• The Wall Street Journal

US-Staatsanleihen sind die großen Gewinner

    Von CYNTHIA LIN

Die US-Staatsanleihen leben derzeit anscheinend in der besten aller Welten: Egal was die Notenbank Federal Reserve tut - solange sich die amerikanische Wirtschaft nur langsam erholt, geht es für sie nach oben.

Im Moment ist noch nicht klar, ob die Fed weiter jeden Monat Anleihen für 85 Milliarden US-Dollar kauft oder ob sie ihr Programm, das die Wirtschaft ankurbeln soll, zurückfahren wird. Die Meinungen über die Effizienz des Programms unter den Direktoriums-Mitgliedern der Fed gehen weit auseinander, wie das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung gezeigt hat.

Reuters

Das Gebäude der Federal Reserve in Washington: Egal was die Notenbank tut - solange sich die amerikanische Wirtschaft nur langsam erholt, geht es für US-Staatsanleihen nach oben.

Derzeit kauft die Fed jeden Monat langfristige Anleihen für 40 Milliarden Dollar. Doch auch wenn die Notenbank die Anleihekäufe herunterfahren oder ganz stoppen sollte, dürften die Kurse davon profitieren. Denn an den Aktienmärkten dürfte es dann nach unten gehen, weshalb Anleger verstärkt in die vermeintlich sicheren Staatsanleihen flüchten würden.

„Aktien sind stärker auf die Unterstützung der Fed angewiesen als Anleihen", sagt Tom Graff, Portfolio-Manager beim amerikanischen Fondshaus Brown Advisory. „Normalerweise geht es an der Börse um Unternehmensergebnisse, aber im Moment geht es um die lockere Geldpolitik der Fed."

Graff hat jüngst kurzlaufende inflationsgeschützte Treasurys gekauft. Er geht davon aus, dass die Fed eine höhere Inflation zulässt, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft stabil ist, bevor sie das Programm beendet. Graff glaubt, dass die Notenbank im dritten Quartal das Anleihekaufprogramm langsam zurückfährt, wenn die Wirtschaft dann anziehen sollte.

Die Reaktionen auf das Protokoll gaben einen Vorgeschmack darauf, wie Investoren wohl darauf reagieren werden, wenn die Fed weniger Anleihen kauft, bevor sie von einer Erholung der Wirtschaft überzeugt sind. Die Zinsen über einen längeren Zeitraum so niedrig zu halten, berge Risiken, fürchten einige Notenbank-Vertreter. Sie sind deshalb der Meinung, dass die Fed ihr Anleihekaufprogramm zurückfahren sollte, bevor sich der Arbeitsmarkt komplett erholt hat, wie aus dem Protokoll hervorgeht.

In Reaktion darauf ging es zunächst auch am Anleihemarkt nach unten, bevor ein Abwärtstrend an der Börse für eine Anleihen-Rally sorgte. Die Rendite für Treasurys mit einer zehnjährigen Laufzeit, die sich entgegengesetzt zu ihrem Kurs bewegt, fiel am vergangenen Freitag auf 1,97 Prozent. Vor der Veröffentlichung des Protokolls stand sie bei 2,03 Prozent.

„An den Aktienmärkten wir es definitiv nach unten gehen, wenn sich die Fed zurückzieht", sagt Paul Zemsky Chef der US-Investmentsparte bei der ING-Bank. „Aber es kommt auf die Wirtschaft an. Wenn die Fed (das Anleihekaufprogramm) beendet, bevor sich der Arbeitsmarkt erholt hat, weil sie sich um die negativen Auswirkungen sorgt, könnte es am Aktienmarkt um fünf Prozent nach unten gehen."

Nun warten die Anleger darauf, was Fed-Chef Ben Bernanke in seiner Rede am Dienstag vor dem Kongress sagen wird. Analysten gehen davon aus, dass er sich weiterhin vorsichtig zur wirtschaftlichen Lage äußern und zum Anleihekaufprogramm bekennen wird.

"Wenn die Fed das Programm beendet, werden Aktien nachgeben"

Für diejenigen, die auf Staatanleihen setzen, ist es am gefährlichsten, wenn die Fed sich vorsichtig zurückzieht, sobald das Wirtschaftswachstum robuster ausfällt. In diesem Fall würden die US-Staatsanleihen fallen, weil das Anleihekaufprogramm beendet ist und stärkeres Wachstum höhere Renditen garantiert. Das würde bedeuten, dass die Konsumenten mehr ausgeben und Unternehmen mehr Arbeitsplätze schaffen und mehr verdienen, was wiederum die Aktienmärkte stützen würde.

Das sei der Grund, warum er nur wenige Langläufer in den US-Treasurys hält, sagt Dan Dektar Investmentchef bei der Vermögensverwaltung Smith Breeden Associates. „Da das Ende des Programms näherrückt, werden die Preise für Anleihen langsam wieder auf ein normales Niveau fallen", glaubt Dektar. Er erwartet, dass sich die Rendite zehnjähriger Treasurys im Bereich von knapp über zwei Prozent bewegen wird.

Dennoch dürfte es für die Fed schwierig werden, die Programme, mit denen sie seit fast fünf Jahren die Märkte unterstützt, reibungslos zurückzufahren. Wenn sie das Anleihekaufprogramm zu einem Zeitpunkt stoppt, wo sich die Wirtschaft noch nicht ganz erholt hat, wird jeder Fehltritt die Anleger verschrecken.

„Wenn die Fed das Programm beendet, werden Ramschanleihen und Aktien nachgeben, die in den vergangenen Jahren gut abgeschnitten haben", sagt Wilmer Stith, Portfolio-Manager beim Investmentfonds Wilmington Broad Market.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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