• The Wall Street Journal

US-Banken verdienen im Investmentbanking wieder kräftig

    Von SAABIRA CHADHURI und STEFANIE HAXEL

Amerikas Großbanken haben ihren Erholungskurs im Schlussquartal 2012 fortgesetzt und wieder hohe Gewinne erzielt: Goldman Sachs und J.P. Morgan eröffneten am Mittwoch die Berichtssaison der Finanzhäuser und überraschten den Markt mit satten Gewinnsprüngen. Nicht nur im zuletzt viel geschmähten Investmentbanking läuft es wieder rund. Auch die Gebühren für die Begleitung von Anleihen- und Aktienemissionen legten kräftig zu.

Goldman Sachs verdiente mit 2,89 Milliarden bzw 5,60 US-Dollar je Aktie dreimal soviel wie im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen wuchsen um gut die Hälfte auf 9,24 Milliarden Dollar und legten im Investmentbanking um fast zwei Drittel zu. Analysten hatten im Konsens nur einen Gewinn je Aktie von 3,78 Dollar bei Einnahmen von 7,91 Milliarden Dollar erwartet. Das New Yorker Institut profitierte von der wieder wachsenden Bereitschaft der Unternehmen zu Fusionen und Akquisitionen. Dabei werden die Investmentbanker gebraucht, die sich ihre Dienste bei der Beratung der Unternehmen gut bezahlen lassen.

REUTERS

Goldman Sachs hat seinen Gewinn im Schlussquartal 2012 verdreifacht. Das Geschäft brummt wieder ordentlich.

J.P. Morgan Chase steigerte den Nettogewinn um mehr als die Hälfte auf 5,69 Milliarden Dollar. Allein im Investmentbanking verdoppelte sich der Ertrag im Vergleich zum Vorjahr auf zwei Milliarden, der Konzerngewinn je Aktie von 1,39 Dollar übertraf die Analystenprognose von 1,16 Dollar deutlich. Die Einnahmen kletterten um zehn Prozent auf 23,65 Milliarden Dollar. Analysten bemängelten aber, dass der Gewinnsprung vor allem auf eine Steuergutschrift zurückzuführen sei.

Handelsverluste kosten JPM-Chef Dimon Geld

Auch wenn die schwierigen Zeiten für die Banken vorerst vorbei sind, ganz vergessen sind die Probleme der Vergangenheit nicht. Als Konsequenz aus dem Handelsskandal, der die größte Bank der USA im Frühjahr ereilt hatte, strich J.P. Morgan Chase Konzernchef Jamie Dimon die Jahresbezüge zusammen.

Ein unter dem Spitznamen "Wal von London" tätiger Händler hatte der Bank im Mai mit fehlgeleiteten Derivate-Geschäften erheblichen Schaden zugefügt. Das Debakel hatte vielen Managern den Job gekostet, Dimon konnte sich über den Skandal retten. Die Affäre wird sich aber auf sein Konto auswirken. Dimons Gesamtbezüge für 2012 sind mit 11,5 Millionen Dollar nur knapp halb so hoch wie im Jahr zuvor.

Auf den ansonsten exzellenten Quartalsberichten der beiden New Yorker Institute lastete zudem ein anderer Makel: Die amerikanische Notenbank Fed geht gegen Goldman und andere Banken im Zusammenhang mit missbräuchlichen Zwangsversteigerungen von Eigenheimen vor. Die Banken sollen - überlastet von der großen Zahl von Zwangsräumungen im kollabierenden Immobilienmarkt - während der Finanzkrise tausende von Fällen automatisch abgezeichnet haben. Dennoch hatten sie behauptet, jeden Fall einzeln detailliert geprüft zu haben. Hausbesitzer wurden im Schnellverfahren aus ihren Häusern geklagt, dies hatte in den USA weithin für Empörung gesorgt.

Associated Press

J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon kann eine gute Bilanz für das Schlussquartal vorlegen, aber bei seinem Gehalt muss er deutliche Abstriche machen.

Vergangene Woche hatte die Fed in diesem Skandal bereits milliardenschwere Vergleiche mit zehn amerikanischen Banken geschlossen - darunter J.P. Morgan, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo . Am Mittwoch einigte sich die Notenbank auch mit Goldman Sachs und Morgan Stanley : Die beiden Institute müssen zusammen 557 Millionen Dollar zahlen. Damit werden unter anderem 220.000 ehemalige Kreditnehmer, die in den Jahren 2009 und 2010 ihre Häuser verloren, entschädigt.

Wie viel die beiden Banken jeweils zahlen müssen, teilte die Fed nicht mit. Auch Goldman Sachs machte dazu keine Angaben, erklärte aber im Quartalsbericht, in Zusammenhang mit dem Skandal insgesamt 260 Millionen Dollar zurückgestellt zu haben.

Banken bauen Stellen ab

Die Investmentbanken litten lange Zeit unter den Spätfolgen der Finanzkrise, der europäischen Schuldenkrise und den grassierende Sorgen um die Weltwirtschaft, doch schon im dritten Quartal hatte sich das Bild für die Branche aufgehellt. Der Erholung vorangegangen war sowohl bei Goldman als auch bei Wettbewerbern wie Bank of America und Morgan Stanley ein umfangreicher Stellenabbau. Tausende von Arbeitsplätzen wurden angesichts der seinerzeit schwachen Geschäftsentwicklung und des noch immer nicht besonders guten Umfeldes gestrichen. Noch im Juli hatte Goldman Sachs angekündigt, bis Ende des Jahres weitere 500 Millionen Dollar an Kosten sparen zu wollen, zusätzlich zu den bereits angepeilten 1,4 Milliarden Dollar.

Ende November beschäftigte die Investmentbank mit 32.400 Mitarbeitern fast 1.000 Angestellte weniger als Ende 2011. Die Rücklagen für Bonuszahlungen beliefen sich im Schlussquartal auf 1,98 Milliarden Dollar - elf Prozent weniger als vor einem Jahr.

Goldman hat aus der zurückliegenden Finanzkrise gelernt. Das Institut will nicht mehr nur Investmentbank und Wertpapierhändler sein und ungebremst den rasch wechselnden Stimmungen an den Märkten ausgesetzt sein. Deshalb baut es in einem scharfen Strategiewechsel derzeit eine Privatbank für wohlhabende Einzelkunden und Unternehmen auf.

Im Aktienhandel wurden die Zahlen von Goldman Sachs als "sehr gut" eingeschätzt. "Es wird schwer sein, an diesen Zahlen etwas zu bemängeln", sagte ein Händler.

Im Laufe der Woche werden noch Bank of America und die Citigroup Zahlen für das Schlussquartal vorlegen.

Mitarbeit: Thomas Leppert.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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