• The Wall Street Journal

Für Deutschland werden Schulden teurer

    Von EMESE BARTHA, FLORIAN FAUST und STEFFEN GOSENHEIMER

Während Deutschland am Kapitalmarkt wieder deutlich höhere Zinsen für seine Anleihen bezahlen muss, kommen Staaten aus der Euro-Peripherie wie Portugal immer günstiger an Geld. Die neue Serie zehnjähriger deutscher Bundesanleihen war am Mittwoch nur zum Preis einer mit 1,56 Prozent deutlich höheren Auktionsrendite am Markt unterzubringen als noch im November. Seinerzeit waren bei der Aufstockung der Vorgängerserie lediglich 1,40 Prozent fällig. Geradezu paradiesisch nehmen sich dazu die Anfang Juni 2012 auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise noch fälligen 1,17 Prozent aus.

Ganz anders sieht die Zinswelt dagegen für Portugal aus. Das Land hat am Mittwoch auf dem Weg zurück an die Kapitalmärkte eine weitere Hürde locker genommen. Das portugiesische Schatzamt testete den Kapitalmarkt mit der Emission von drei Kurzläufern erfolgreich. Die Papiere wurden problemlos aufgenommen. Aber damit nicht genug: Bei der Versteigerung sanken die portugiesischen Refinanzierungskosten im Vergleich zur vorangegangenen Auktion signifikant. Bei den Papieren mit 18 Monaten Laufzeit beispielsweise auf 1,963 von im Oktober noch 2,990 Prozent.

Vergleicht man allerdings die langfristigen deutschen Renditen mit jenen anderer Staaten der Eurozone, erfreut sich Deutschland immer noch der mit Abstand günstigsten Zinsen. Einige Marktbeobachter wie die Analysten der Societe Generale betonen daher auch, dass die zehnjährigen deutschen Anleihen trotz der Kurseinbußen der vergangenen Wochen immer noch relativ teuer seien. Dies gelte sowohl im relativen Vergleich zu deutschen Schuldtiteln mit kürzeren und längeren Laufzeiten, aber auch mit Blick auf die Rendite beispielsweise zehnjähriger niederländischer Papiere. Diese rentieren am Sekundärmarkt aktuell mit 1,69 Prozent. "Wir bleiben angesichts der teuren deutschen Renditen vorsichtig", so die Experten der französischen Bank.

Angesichts zuletzt deutlicher gestiegener Renditen für Schuldtitel von Staaten, die als vermeintlich sichere Häfen gelten, waren die im Auktionsverfahren angebotenen deutschen Papiere 1,7-fach überzeichnet. Zugeteilt wurden 4,007 Milliarden Euro, 993 Millionen Euro wurden wie üblich zu Marktpflegezwecken auf das Buch der Bundesbank genommen.

dapd

In der Eurozone zahlt Deutschland immer noch am wenigsten, um sich zu refinanzieren.

"Der Ausverkauf deutscher Anleihen seit Jahresbeginn bietet Investoren eine höhere Rendite und die seit Wochenbeginn wieder leicht gestiegene Risikoaversion dürfte für verstärkte Liquiditätsströme in die sicheren Häfen gesorgt haben", erklärten die Analysten der KBC Bank das Auktionsergebnis.

Die Unsicherheit, mit denen der wirtschaftliche Ausblick für die Eurozone behaftet sei, und die damit verbundenen politischen Risiken sorgten unverändert für eine solide Nachfrage nach Anleihen der Kernländer, kommentierte Newedge-Volkswirtin Annalisa Piazza das Ergebnis. Zudem habe die jüngste Versteilerung der Zinsstrukturkurve die zehnjährige Bundesanleihe attraktiv gemacht.

Für Portugal ist das Auktionsergebnis bei der Kurzläufer-Emission ein gutes Omen, denn der schuldengeplagte Eurostaat will höher hinaus und plant für das laufende Jahr die Ausgabe von Staatsanleihen auch mit längeren Laufzeiten. Das wäre das erste mal, seit das Land 2011 unter den Rettungsschirm der EU geschlüpft ist. Seitdem wird es mit maximal 78 Milliarden Euro von den internationalen Geldgebern gestützt.

Nachdem Irland mit einem Langläufer in der vergangenen Woche erfolgreich an den Kapitalmarkt zurückgekehrt ist, steigt die Zuversicht, dass Portugal bald folgen wird. Das portugiesische Schatzamt hatte erst am Freitag entsprechende Spekulationen genährt. "Sollten es die Marktbedingungen zulassen und sich die Nachfrage am Sekundärmarkt weiter positiv entwickeln, wird die Ausgabe von Staatsanleihen am Primärmarkt geprüft", so die Verlautbarung.

Tatsächlich zeichnen die Marktbedingungen für Portugal ein positives Bild, denn portugiesische Staatsanleihen zählten 2012 zu den klaren Outperformern innerhalb der Eurozone. Die Papiere profitierten überdurchschnittlich von den Schritten der Europäischen Zentralbank zur Beruhigung der Kapitalmärkte in der Eurokrise. Das portugiesische Schatzamt erwägt zudem die Möglichkeit einer Umschuldung mittels eines Tauschs von Staatsanleihen. Bereits im Oktober hatte Portugal einen solchen Schritt erfolgreich vollzogen und im September 2013 fällige Titel zurückgekauft und dies mit der Emission von im Oktober 2015 fälligen Anleihen finanziert.

Für die Rentenanalysten von Natixis bleiben portugiesische Schuldtitel erste Wahl, wenn es darum geht, vom Szenario einer nicht auseinanderbrechenden Eurozone und dem Ausbleiben einer Verschärfung der Eurokrise zu profitieren.

Portugal emittierte nun Schatzwechsel mit Laufzeiten von drei, zwölf und 18 Monaten im Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro und erreichte damit den oberen Rand der zuvor genannten Spanne von 2,25 bis 2,5 Milliarden Euro. Es war Portugals erster Gang an den Kapitalmarkt im neuen Jahr.

Besonderes Augenmerk lag auf den 18-monatigen Schatzwechseln, da diese den neuen von der Europäischen Union beschlossenen Regelungen unterliegen. Im Rahmen der sogenannten "Collective Action Clauses" kann eine Mehrheit von Investoren bei neuen Schuldpapieren eine Umschuldung beschließen, die dann auch für die Minderheit bindend ist. Aus diesem Grund will Spanien zukünftig keine 18-monatigen Bonds mehr begeben, sondern auf eine Laufzeit von neun Monaten ausweichen. Schuldpapiere mit Laufzeiten von weniger als einem Jahr sind von den CAC-Regularien nicht betroffen.

Das spanische Schatzamt hatte den Schritt mit der Sorge über eine möglicherweise nachlassende Nachfrage begründet. Portugal sieht sich dagegen zu einem solchen Schritt offenbar nicht genötigt, ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich das Finanzierungsumfeld für das Land verbessert hat.

Kontakt zu den Autoren: emese.bartha@dowjones.com, florian.faust@dowjones.com und steffen.gosenheimer@dowjones.com

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