• The Wall Street Journal

Warum sich die Waffenindustrie vor einem Deal mit Obama fürchtet

    Von GARY FIELDS

WASHINGTON – Zu den größten Herausforderungen der Regierung Obama bei der Reform der Waffengesetze gehört es, die Waffenindustrie von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Denn die Furcht der Waffenhersteller vor einer Kooperation mit der Regierung hat einen Namen: Smith & Wesson.

Getty Images

Smith & Wessons auf einer Messe 2012. Nach einem Deal mit der Clinton-Regierung 2000 fielen die Verkäufe der Waffenfirma.

Im Jahr 2000 unterzeichnete der Waffenhersteller, damals eine Tochter der britischen Firma Tomkins PLC, eine Vereinbarung mit der Regierung Clinton, um möglicherweise ruinöse Klagen zu den Kosten von Waffengewalt zu vermeiden, die von Kommunen und Städten eingereicht wurden.

Unter anderem versprach das Unternehmen damals, keinen Verkauf der eigenen Waffen ohne Prüfung des persönlichen Hintergrunds des Käufers – den sogenannten „background check" – mehr zuzulassen. Außerdem vereinbarte das Unternehmen, alle Waffen mit Sicherung auszustatten, und entwickelte High-Tech-Waffen, die nur durch den Besitzer abgefeuert werden konnten.

Smith & Wesson von Kunden wird boykottiert

Die Reaktion folgte auf dem Fuße: Angeführt von der Pro-Waffen-Lobby nahmen Händler die Produkte von Smith & Wesson aus dem Sortiment und die Absatzzahlen brachen ein. Das Unternehmen wurde später für einen Bruchteil des Preises verkauft, den Tomkin ursprünglich gezahlt hatte.

Der langjährige Waffenlobbyist Richard Feldman, Präsident der Independent Firearm Owners Association, sagt, dass kein Zweifel bestehe, dass „Hersteller, Händler und andere in der Branche das, was mit Smith & Wesson passierte", aufmerksam beobachtet haben.

Auf der Wunschliste der Regierung stehen einige Punkte, die von der Waffenindustrie unterstützt werden – beispielsweise eine stärkere Überwachung von Bürgern, denen der Waffenverkauf verwehrt wird. Sowohl Befürworter wie Gegner strengerer Waffengesetze stimmen überein, dass die Differenzen zwischen Regierung und Industrie auf das Debakel von Smith & Wesson aus dem Jahre 2000 zurückgehen. Der Fall könnte eine unüberwindbare Hürde für eine Einigung geschaffen haben.

Wal-Mart diskutiert nicht mit Vize Joe Biden

Auch heute noch sind Waffenverkäufe ein heikles Thema, selbst für Händler, für die Waffen nur ein Nebengeschäft sind. Die US-Supermarktkette Wal-Mart lehnte diesen Monat eine Einladung des Vizepräsidenten Joe Biden ab, um über Waffengewalt zu diskutieren. Ursprünglich verwies ein Sprecher auf Terminschwierigkeiten. Später gab das Unternehmen an, die „Erwartung unterschätzt zu haben, persönlich zu erscheinen". Letztlich traf sich dann ein Firmenvertreter mit Generalstaatsanwalt Eric Holder, nicht mit Obamas Stellvertreter Biden.

Die Kaufhauskette Dick's Sporting Good, die mehr als 500 Läden in den USA betreibt, sagte vergangenen Monat, dass sie den Verkauf bestimmter Waffen stoppe. Ein Sprecher war nicht sofort erreichbar.

Bill Ruger Senior, einer der Gründer des Waffenherstellers Sturm Ruger & Company, bekam eine Art Vorgeschmack von dem, was Smith & Wesson 2000 erlebte. Er setzte sich in den 1980er Jahren dafür ein, dass der Kongress die Größe von Magazinen beschränken solle. Laut Steve Fjestad, Herausgeber des Blue Book of Gun Values, konnten die meisten Branchenvertreter das nicht nachvollziehen. Ein Vorteil hatte der Vorstoß aber für Ruger: Die Anti-Waffen-Lobby konzentriert sich seither auf andere Firmen.

Ende der 1990er Jahre wurde die Branche von einer Klagewelle der Städte und Gemeinden überrollt. Die Regierung Clinton sah ihre Chance, Sicherheitsgesetze zum Waffenbesitz zu vereinbaren, denen der Kongress nicht zustimmen würde. Ed Schultz, der damalige Chef von Smith & Wesson, sagte damals, dass eine 100-Millionen-Dollar-Klage der Stadt Boston den Gewinn eines ganzen Jahrzehnts aufzehren könnte.

Als Gegenleistung für die Unterzeichnung der Vereinbarung mit der Regierung wurde Smith & Wesson in Aussicht gestellt, die Klagen zu Sicherheitsbestimmungen und gegen das Marketing des Unternehmens zurückzuziehen. Andere Firmen wie Glock erwägten ebenfalls, der Vereinbarung zuzustimmen, entschieden sich aber dagegen. Das Wall Street Journal konnte Schultz für eine Stellungnahme nicht erreichen.

Clinton lobte Smith & Wesson

Der damalige US-Präsident Bill Clinton lobte, das Unternehmen habe mit der Entscheidung „Mut und Weitsicht" bewiesen und fügte hinzu, er hoffe, dass „das amerikanische Volk Smith & Wesson seine Wertschätzung zeige, und andere folgen werden."

Waffenbesitzer zeigten jedoch wenig Wertschätzung und kein anderes Unternehmen stimmte der Vereinbarung zu. Der Gewinn des Unternehmens brach ein. Sieben Monate nach der Unterzeichnung der Vereinbarung entließ Smith & Wesson 15 Prozent seiner Mitarbeiter. Bis zum Einschreiten des Kongresses 2005 wurden die Klagen aufrechterhalten.

„Wenn Sie glauben, Sie könnten sich ihren Frieden mit dem Feind kaufen, dann liegen Sie leider daneben und die Kunden sind sauer", sagte ein hochrangiger Manager der Waffenindustrie.

Mitarbeit: Ben Kesling und James R. Hagerty

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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