• The Wall Street Journal

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Dreamliner

Reuters

Auch die Fluggesellschaft LAN aus Chile muss ihre drei Dreamliner-Maschinen derzeit am Boden lassen

Die 787 von Boeing kommt wegen häufiger Pannen nicht aus den Schlagzeilen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Prestigemodell des US-Flugzeugbauers und zu den Fluggesellschaften, die den Dreamliner einsetzen.

Was ist so besonders am Dreamliner?

Die 787 von Boeing ist ein komplett neues Verkehrsflugzeug und damit mehr als eine bloße Fortentwicklung der bisherigen 747-Familie, die seit Jahrzehnten im Dienst ist. Die Maschine wurde konstruktiv auf geringstmöglichen Spritverbrauch ausgelegt, damit sie möglichst lange Strecken Nonstop, also ohne Zwischenlandung, bedienen kann. Dazu wurde der Rumpf erstmals mit karbonfaserverstärktem Kunststoff gebaut, überdies kommt der Dreamliner mit nur zwei Triebwerken aus. Hydraulische oder pneumatische Systeme in der Steuerung haben Elektronik Platz gemacht.

Frisch verkabelt

Wurde alles gründlich getestet?

Um die Zulassung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA zu erhalten, hat Boeing nach eigenen Angaben „den robustesten und gründlichsten Zertifikationsprozess in der Geschichte der FAA" absolviert. In den vergangenen Tagen haben die Aufseher dem Flugzeug zwar mehrfach die Flugtauglichkeit bescheinigt. Trotzdem gibt es eine Überprüfung, um die Gründe für die jüngsten Pannen zu ermitteln.

Was genau ist beim Dreamliner schiefgelaufen?

In einigen Fällen wurden die Anschlüsse der Treibstoffleitungen falsch angebracht. Daher hatte die FAA alle Fluggesellschaften im Dezember angewiesen, die Leitungen zu überprüfen. Daneben gibt es Probleme mit der Elektrik: Davon zeugen ausgefallene Generatoren und Kabelbrände. Weil das Flugzeug technisch viel stärker von elektrischen Systemen abhängt, sagt ein Luftfahrtexperte, trifft jedes Problem dort „ins Herz der innovativen Seite der 787".

Ist das Problem ernst, oder sind solche Fehler bei neuen Flugzeugen normal und erwartbar?

Das ist die große Frage. Kinderkrankheiten kommen bei neuen Flugzeugtypen häufig vor, besonders bei so komplexen Modellen wie der 787. Es kommt deshalb nach der Markteinführung häufig zu Notlandungen; über die große Mehrheit solcher Vorfälle wird nicht berichtet. Aber die immer wieder auftretenden Probleme mit der Elektronik bei Maschinen, die auch noch in verschiedenen Jahren gefertigt wurden, sind ein Grund zur Sorge.

Wie wirkt sich die Pannenserie auf den Einsatz des Dreamliners aus?

Für die 787 ist es wichtig, dass sie wirklich auf der Langstrecken eingesetzt werden kann, für die sie gebaut wurden. Die Aufsichtsbehörden legen auf die Flugminute fest, wie weit sich ein Flugzeug vom nächsten Notfalllandepunkt maximal entfernen darf. Das bestimmt den Einsatzradius einer jeden Maschine. Wenn eine Fluggesellschaft eine Strecke über den Pazifischen Ozean oder die Arktis fliegen will, wäre sie für bis zu fünfeinhalb Stunden vom nächsten Flughafen entfernt. Derzeit sind beim Dreamliner aber nur drei Stunden zugelassen. Die aufgetretenen Sicherheitsprobleme sind so gravierend, dass sie eine baldige Genehmigung für längere Flüge unwahrscheinlich machen.

Wie viele Dreamliner fliegen schon?

Seit September 2011 wurden mittlerweile 50 Maschinen an Kunden ausgeliefert.

Welche Fluggesellschaften setzen ihn ein?

Derzeit ist die 787 bei diesen Airlines im Einsatz:

ANA (Japan)

JAL (Japan)

•Ethiopian Airlines (Äthiopien)

•Lan Airlines (Chile)

•Air India (Indien)

•LOT Polish Airlines (Polen)

•Qatar Airways (Katar)

•United Airlines (USA)

Wer soll in diesem Jahr neue Dreamliner bekommen?

In diesem Jahr werden vermutlich diese Fluggesellschaften beliefert:

•Thomson Airways (Großbritannien)

Norwegian Air Shuttle (Norwegen)

•China Southern (China)

•Hainan Airlines (China)

•Aeromexico (Mexiko)

Qantas (Australien)

Wer sind die größten Dreamliner-Kunden?

Nach feststehenden Bestellungen sind dies die fünf größten Kunden:

•International Lease Finance Corporation (ILFC, kauft Flugzeuge und vermietet sie an Fluggesellschaften)

•ANA (Japan)

•United Airlines (USA)

•JAL (Japan)

•American Airlines (USA)

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