• The Wall Street Journal

Fresenius-Aktie steigt nach Rekordgewinn

    Von NATALI SCHWAB

Im Jubiläumsjahr 2012 hat der Gesundheitskonzern Fresenius neue Bestmarken bei Umsatz und Ergebnis erzielt. Auch für dieses Jahr ist das Bad Homburger Unternehmen zuversichtlich. Die Anleger jubeln: An einem trüben Börsentag sind die Aktien des Dax-Konzerns sowie die seiner Dialysetochter Fresenius Medical Care die einzigen Gewinner im Leitindex.

Fresenius steht seit einem Jahrzehnt für Wachstum. Das Unternehmen, das kürzlich 100-jähriges Jubiläum feierte, hat in diesem Zeitraum seinen Umsatz verdreifacht und das Konzernergebnis verachtfacht. 2012 war das neunte Rekordjahr in Folge. Erstmalig wurden Umsatz, operatives Ergebnis sowohl im Konzern als auch in allen Unternehmensbereichen zweistellig gesteigert, wie Vorstandsvorsitzender Ulf Schneider auf der Bilanzpressekonferenz erläuterte.

Aktionäre werden mit einer höheren Dividende belohnt. Fresenius-Anteilseigner erhalten mit 1,10 Euro je Aktie 16 Prozent mehr - es ist die 20. Dividendenerhöhung in Folge. Die FMC-Dividende soll um neun Prozent auf 0,75 Euro steigen.

dapd

Bau einer Dialysemaschine von Fresenius Medical Care.

Zu verdanken hat Fresenius den Erfolg neben einem soliden organischen Wachstum der offensiven Expansionstrategie. Alle vier Bereiche - die Dialysetochter FMC, der Infusiontherapiespezalist Kabi, der Klinikbetreiber Helios und auch der Dienstleister Vamed hatten im vergangenen Jahr auf dem Transfermarkt zugeschlagen und Unternehmen übernommen.

Zwar platzte der Zusammenschluss von Helios mit der börsennotierten Rhön Klinikum AG. Die dafür vorgesehenen Mittel aus der Kapitalerhöhung steckte Fresenius stattdessen in den Kauf des Infusionsspezialisten Fenwal. Helios übernahm die Damp-Gruppe, FMC den US-Dialysekonzern Liberty Dialysis. Und auch das noch kleine Dienstleistungsgeschäft wurde mit einer Übernahme gestärkt.

Größere Zukäufe plant Fresenius zunächst nicht mehr, wie Vorstandsvorsitzender Schneider erläuterte. Bei kleineren und mittleren Übernahmen sieht er jedoch noch Spielraum - in allen Bereichen.

Durch seine Akquisitionspolitik hat sich Fresenius in den vergangenen Jahren Stück für Stück unabhängiger von ihrer Dialysetochter FMC gemacht. Zwar ist FMC weiterhin stärkste Kraft bei Fresenius, doch die anderen Töchter holen auf. 2012 trug FMC noch 29 Prozent zum Konzernergebnis bei, vier Jahre zuvor waren es noch 44 Prozent.

Dies dürfte Fresenius auch im laufenden Jahr zu Gute kommen. Für 2013 ist eine Fortsetzung des Wachstumskurses geplant, allerdings maßvoller als im vergangenen Jahr. Das um einmalige Integrationskosten für die Fenwal-Übernahme bereinigte Konzernergebnis soll währungsbereinigt um sieben bis zwölf Prozent steigen. Damit würde die eigentlich erst für 2014 geplante Hürde von einer Milliarde Euro bereits ein Jahr früher übersprungen werden, nachdem 2012 bereits 938 Millionen Euro erzielt wurden. Dazu soll auch der Konzernumsatz währungsbereinigt um sieben bis zehn Prozent von 19,3 Milliarden Euro im Vorjahr steigen.

Die große Bandbreite der Prognose begründete Schneider mit der Erstattungsunsicherheit in den USA vor dem Hintergrund des Budgetstreits zwischen Demokraten und Republikaner. Einigen diese sich nicht, treten automatisch Haushaltskürzungen in Kraft. Betroffen wären auch die Gesundheitsausgaben, was insbesondere die stark in den USA engagierte FMC belasten würde.

Vor diesem Hintergrund ist auch die eher konservative Prognose des Dialysekonzerns zu verstehen, der bereinigt um Beteiligungsergebnisse von einem Wachstum des Konzerngewinns von fünf bis 15 Prozent ausgeht. Dies würde einem Gewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden US-Dollar entsprechen, nach knapp 1,1 Milliarden im Vorjahr.

Für Analysten entsprechen die Prognosen von Fresenius den Erwartungen. Die Analysten von equinet sehen die FMC-Prognose sogar positiv, da die Unsicherheiten über die US-Haushaltsplanung bereits berücksichtigt seien. Negative Überraschungen scheinen damit zunächst ausgeschlossen.

Der Markt honoriert dies: Während der Dax nach den italienischen Parlamentswahlen unter einem Kater leidet und tief in der Minuszone steckt, steigen die Aktien von Fresenius. Durchschnittlich haben sich die Aktien in den vergangenen zehn Jahren um 24 Prozent pro Jahr erhöht - der DAX legte in diesem Zeitraum um rund zehn Prozent zu. Auch deutlich im Plus ist die ebenfalls im Dax notierte FMC, deren Papiere um 2,7 Prozent auf 53,75 Euro steigen.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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