• The Wall Street Journal

Tui plant Fusion mit britischer Tochter

    Von KIRSTEN BIENK

In der Reisebranche bahnt sich eine große Fusion an. Die Tui AG will sich möglicherweise mit ihrer britischen Tochter Tui Travel zusammenschließen. In trockenen Tüchern ist der Deal allerdings noch nicht. Mutterkonzern und Tochter sprechen erst seit kurzer Zeit miteinander. Bereits in einem Monat dürfte aber klar sein, ob und wie es weiter geht. Das britische Börsenrecht verlangt bis zum 13. Februar ein konkretes Angebot der Hannoveraner oder die Absage der Fusion. Am Aktienmarkt kommt das Vorpreschen der Touristiker gut an. Analysten sehen Synergien und einfachere Strukturen. Die Kurse der beiden Unternehmen steigen.

Schon lange gab es Gerüchte, dass Mutter und Tochter enger aneinander rücken könnten. Dabei wurde aber meistens spekuliert, dass die deutsche Mutter die restlichen Anteile der britischen Tochter kauft. Im Moment hält die Tui AG gut 55 Prozent an der britischen plc.

Tui hatte eine Übernahme stets nur als Option für den geplanten Ausbau des touristischen Geschäfts bezeichnet. Eine andere Möglichkeit wäre ein größeres Engagement in den Schwellenländern. Tui wollte die Touristik bislang aber erst ausbauen, wenn der geplante Verkauf der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd endlich gelungen ist. Mit dem Verkaufserlös könnten die Hannoveraner dann entweder den Kauf der Tochter oder den Erwerb eines Reiseveranstalters finanzieren.

Nun ist offenbar alles anders. Tui hält immer noch 22 Prozent an Hapag-Lloyd und ein Verkauf ist nicht absehbar. Das Umfeld für die Containerschifffahrt ist schlecht, zu erwartende Verkaufserlöse dürften gering sein. Tui hat immer noch keine Abnehmer gefunden, der ausreichend Geld für die Hamburger Reederei zahlen will.

Deswegen wundern sich einige Beobachter über das Vorpreschen der Hannoveraner zum jetzigen Zeitpunkt. Allerdings haben sie auch gleich eine Erklärung. In einigen Wochen gibt der langjährige Vorstandsvorsitzende Michael Frenzel sein Amt ab. Möglicherweise trägt die Entscheidung zu Gesprächen mit Tui Travel schon die Handschrift seines Nachfolgers Friedrich Joussen.

Analysten wittern Synergien

Die Zustimmung von Analysten hat der neue Mann an der Führungsspitze. "Ich begrüße mit Blick auf die hohe Beteiligung von Minderheitsaktionären jede Vereinfachung der Aktienstruktur bei der Tui AG", sagte etwa Klaus Kränzle von Westend Brokers Research. Damit dürfte er den Aktionären des Hannoveraner Konzerns aus der Seele sprechen. Während sie für das abgelaufene Jahr erneut keine Dividende bekommen werden, konnten sich die Anteilseigner der britischen Tochter und die TUI-Hotelpartner über eine hohe Ausschüttung freuen. Dieses Ungleichgewicht dürfte sich bei einem fusionierten Unternehmen ändern.

Außerdem wittern Analysten Synergien. "Beide Unternehmen arbeiten im gleichen Geschäftsfeld und leisten sich zwei Verwaltungen", sagte ein Analyst. Das sei überflüssig. Hier könnten einige Millionen Euro gespart werden.

Während Tui Travel am frühen Nachmittag mitteilte, dass die Tui AG dem Londoner Konzern einen Aktientausch vorgeschlagen hat, äußerte sich der Mutterkonzern zunächst nicht. Die Briten räumten aber ein, dass die Gespräche noch in einem frühen Stadium seien und es nicht klar sei, ob sie in eine Fusion münden würden.

Die Tui AG muss nach britischem Recht nun bis zum 13. Februar ein verbindliches Angebot vorlegen oder aber offiziell davon Abstand nehmen. Die Frist kann noch verlängert werden.

Die Tui-Travel-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von über 8 Prozent auf die Nachricht. Das Unternehmen wird mit 3,3 Milliarden Britischen Pfund bewertet. Aktien der Tui AG kletterten bis Handelsschluss um 8,8 Prozent. Der deutsche MDax-Konzern kommt an der Börse auf einen Wert von rund 2 Milliarden Euro.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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