• The Wall Street Journal

US-Banken zahlen üppige Gehälter

    Von SHAYNDI RAICE

Banken und Wertpapierhäuser haben allgemein mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen. Das erzeugt Druck: Die Geldhäuser sollen nach Ansicht ihrer Anleger den Gürtel enger schnallen. Doch davon sind die Finanzinstitute zumindest in den USA immer noch meilenweit entfernt.

An Gehältern, Boni und anderen Leistungen dürfte in 32 großen, börsennotierten US-Finanzunternehmen im Jahr 2012 die Rekordsumme von 207 Milliarden US-Dollar ausgezahlt werden. Dies ergeben Schätzungen des Wall Street Journal, die auf Daten bis zum 30. September basieren. Außerdem dürfte im Durchschnitt jeder Angestellte bis zum Jahresende rund 128.000 Dollar erhalten haben, 4,2 Prozent mehr als 2011.

dapd

Weniger Einnahmen - höhere Gehälter: Bei 32 US-Finanzunternehmen die Regel.

Gleichzeitig zeichnet sich bei den Einnahmen ein völlig anderes Bild ab. Sie dürften bereits das zweite Jahr in Folge fallen. Trübe Wirtschaftsaussichten und eine hohe Nervosität von Anlegern und Kreditnehmern belasten die Banken. Sollte es nicht zu einer plötzlichen Kehrtwende kommen, werden die Einnahmen nur noch bei 561 Milliarden Dollar liegen, rund 7 Prozent weniger als zur Spitze im Jahr 2010.

Trotz der sinkenden Einnahmen brillieren die 32 Unternehmen bei den Gewinnen. Sie dürften in diesem Jahr alles in allem den höchsten Gewinn seit 2007 erwirtschaften. Der Nettogewinn beliefe sich dann auf fast 91 Milliarden Dollar. Die lahmenden Einnahmen könnten es aber zunehmend erschweren, dieses hohe Gewinnniveau zu halten.

40.000 Stellen gestrichen - Personalkosten steigen dennoch

Die Personalkosten in den Instituten legen derweil markant zu. Die Firmen buhlen um Top-Angestellte und müssen steigende Krankenkassenbeiträge schultern. Zudem rüsten sie sich für eine Expansion in Geschäftsfeldern, die besonders prosperieren dürften, sobald die Wirtschaft wieder anzieht.

Die betrachteten Unternehmen haben in diesem Jahr 40.000 Stellen gestrichen. Insgesamt befinden sich auf der Gehaltsliste aber immer noch rund 1,6 Millionen Angestellte. Viele der 32 Firmen wollen ihren Personalstamm weiter ausdünnen. Wegen des ernüchternden Einnahmenbilds steigt der Druck, noch weiter auf die Kostenbremse zu treten. Die Vorstandsetage wandelt hier aber auf schmalem Grat und muss die richtige Balance finden. "Man darf nicht in der unteren Hierarchieebene zu viele entlassen und an der Spitze zu viele Kräfte einstellen", sagte der Chairman und Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, im vergangenen Monat.

Das Unternehmen hat sich in großem Stil in Bangalore, Dallas und Salt Lake City verstärkt. Rund 20 Prozent der Goldman-Angestellten säßen jetzt an diesen weniger teuren Standorten, sagte Blankfein. Ende September arbeiteten 32.600 Angestellte für Goldman, das sind 9 Prozent weniger als zur Spitzenzeit Ende 2010.

Die immer weniger werdenden Goldman-Kräfte verdienen dafür immer mehr Geld. Grundgehalt und Boni bei Goldman schnellten bis Ende September auf knapp 11 Milliarden Dollar und damit um 10 Prozent in die Höhe. Die Gehälter könnten im Gesamtjahr 14 Milliarden Dollar übertreffen. Bei Goldman sind aber gegen den Trend die Einnahmen in diesem Jahr gestiegen, nach dem noch im Zeichen der Krise stehenden Tief im Jahr 2011. Zugleich machen die Gehälter 44 Prozent der Einnahmen aus.

Finanzfirmen müssten ihre Strategie genau austarieren, sagt der Analyst Todd Hagerman von Sanford C. Bernstein & Co. Auf der einen Seite müssten sie zwar ihre Ausgaben senken. Andererseits dürften sie sich durch das strikte Sparen nicht ihrer Fähigkeit berauben, zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften, sobald die Wirtschaft wieder einen Gang höher schalte. "Es ist sehr schwierig, die Tiefe und Dauer einer Wirtschaftsflaute auszuloten", sagt der Analyst.

Anleger drängen Firmen zu Einsparungen

Einigen Anlegern sind die steigenden Personalkosten inzwischen ein Dorn im Auge. Sie sehen Handlungsbedarf bei einigen Finanzfirmen. Und manche machen ihren Einfluss bereits geltend. Wie Großaktionär Nelson Petz bei Lazard, auf Fusionen und Übernahmen spezialisiert. Petz' Trian Fund Management LP nutzte eine Beteiligung von rund 5 Prozent, um eine großangelegte Kostenreduzierung bei Lazard zu beschleunigen. Nun will das Finanzunternehmen seine jährlichen Kosten um 125 Millionen Dollar oder 8 Prozent eindampfen.

Im April versprach das Management von Lazard seinen Anlegern bessere Gewinnmargen und niedrigere Kosten. Das Unternehmen von den Bermuda-Inseln will künftig weniger als 60 Prozent seiner Einnahmen als Gehälter überweisen. In den Jahren 2008 und 2009 gingen rund 70 Prozent der Einnahmen für Gehaltszahlungen drauf.

Der Weg für Lazard wird aber steinig. Das Management geht wegen der Kostenreduzierung allein für das vierte Quartal von 120 Millionen Dollar Rückstellungen aus. Das meiste Geld will Lazard durch Entlassungen einsparen.

Ein klares Zeichen: Die Gehälter für die verbleibenden Angestellten sollen nicht zu stark sinken, um Abwanderungen zu verhindern. Für den Fall eines Aufschwungs will Lazard mit guten Arbeitskräften gewappnet sein: '"Sollte es zu einem Aufschwung kommen, werden wir gut positioniert sein", sagt ein Mitarbeiter von Lazard.

Die Studie des Wall Street Journal basiert auf Berichten der Unternehmen an die Börse. Es wird davon ausgegangen, dass die Einnahmen und Gehälter im vierten Quartal im gleichen Umfang zulegen wie in den ersten neun Monaten 2012. Zu den 32 Firmen zählen Großbanken wie die J.P. Morgan Chase und die Citigroup, aber auch regional aufgestellte Häuser aus Buffalo und St. Louis. Alle Institute zusammen wiesen bis zum Ende des dritten Quartals eine Bilanzsumme von mehr als 12 Billionen Dollar aus.

—Mitarbeit: Aaron Lucchetti

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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