• The Wall Street Journal

Goldjäger werden ungeduldig

    Von STEVEN RUSSOLILLO
Reuters

Der Goldpreis gibt nach - die Anleger werden ungeduldig.

In der vergangenen Woche mussten global agierende Gold-ETFs wie SPDR Gold Trust die größten Mittelabflüsse seit Januar 2011 verschmerzen. Das meldeten die Anlagefirmen ETF Securities und Marketfield Asset Management. Die Abzüge verursachten einen beträchtlichen Preissturz bei dem Edelmetall, der Goldpreis sank unter 1.600 Dollar je Unze - den tiefsten Stand seit sieben Monaten.

„Nun also gibt es Anzeichen von Ungeduld unter den ETF-Anlegern rund um den Globus", schreibt Michael Shaoul von Marketfield Asset Management. „Das Gesamtvolumen des von ETFs gehaltenen Goldes ist im Verlauf der vergangenen Woche um 1,62 Prozent gefallen. Das ist der größte Verlust seit der Woche, die am 28. Januar 2011 endete, als 2,37 Prozent von den globalen ETFs abgezogen wurden."

Damit sei der Anteil des gehaltenen Goldes aber immer noch höher als Ende Juli 2012, schreibt Shaoul weiter. Damals standen die Goldpreise ungefähr dort, wo sie heute stehen. Das sei passiert, „obwohl die Anteile an dem Edelmetall aggressiv erhöht wurden, als Reaktion auf die Eurokrise und auf die für den Sommer erwartete Ankündigung der Fed, die geldpolitische Lockerungspolitik weiter mit QE3 auszubauen", sagt er.

Der Goldpreis kletterte kürzlich um ein Prozent auf 1.588,70 Dollar je Unze. Am Freitag fiel der Preis dann auf 1.572,80 Dollar. Daten, die die Commodity Futures Trading Commission vergangene Woche veröffentlicht hat, zeigen, dass Hedge Fonds und andere Investmentbanker ihre Positionen in Gold in rekordverdächtiger Menge abbauten.

Zudem steht der Monat bevor, der traditionell schwierig für Gold ist. Seit dem Jahr 2000 hat Gold im Schnitt im März rund zwei Prozent verloren, dieser Monat gilt als der schlechteste für das Edelmetall.

„Nun kommt es nun klar darauf an, wie gut sich der Goldpreis über seiner Unterstützung halten kann, die in einer breiten Spanne zwischen 1.525 bis 1.575 Dollar angesiedelt ist", sagt Shaoul. „Wir hätten erwartet, dass ein erster Test dieser Marke zu einem Sprung führt, aber wir sind auch nicht wirklich überrascht, dass das Edelmetall die Verluste von vergangener Woche bislang nicht aufholen konnte. Sollten die ETF-Anleger weiterhin ihre Bestände abstoßen, könnten sich die Aussichten für den Goldpreis eintrüben."

Die Investoren haben ihre Gold-ETF-Anteile offenbar gegen Metalle eingetauscht, die oft in der Industrie verwendet werden, beobachtet die Anlagefirma ETF Securities. Der Grund: der Risikohunger rund um den Globus steige wieder. In der vergangenen Woche registrierten die ETF-Fonds für Gold 290 Millionen Dollar an Abflüssen, das höchste Niveau seit über zwei Jahren, sagt die Firma. Zugleich hätten ETFs für physisches Palladium (PGM) die größten Mittelzuflüsse seit ihres Bestehens verzeichnet, nämlich 29,8 Millionen Dollar. „Der fundamentale Ausblick für PGM bleibt solide, im speziellen für Palladium", fügt ETF Securities hinzu. „Mit den anhaltenden Lieferproblemen in Südafrika und der steigenden Nachfrage für Kfz-Katalysatoren scheint eine Positionierung in Palladium für Gewinne zu sprechen."

—Mitarbeit: Francesca Freeman

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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