• The Wall Street Journal

Wolkig bis klebrig

    Von RALF DRESCHER

Liebe Leser,

Der Internetkonzern Google schickt sich an, in alle Bereiche unseres Lebens vorzudringen. Der Expansionshunger hat allerdings seinen Preis: Wegen massiv gestiegener Kosten konnte Google den Gewinn trotz weit höherer Umsätze im ersten Quartal nur geringfügig steigern. Die Börse reagierte enttäuscht: Nachbörslich gaben Google-Aktien deutlich nach.

Die kurzfristige Skepsis der Anleger ist allein deswegen nachvollziehbar, weil die Google-Aktie seit Jahren steigt und allein seit Anfang 2013 um 60 Prozent zugelegt hat. Zudem trifft der Konzern in den neuen Segmenten auf deutlich mehr Konkurrenz als im angestammten Geschäft mit Internetsuche und –werbung, das er fast nach Belieben dominiert. Im so genannten Cloud-Geschäft etwa, wo Google Firmen und Privatpersonen Rechenleistung und Speicher auf seinen Servern vermietet, versucht das Unternehmen dem bisherigen Platzhirsch Amazon den Markt streitig zu machen. Das jedoch ist teuer: Zwischen den Anbietern – neben Amazon und Google ringt auch Microsoft mit großem Einsatz um Marktanteile – herrscht ein erbitterter Preiskampf. Das drückt auf die Margen.

Noch kann Google das problemlos kompensieren. Aber je mehr Geschäftsfelder der Konzern beackert, desto stärker dürften die Gewinnspannen nivelliert werden. Und dass in allen Segmenten, die der Koloss mittlerweile beackert, gutes Geld verdienen lässt, wird erst noch zu beweisen sein.

Mit Google muss sich auch Deutschlands führender Tech-Konzern zunehmend herumschlagen. Zwar haben die beiden Firmen keine unmittelbaren geschäftlichen Überschneidungen, aber im Wettbewerb um die besten Programmierer stehen sie im direkten Wettbewerb. Mit der fortschreitenden Verlagerung seiner Software von stationären Rechnern in die Cloud erwächst auch SAP neue Konkurrenz, die der Konzern nur dann in die Schranken weisen kann, wenn seine Produkte technisch vorne sind. Dann kann es ihm auch gelingen, bisher unerreichte Kundengruppen zu erschließen, insbesondere in den USA.

Im ersten Quartal zogen die Umsätze des Software-Konzerns im Cloud-Geschäft weiter an. Die Stagnation im klassischen Geschäft mit fest installierter Software und zugehörigen Dienstleistungen konnte das aber nicht kompensieren. Unter dem Strich wuchsen Umsatz und Gewinn um gerade einmal 3 Prozent – zu wenig, um an der Börse zu punkten. Und eine baldige Trendumkehr ist nicht zu erwarten: Bis 2017 soll sich der Umsatzanteil des Cloud-Bereichs zwar verdreifachen. Aber auch dann wäre das Geschäft mit 15 Prozent Anteil immer noch vergleichsweise klein.

Auf ein wenig Abwechslung von Wettbewerbsdruck und Strategiefragen hofft SAP im Sommer, wenn das Unternehmen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als einer der Hauptsponsoren zur Fußball-WM nach Brasilien begleiten wird. Der Konzern soll seien Beitrag dazu leisten, dass die Weltmeisterschaft so digital wird wie keine zuvor – vorausgesetzt, die Technik spielt mit: In den vergangenen Monaten machten immer wieder Berichte über Internet-Löcher und Stromengpässe in Brasilien die Runde.

Die brasilianische Regierung plagt eine andere Sorge aber viel mehr: Die Unzufriedenheit der Bevölkerung, die im vergangenen Jahr in gewalttätigen Massenunruhen mündete, bricht sich immer wieder Bahn. In Salvador de Bahia muss die Regierung jetzt tausende Soldaten einsetzen, um die Ordnung wieder herzustellen. Nach einem Polizistenstreik war es in Salvador zum wiederholten Male zu Unruhen und Plünderungen gekommen. Bereits vor zwei Wochen mussten in Rio de Janeiro Soldaten gegen aufständische Slum-Bewohner aufmarschieren. Bis zum Ende der WM sollen diese jetzt im Einsatz bleiben, um eine friedliche Austragung des Turniers zu gewährleisten.

Apropos Fußball-WM: Ein fester Bestandteil jedes Großturniers sind seit Jahrzehnten die Sammelbilder von Panini. Und genau so lange fragen sich Sammler, nach welchem Verfahren diese auf die einzelnen Tütchen verteilt werden. Auch im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland ließ sich Panini-Deutschlandchef Hermann Paul dieses Geheimnis nicht entlocken, das ähnlich gut gehütet wird wie die Rezeptur von Coca-Cola . Dafür erklärte er, wie ein analoges Produkt wie Sammelsticker im digitalen Zeitalter überleben kann, warum kostenlose Sammelbilder in Supermärkten ein ganz alter Trick sind und wie sein Unternehmen Joachim Löws Gedanken liest.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Osterfest!

Beste Grüße
Ihr Ralf Drescher.

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