• The Wall Street Journal

Samsungs Smartphone-Erfolg macht Google unruhig

    Von AMIR EFRATI

In der Beziehung zwischen Google und Samsung herrscht längst nicht mehr eitel Sonnenschein. Einst traten beide Unternehmen an, um sich gegen die Dominanz von Apple auf dem Smartphonemarkt zu stemmen. Google lieferte das Betriebssystem Android, der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung die passenden Geräte dazu. Mittlerweile hat Samsung Apple bei der Zahl der verkauften Geräte den Rang abgelaufen - doch der Erfolg könnte für Partner Google zu einem ernsthaften Problem werden.

Samsung schaffte es laut dem Marktforschungsunternehmen IDC im Jahr 2012, weltweit fast 40 Prozent aller Smartphones zu verkaufen, Apple kam dagegen nur noch auf rund ein Viertel.

Die Südkoreaner vertreiben inzwischen auch rund 40 Prozent aller Geräte, die Android verwenden. Das sorgt bei Google für gehörige Kopfschmerzen: Samsung könnte jetzt die Muskeln spielen lassen und Vereinbarungen beider Konzerne neu aushandeln wollen. Das Internetunternehmen wittert laut informierten Personen Gefahren für die Einahmen aus seinem lukrativen Anzeigengeschäft.

Associated Press

Das Galaxy Note 8.0 von Samsung wird von Besuchern des Mobile World Congress in Barcelona bestaunt.

Offensichtlich sind sich beide Partner nicht mehr ganz grün. Auf dem Mobilfunkkongress in Barcelona trifft sich Google deshalb derzeit mit Vertretern anderer Unternehmen. Der US-Konzern hofft auf erfolgreiche Verkaufsstarts der Androidgeräte von Samsung-Konkurrenten wie HTC und Hewlett-Packard . Das würde die Möglichkeiten von Samsung, Druck auf Google auszüben, begrenzen.

Außerdem hegen die Kalifornier ganz neue Pläne. Die Google-Tochter Motorola und die Android-Sparte könnten sich in Zukunft intensiver austauschen und zusammenarbeiten - nach dem Vorbild von Apple, wo die Hardware- und die Softwaresparte ebenfalls gemeinsam an der Entwicklung des iPads und iPhones arbeiten. Das Kalkül: Motorola könnte Android-Geräte fertigen, die der Konkurrenz um Längen überlegen wären.

Android-Chef Andy Rubin spielt dabei ganz unverhohlen die Motorola-Karte. Die Übernahme des gebeutelten Technologiekonzerns, der auch Smartphones und Tablet-PCs fertigt, diene als "Versicherungspolice" gegen zu viel Marktmacht von Partner Samsung, sagte Rubin laut einer informierten Person. Motorola entwickelt derzeit in der Tat mit Hochdruck ein ausgefeiltes Smartphone, das X Phone. Das Gerät soll dem iPhone von Apple und den Galaxy-S-Geräten Samsungs die Stirn bieten und Kunden abwerben, war aus Kreisen zu hören.

Die neue Entwicklung dürfte allerdings anderen Herstellern von Android-Geräten übel aufstoßen und könnte sie auf alternative Betriebssysteme ausweichen lassen. Die Konkurrenz beäugt die Motorola-Offensive argwöhnisch.

Unterdessen schaut sich auch Samsung nach neuen Partnern um. Der Konzern produziert bereits Geräte, die mit der Windows-Software von Microsoft laufen. Außerdem setzt Samsung auf das neuartige Betriebssystem Tizen, das man derzeit gemeinsam mit dem Chipproduzenten Intel entwickelt.

Beim Gerangel zwischen Samsung und Google geht es um einfache Machtfragen. Vor allem Samsung hat in der Geschäftsbeziehung Einfluss, weil auf fast allen Android-Geräten Apps wie die Google-Suchmaschine und das Videoportal Youtube installiert sind - für den Internetkonzern aus dem Silicon Valley wichtige Umsatzquellen.

Google fürchtet nunmehr, die bessere Verhandlungsposition Samsungs könnte zu neuen Begehrlichkeiten führen und der Elektronikriese könnte auf einen höheren Anteil am Online-Anzeigengeschäft schielen. In der Vergangenheit erhielt Samsung laut einer informierten Person etwas über zehn Prozent vom Anzeigenkuchen. Der Konzern habe bereits signalisiert, gerade an so erfolgreichen Anwendungen wie Google Maps und Youtube künftig mehr mitverdienen zu wollen, sagte eine andere Person.

Branchenbeobachter konstatieren eine Verschiebung der Machtgewichte. "Es gibt für Google eine reale Bedrohung durch Samsung", sagt Rajeev Chand von der Investmentbank Rutberg & Co. "Mit der Zeit wird Samsung seine Marktdominanz in lukrativere Vertragsbedingungen mit Google ummünzen können", erwartet der Experte. Dazu könnte zählen, bessere Android-Versionen vor der Konkurrenz zu erhalten. Aber auch die Möglichkeit, nach eigenem Gusto mehr Anwendungen auf die Geräte laden zu können.

Die Umsätze mit Anzeigen für mobile Geräte sind beachtlich. Google ist auf bestem Wege, rund acht Milliarden Dollar pro Jahr auf diesem Gebiet zu erwirtschaften. Samsung setzt mit seinen Android-Smartphones und Tablet-PCs aber noch deutlich mehr um. Auf rund 60 Milliarden Dollar kam der Konzern laut Analystenschätzungen im vergangenen Jahr. 2011 hatten die Südkoreaner hier nur halb so viel erlöst.

Für eine gespannte Beziehung zwischen den beiden Partnern sorgt zudem eine Personalie. Im Dezember wechselte der bisherige Samsung-Vizepräsident für strategisches Marketing, Brian Wallace, zu Motorola. Wallace hatte sehr erfolgreich eine TV-Werbekampagne für die Galaxy-Smartphones lanciert. Samsung wiederum hat laut eingeweihten Personen seit längerem den Talentpool von Motorola angezapft und äußerst fähige Mitarbeiter abgeworben.

Google und Samsung versichern, dass an der Partnerschaft nicht gerüttelt werde. Beide wollen weiter zusammen im Kampf gegen Apple bestehen. Aber in der Zweckgemeinschaft sind erste Risse unübersehbar.

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