preis."

Er ist trotzdem zuversichtlich, dass LTE sich letztlich durchsetzen wird und dass in Schwellenländern die Handy-Nutzer von 2G-Geräten auf 3G-Smartphones umsatteln werden. Weiteres Wachstum wäre danach gesichert.

Die Industrie arbeitet derweil daran, ein Gerät, das ursprünglich nur zum Telefonieren gedacht war, in einen tragbaren Computer zu verwandeln. Noch ist das Potenzial da: „Solange die Hersteller weitere Innovationen auf den Markt bringen, werden sie die Kunden überzeugen können, bei den Geräten aufzurüsten", sagte Analyst Chistopher Caso von der Susquehanna Financial Group. „Bis sich die Fähigkeiten von Smartphones und PCs angeglichen haben werden wir den Gipfel des Geschäfts nicht erreicht haben." Und bis dahin sei es noch ein weiter Weg.

Aus Sicht von Caso spricht das vor allem für Qualcomm. Weltweit nutzen vier Milliarden Handy-Besitzer noch nicht den Mobilfunkstandard der dritten oder vierten Generation. Mit anderen Worten: Qualcomm, das für seine Patente auch dann Geld bekommt, wenn es die Chips nicht selbst verkauft, hat hier gewaltiges Potenzial.

Zwar kommen die Wettbewerber Broadcom, Nvidia und Intel allmählich mit eigenen Basisband-Chips auf den Markt. Bis sie Qualcomm herausfordern können, müssen sie aber noch eine ordentliche Lernkurve hinter sich bringen.

Apple und Samsung machen 101 Prozent des Gewinns

Für alle anderen in der Branche wird es auch in der Zukunft darum gehen, ob sie sich aus dem Würgegriff von Samsung und Apple befreien können. In einer Research-Studie für Kunden listet Analyst Tavis McCourt von Raymond James die Gewinner und Verlierer in der Mobilfunkbranche auf. Apple, schreibt McCourt, habe im vierten Quartal für 13 Prozent aller verkauften Mobiltelefone und Tablet-Computer gestanden, habe aber 40 Prozent der Umsätze und 75 Prozent der Gewinne der Branche auf sich vereint. Auf Samsung entfielen 30 Prozent der Umsätze und 26 Prozent der Gewinne.

Die Zahlen klingen unglaublich, stimmen aber. Apple und Samsung stehen nach McCourts Metrik zusammen für 101 Prozent des Gesamtgewinns im Mobilfunksektor. Möglich wird das, weil Nokia und Blackberry im vergangenen Jahr beide Verlust einfuhren.

Entscheidend für die künftige Position von Apple und Samsung wird die Entwicklung der chinesischen Hersteller Lenovo, ZTE und Huawei sein, die in China, dem weltgrößten Mobilfunkmarkt, hinter Samsung auf den Plätzen zwei, vier und fünf liegen. Nokia schafft es hier immer noch auf Platz drei.

Hersteller aus China standen 2012 für 65 Prozent aller Verkäufe in der Volksrepublik –zumTeil, weil lokale Verkäufer und Zwischenhändler sich dafür eingesetzt haben, chinesische statt ausländische Marken zu verkaufen. Apple liegt in China trotz hoher Wachstumsraten auf Platz sechs, mit einem Marktanteil von lediglich sieben Prozent. Der weltgrößte Konzern rangiert damit nur knapp vor dem siebtplatzierten Coolpad, einer chinesischen Firma, von der die wenigsten je gehört haben dürften.

Mittlerweile versuchen Huawei und die anderen, auch international Fuß zu fassen. Für das bestehende Smartphone-Duopol dürfte das die größte Herausforderung sein. „Der [mobile] Markt bewegt sich immer in Zyklen, und Samsung und Apple haben gerade ihre Blütezeit", sagt Mawston von Strategy Analytics. „Irgendwann werden sie ersetzt abgelöst werden", fügt er hinzu, so wie einst Motorola und Nokia. „Vermutlich wird es aber noch ein paar Jahre dauern."

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