• The Wall Street Journal

Credit Suisse führt Negativzins ein

    Von NEIL MACLUCAS

Die Schweizer Großbanken wollen mit Gebühren und Negativzinsen hohe Geldzuflüsse von anderen Banken zum Jahresende in Grenzen halten. Credit Suisse führt für institutionelle Kunden auf Einlagen in Schweizer Franken negative Zinsen ein. Ab dem 10. Dezember könnten Gebühren für Cash-Clearing-Konten anfallen, teilte die zweitgrößte Bank der Schweiz mit. Einlagen und Konten von Privatkunden seien davon nicht betroffen. Die UBS kündigte an, weiterhin temporäre Gebühren ab einem bestimmten Betrag zu verlangen.

Die beiden Geldhäuser wollen verhindern, dass andere Banken insbesondere in den letzten Wochen des Jahres hohe Geldbestände bei ihnen parken. Die Credit Suisse rief ihre Kunden dazu auf, ihre Cashbestände so gering wie möglich zu halten, um negative Zinsen zu vermeiden. Details zu dem geplanten Negativzins nannte die Bank nicht.

Die Nummer eins der Schweiz, die UBS AG, hält unterdessen an ihrem Vorgehen fest. Sobald ein bestimmtes Einlagenvolumen bei Cash-Clearing-Konten überstiegen wird, fällt eine Gebühr an. Die UBS praktiziert dieses "korrigierende" Vorgehen bereits seit vergangenem Jahr.

Weltweit suchen Banken nach Wegen, um mit den Auswirkungen der starken Nachfrage nach Schweizer Franken umzugehen. Angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in der Eurozone wird das Geld in sicheren Währungen angelegt. Die Flucht in den Franken ist schon seit einiger Zeit im Gange.

Banken wie die Credit Suisse wollen mit Maßnahmen wie einen Negativzins den Mittelzufluss bremsen, da für die reine Verwaltung der Gelder Kosten anfallen, so Währungshändler. Die Institute müssen ihre Mittel aber gewinnbringend anlegen - angesichts des niedrigen Zinsumfelds ist das aber immer schwieriger.

Banken können zwar grundsätzlich ihre Gelder bei der Schweizerischen Nationalbank SNB parken. Dafür bekommen sie aber derzeit keinerlei Zinsen, sagte Alessandro Bee, Währungsstratege bei der Bank Sarasin . Die SNB hat keinen Negativzins verhängt, hält aber an ihrer Zielrate von 0 Prozent fest. Geschäftsbanken zahlen schon seit Monaten auf ihre Franken-Bestände wegen der Inflation negative Zinsen, wenn auch nur in geringem Umfang. Im Oktober lag die Inflationsrate der Schweiz aufs Jahr hochgerechnet bei 0,1 Prozent.

Die Credit Suisse Group (CS Group) folgt mit ihren Negativzinsen dem Beispiel der State Street Corp. Der US-Vermögensverwalter hatte im Oktober angekündigt, negative Zinsen für Franken und dänische Kronen einzuführen.

Die SNB wollte die Ankündigung der Credit Suisse nicht kommentieren. Um die Auswirkungen des starken Franken auf die heimische Wirtschaft zu begrenzen, hat die SNB eine Wechselkursschranke von 1,20 Franken je Euro eingeführt. Die Bank kauft große Mengen an Devisen, der Großteil davon in Euro, um den Kursanstieg zu drücken. "Der Franken belastet immer noch viele Firmen, besonders in einer Phase des weltweit moderaten Wachstums", hatte jüngst SNB-Chef Thomas Jordan gesagt.

Am Markt wird der Maßnahme der Credit Suisse nicht allzu viel Erfolg beigemessen. Analysten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Franken nicht gestoppt werde, insbesondere nicht zum Jahresende.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

EU-Parlament

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen