• The Wall Street Journal

Frankreich rechnet in Mali mit schweren Gefechten

    Von dapd

Frankreich intensiviert seine Bodenoffensive, Deutschland hilft mit zwei "Transall"-Flugzeugen, und das Weltstrafgericht eröffnet ein Verfahren: Der internationale Militäreinsatz gegen die islamistischen Rebellen in Mali zieht eine Woche nach Beginn der ersten Luftangriffe immer weitere Kreise. Während seine Infanterie weiter auf den von Aufständischen kontrollierten Norden des Landes vorrückte, kündigte ein französische Spitzenmilitär am Mittwoch direkten Feindkontakt mit den Aufständischen "binnen ein bis 72 Stunden" an. Die EU-Außenminister beraten am Donnerstag auf einer Dringlichkeitssitzung in Brüssel über die Mali-Krise.

Agence France-Presse/Getty Images

Die deutsche Militärunterstützung für Mali wird derweil frühestens zum Wochenende starten. Das wurde bei einem Besuch des Präsidenten der Elfenbeinküste in Berlin deutlich.

Ziel der französischen Bodentruppen sind die von vorherigen Luftangriffen erschütterten Rebellenstellungen in der Stadt Diabaly, rund 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako. Anwohnern zufolge haben sich die Rebellen unter die Bevölkerung gemischt, um den Gegner zu täuschen. Gepanzerte Fahrzeuge mit französischen Truppen an Bord wurden von Beobachtern beim Vorrücken in Richtung der Frontlinie zwischen dem von Regierungstruppen kontrollierten Süden und dem Norden des Landes gesehen, der seit neun Monaten von Extremisten aus dem Umfeld des Terrornetzwerks Al-Kaida gehalten wird.

Der blutige Konflikt in Mali schwappt inzwischen auch auf das benachbarte Algerien über. Als Reaktion auf die von Algiers geduldete Intervention der Franzosen brachten islamistische Extremisten am Mittwoch ein Gasfeld im Süden des Landes sowie nach eigenen Angaben 41 Ausländer in ihre Gewalt. Nach Regierungsangaben wurden bereits zwei Geiseln getötet. Irland, Norwegen, Großbritannien, Japan und die USA bestätigten, dass Staatsbürger ihrer Länder gefangen genommen wurden. Die algerische Regierung lehnt Verhandlungen ab mit den Geiselnehmern kategorisch ab und ließ das Gasfeld von Truppen umstellen.

Wegen der heiklen Lage in der gesamten Region beraten Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und seine EU-Amtskollegen am Donnerstag in Brüssel über die geplante Ausbildungsmission der Europäer. Bis zu 250 Militärausbilder - unter anderem aus Deutschland - sollen die malischen Streitkräfte auf Vordermann bringen. Doch die jüngsten Kämpfe machen die EU-Operation riskanter, weshalb die Außenminister über eine Anpassung - etwa die Aufstockung der eigenen Schutztruppe - beraten müssen. Die Zeit drängt, schon in den nächsten Tagen sollen erste Vorauskommandos in die Sahelzone geschickt werden.

Die deutsche Militärunterstützung für Mali wird derweil frühestens zum Wochenende starten. Das wurde bei einem Besuch des Präsidenten der Elfenbeinküste in Berlin deutlich. Alassane Ouattara ist derzeit Vorsitzender der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), die 3.300 Soldaten in das Krisenland entsenden will. Weil der Westen befürchtet, dass im Norden Malis ein neuer Rückzugsraum für Al-Kaida-Kämpfer entstehen könnte, hatte Frankreich vor wenigen Tagen die Militäraktion in seiner ehemaligen Kolonie gestartet. Kurz darauf gab auch die ECOWAS grünes Licht für einen Militäreinsatz unter Führung afrikanischer Staaten. Der Tschad kündigte am Mittwoch die Entsendung eines nicht näher bezifferten Truppenkontingents an.

In Deutschland sind schon die Vorbereitungen für die Entsendung von zwei Bundeswehrmaschinen vom Typ C-160 "Transall" angelaufen. Sie sollen nach Angaben von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ECOWAS-Soldaten in die malische Hauptstadt Bamako bringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte zudem weitere nicht-militärische Hilfen in Aussicht, sollte diese gewünscht werden. Darüber will sie am Montag mit dem französischen Präsidenten François Hollande reden. Im Gespräch ist unter anderem medizinische Hilfe, eventuell mit einem speziellen Bundeswehr-Airbus. "Wir haben von der Bundesregierung nicht mehr erwartet, als jetzt angeboten wird", zeigte sich Hollande vorab im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) erkenntlich.

Darüber hinaus könnte der tobende Konflikt und das Blutvergießen in Mali auch juristische Konsequenzen haben. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag leitete am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Kriegsverbrechen ein. Die in Mali verübten Gräuel "schockieren das Gewissen der Menschheit", sagte Chefanklägerin Fatou Bensouda, die nun unter anderem wegen Mord, Massenexekutionen und Vergewaltigung ermitteln lässt. Ihre Behörde werde "all diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die für diese mutmaßlichen Verbrechen verantwortlich sind", sagte Bensouda.

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