• The Wall Street Journal

Spekulationen über Aktienrückkauf treiben EADS-Aktien in die Höhe

    Von BARBARA MILLNER und STEFFEN GOSENHEIMER

Die Aktie des Airbus-Herstellers EADS befindet sich weiter im Steigflug. Bereits den fünften Handelstag in Folge kennt der Kurs nur eine Richtung: Nach oben. Noch vor einer Woche war die EADS-Aktie für etwa 24,30 Euro zu haben, inzwischen kostet sie 27,16 Euro. Das ist ein Plus von fast 12 Prozent. Zum Vergleich: Wer die Aktie bereits Anfang des Jahres kaufte, erzielte seitdem einen Kursgewinn von 14,3 Prozent.

Anleger setzen offenbar auf einen Rückkauf eigener Aktien durch das Unternehmen. Hintergrund sind die Pläne Deutschlands und Frankreichs, die Aktionärsverhältnisse bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern neu zu ordnen. Konkret und gesichert ist dabei noch nichts, das könnte sich aber schnell ändern. Das Unternehmen hält derzeit in London seinen Investorentag ab. Französische Blätter spekulieren schon darauf, dass bereits am Dienstagabend eine Mitteilung dazu erfolgt. Mit den Verhandlungen vertraute Personen bestätigen dies aber nicht.

Reuters

Die Aktie von EADS kennt momenten nur eine Richtung: nach oben. Bereits am fünften Handelstag in Folge kletterte der Kurs des Airbus-Herstellers. Der Grund: Investoren rechnen damit, dass das Unternehmen schon bald eigene Aktien zurückkaufen könnte.

Gleichwohl dürften die EADS-Anteilseigner kurz vor einer Einigung über die künftigen Verhältnisse bei dem Airbus-Hersteller stehen. Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass Deutschland und Frankreich künftig jeweils 12 Prozent an EADS halten werden. Damit einhergehen würden auch Veränderungen auf Seiten der industriellen Anteilseigner. Der neue Aktionärspakt wäre auch Voraussetzung für einen Aktienrückkauf durch den Boeing-Rivalen, der damit dem Vernehmen nach einem potenziellen Kursrückgang im Zuge des Umbaus der Beteiligungen entgegenwirken will.

Offenbar wappnet sich der MDAX-Konzern schon dafür, wie mit den Vorgängen vertraute Personen sagten. Führende Manager des Unternehmens seien besorgt, dass ein Verkauf größerer Aktienpakete über den Markt den Kurs unter Druck setzen könnte. Dem wolle man entgegenwirken. Derzeit werde vor allem noch darüber diskutiert, in welchem Umfang EADS eigene Anteile zurückkaufen solle.

Tatsächlich könnte ein aus den neuen Anteilsverhältnissen resultierender Aktienüberhang den Börsenkurs des Airbus-Produzenten lange belasten. Ein möglicher Aktienrückkauf durch das Unternehmen könnte damit eine elegante Lösung dieses Problems sein. Börsenhändler freuen sich darüber besonders. "Rechtlich müsste der Rückkauf dem gesamten Markt angeboten werden und nicht nur den Hauptaktionären", sagte ein Händler mit Verweis auf die Pakete der Großaktionäre Daimler und Lagardere.

EADS verfüge über eine sehr hohe Kaufkraft von theoretisch bis zu 2 Milliarden Euro. Schließlich halte EADS erst weniger als ein halbes Prozent eigener Aktien, dürfte nach französischem Recht aber bis zu 10 Prozent halten. Sollte EADS die Aktien einziehen, werde es einen deutlichen Anstieg beim Gewinn je Aktie geben. Das sorgt an der Börse für Fantasie.

Analysten reagierten euphorisch: "Ein potenzieller Aktienrückkauf könnte der Auslöser sein, um die Stimmung für die Aktie wiederzubeleben", heißt es von Barclays. Viele Investoren hätten sich zu sehr auf die negativen Seiten eines möglichen Aktienüberhangs am Markt konzentriert. Aber genau dieser negative Effekt könnte sich nun in einen signifikant positiven umkehren, falls der Aktionärswechsel vom Rückkauf begleitet werde.

Die Analysten der DZ Bank rechnen nach Teilnahme am ersten Tag der Investorenveranstaltung bald mit mehr Klarheit. "Wir haben den Eindruck, dass eine endgültige Lösung über die neue Aktionärsstruktur bevorsteht", erklärten die Experten. In der Folge dürfte der Streubesitz von derzeit 49 Prozent auf 70 Prozent steigen. EADS dürfte einige der Aktien aufkaufen und später einziehen. Die mögliche neue Aktionärsstruktur wäre ein Meilenstein und würde sich mittelfristig positiv auf den Aktienkurs auswirken, da sich der staatliche Einfluss deutlich reduziere.

Daimler und Lagardere wollen aussteigen

Die industriellen Anteilseigner Daimler und Lagardere wollen ihre Engagements bei EADS bekanntlich aufgeben. Damiler will noch vor Jahresende die Hälfte seines Anteils von 15 Prozent losschlagen. Er wäre dann nicht länger Platzhalter für Deutschland bei EADS. Die Regierung will das Aktienpaket von 7,5 Prozent über die staatseigene KfW übernehmen und so direkt bei dem Amsterdamer Konzern einsteigen.

Der Bund ist nach letzten öffentlich vorliegenden Informationen bereit, für den Einstieg bei EADS knapp drei Milliarden Euro auf den Tisch zu legen. In ihren Planungen hat die Bundesregierung einen Kaufpreis von 30 Euro je Aktie zugrunde gelegt. Am Dienstag lag der Kurs bei gut 27 Euro. Vor der Ankündigung des letztlich geplatzen Vorhabens, mit dem Wettbewerber BAE Systems zu fusionieren, lag der Kurs noch über 30 Euro.

Mit den Fusionsplänen war EADS vor allem an dem Widerstand Deutschlands gescheitert. Hauptstreitpunkt waren offenbar Bedenken über den hohen staatlichen Einfluss. Seither wird an einer Neuaufstellung des Aktionärsbündnisses gearbeitet.

Deutschland und Frankreich werden dem Vernehmen nach künftig gleichberechtigt bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern mitreden. Sie sollen sich auf eine Beteiligung von jeweils 12 Prozent verständigt haben. Dritter im Bunde wäre Spanien mit voraussichtlich 4 Prozent.

Unter der Schwelle von 30 Prozent

Zusammen bleiben die Staaten, die auch im neuen Pakt als ein Aktionär angesehen werden, damit unter der Schwelle von 30 Prozent, deren Überschreiten nach dem inzwischen geltenden niederländischen Recht ein Übernahmeangebot nach sich ziehen würde. Der derzeitige Aktionärspakt garantiert den beteiligten Staaten eine knappe Mehrheit der Anteile an EADS.

EADS selbst hat bisher nur durchblicken lassen, dass die "Hauptaktionäre mögliche Veränderungen der Aktionärsstruktur und der Corporate Governance" diskutierten. Die erörterten potenziellen Veränderungen würden voraussichtlich die Zustimmung der EADS-Aktionäre benötigen, hieß es weiter. Regierungsseitig hielt man sich bisher ähnlich bedeckt.

Außerhalb der Verhandlungsräume werden aber schon erste Schritte für den Einstieg der Regierung eingeleitet. So will die staatliche Förderbank KfW einen Großteil der bei einem Bankenkonsortium geparkten EADS-Aktien übernehmen. Dies hat sie bereits bei der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde beantragt. Durch die Transaktion fielen der KfW indirekt 4,8 Prozent an EADS zu. Zusammen mit dem bereits gehaltenen 1 Prozent käme sie dann auf einen indirekten Anteil von 5,8 Prozent.

Offiziell endet der Investorentag, auf dem EADS seine Ziele bekräftigt hat, am heutigen Dienstag. Den Analysten hat EADS aber offenbar noch Einiges zu berichten. Sie bleiben nach Angaben von Händlern noch bis Mittwoch in London. Die Börse interpretiert dies positiv. Auch die offensichtliche Einigung auf eine neue Aktionärsstruktur wird positiv beurteilt. "Dann hat das Politgerangel endlich ein Ende, und man kann sich wieder auf die Wirtschaftsdaten konzentrieren", sagte ein Händler.

—Mitarbeit: Michael Denzin und Kirsten Bienk

Kontakt zu den Autoren: barbara.millner@dowjones.com und steffen.gosenheimer@dowjones.com

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