• The Wall Street Journal

Tag der Wahrheit für Hochtief

    Von NATALI SCHWAB
dapd

Marcelino Fernández Verdes ist seit drei Monaten Chef des Essener Baukonzerns Hochtief. Als Aufsichtsrat des spanischen Großaktionärs ACS kennt er Hochtief schon länger. Am Donnerstag muss er Farbe bekennen und seine Strategie vorlegen.

Wie geht es weiter mit dem Essener Baukonzern Hochtief ? Die Frage steht im Raum, seit der spanische Mischkonzern ACS nach anfangs erbittertem Widerstand vor anderthalb Jahren schließlich die Mehrheit erreichte. Seit November ist ein Spanier vom Mehrheitseigner Konzernchef. Marcelino Fernández Verdes will auf der Bilanzpressekonferenz endlich seine Strategie vorlegen, die er seit Monaten ankündigt.

Analysten halten einen „großen Wurf" für ebenso unwahrscheinlich, wie eine Zerschlagung, über die an der Börse immer mal wieder spekuliert wurde. Fernandez Verdes hat sich vorgenommen, den Baukonzern rentabler zu machen und auch so auszurichten, stärker auf Profitabilität auszurichten.

Und genau dies dürfte er auch tun, schätzen Marktbeobachter. Unter Fernández Verdes werde sich Hochtief auf die beiden strategischen Felder Bau und Infrastruktur sowie die Regionen USA, Asien-Pazifik und Europa konzentrieren. Randgeschäfte dürfte der Konzern verkaufen. Das ist nicht erst ein Ziel, seit die Spanier an Bord sind.

Seit Jahren hat Hochtief vergeblich versucht, die Flughafenbeteiligungen zu versilbern – gescheitert ist das Vorhaben bislang an unterschiedlichen Preisvorstellungen.

Flughafenbeteiligungen kommen erneut auf den Block

Dass Fernández Verdes vor allem dieses Vorhaben wieder in Gang bringen wird, scheint ausgemachte Sache. „Alles andere als ein Bekenntnis zum Verkauf der Flughafenbeteiligungen würde überraschen", schreibt etwa Commerzbank -Analyst Norbert Kretlow. Er hält es für möglich, dass weitere Geschäftsbereiche unter den Hammer kommen, vor allem aus der ertragsschwachen Sparte Hochtief Europe. Vorrangig denkt er an die Immobilienentwickler Aurelis, auch dies wäre keine neue Idee von Fernández Verdes.

Es ist anzunehmen, dass der Manager die Verkaufsvorhaben mit größerem Nachdruck angehen wird als seine Vorgänger - und anders als sie auch geringere Erlöse akzeptieren wird. Mit seinen Flughafenbeteiligungen wollte Hochtief vor Jahren rund 1,5 Milliarden Euro erlösen.

dapd

Eine Dauerbaustelle von Hochtief, die symptomatisch ist für Hochtief: Mit der Elphilharmonie in Hamburg ist kein Geld zu verdienen.

Das ist kaum noch realistisch und könnte sich nach Einschätzung von Analyst Ingbert Faust von equinet auch am Donnerstag schon zeigen. Er hält es für möglich, dass Hochtief das Portfolio in der Bilanz 2012 wertberichtigt. Beteiligt ist Hochtief an den Flughäfen in Düsseldorf, Hamburg, Sydney, Tirana, Budapest und Athen. Weil die Anteile am Flughafen Athen krisenbedingt nicht an den Mann zu bringen sind, hat Hochtief sie aus dem Portfolio herausgenommen, das zum Verkauf steht.

Jüngst wurde außerdem spekuliert, dass auch die Servicesparte von Hochtief Europe und die Projektentwicklung verkauft werden. Rund 6.000 von mehr als 81.000 Mitarbeitern weltweit wären betroffen.

Fernández Verdes hat damit ausreichend Spielraum, entweder die Gewinnzahlen kurzfristig in die Höhe zu treiben oder den Verkaufserlös als Sonderdividende an den finanziell klammen Großaktionär ACS auszuschütten. Der spanische Baukonzern schiebt einen Berg von mehr als neun Milliarden Euro Schulden vor sich her.

Leighton bleibt für Hochtief der Schlüssel

Langfristig entscheidend wird sein, wie der neue Chef den Konzern strategisch nach vorne bringen will. Das größte Problem dabei: Hochtief ist bei seinen Gewinnen stark davon abhängig, wie es bei der australischen Tochter Leighton läuft. Sie steuert den überwiegenden Teil des Konzernergebnisses bei. Die Beteiligung an Leighton liegt bei über 50 Prozent, die Gewinne werden vollständig konsolidiert.

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Läuft es bei Leighton gut, ist bei Hochtief alles in Ordnung. Wenn nicht, kann Hochtief die Delle nicht ausgleichen. Dies zeigte sich vor zwei Jahren, als Leighton sich mit zwei Milliardenprojekten verhoben hatte und der Muttergesellschaft so hohe Verluste einbrachte, dass die Aktionäre auf eine Dividende verzichten mussten.

Leighton hat zwar im vergangenen Jahr wieder Gewinn geschrieben, ist von alten Glanzzeiten aber noch weit entfernt. Dadurch läuft es auch für Hochtief wieder besser, trotz des Flops, den man sich in Hamburg mit dem Bau der Elbphilharmonie geleistet hat, und der das Ergebnis des Konzerns belastet.

Leighton soll wieder Ertragsbringer von Hochtief werden - Fernández Verdes setzt dabei vornehmlich auf die Bereiche Infrastruktur und Rohstoffe. Bei Aufträgen soll künftig genauer abgewogen werden, um etwaige Risiken auszusortieren. Profit soll vor Volumen gehen.

Und auch Leighton soll sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren - auch hier werden Randbereiche verkauft. Die Entsorgungssparte ist schon verkauft, bei der Telekomsparte steht dies kurz bevor.

Große Hoffnungen setzt Fernández Verdes auf Nordamerika, hier erwartet er Aufträge zur Erneuerung der Infrastruktur.

Insgesamt wird Großaktionär ACS vor allem auf eins ankommen: Hochtief muss mehr Gewinn abwerfen. Die Anteilseigner erwarten Dividende, daran wird sich der spanische Chef messen lassen müssen. Er selbst hat sich rund acht Jahre Zeit gegeben, seine Ziele zu erreichen.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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