• The Wall Street Journal

Euro-Sorgenländer bekommen Staatsanleihen unter

    Von EMESE BARTHA und FLORIAN FAUST

Bei Spaniens Refinanzierung zieht wieder Normalität ein. Von Schuldenkrise ist derzeit wenig zu spüren, wenn das Euroland den Kapitalmarkt anzapft. Das gilt auch für Irland, das mit seinen Reformanstrengungen Schritt für Schritt das Vertrauen der Anleger zurückgewinnt. Am Donnerstag emittierte Spanien, zuvor mit Rettungsgeldern für die heimischen Banken gestützt, problemlos Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten - darunter einen Ultralangläufer mit Fälligkeit 2041. Das Platzierungsvolumen traf den oberen Rand der zuvor mit 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro bezifferten Spanne.

Irland brachte derweil dreimonatige Schatzwechsel zu den günstigsten Bedingungen seit Mitte vergangenen Jahres am Markt unter. Damit ist Irland dem vollen Zugang zu den Kapitalmärkten wieder ein Stück näher gekommen, den es Ende 2010 eingebüßt hatte, als das Land unter den internationalen Rettungsschirm schlüpfte.

Am Rentenmarkt ist von steigendem Vertrauen in die Refinanzierungsfähigkeit der Krisenländer die Rede. Denn der Trend fallender Kosten für neue Schulden hält unvermindert an. Bei drei spanischen Auktionen von Anleihen mit drei, fünf und 28 Jahren Laufzeit - jeweils Aufstockungen älterer Schuldpapiere - ermäßigten sich die Renditen. Bei der besonders viel beachteten Staatsanleihe mit Rückzahlungstermin im Jahr 2041 sank die Rendite auf 5,696 Prozent, nachdem Spanien im Mai 2011 noch 6,002 Prozent bieten musste, um Anleger zum Zeichnen des Papiers zu überzeugen.

dapd

Die Spanische Flagge weht über der Plaza de Cibeles in Madrid - auch Irland ist am Markt an Geld gekommen.

Der Ultralangläufer versprach im Vorfeld besonders spannend zu werden, denn das Versprechen der EZB, theoretisch Anleihen aufzukaufen, gilt nur für den kürzeren Laufzeitenbereich bis drei Jahren. Insofern überraschte das eher geringe Volumen dieser Emission von 512 Millionen Euro am Markt niemanden, wenngleich Spanien bereits seit einiger Zeit auch Papiere mit längeren Laufzeiten immer wieder problemlos platzieren konnte.

Händler umschreiben den Erfolg der spanischen Versteigerung wie folgt: Hohe Liquidität trifft auf eine steigende Bereitschaft, in risikoreichere Anlagen zu investieren. Die aus Anlegersicht attraktiven Renditen im allgemeinen Niedrigzinsumfeld kommen den Staaten der Eurozonenperipherie spürbar zu Gute. "Liquidität ist am Markt reichlich vorhanden und Investoren suchen verstärkt nach Rendite. Das Marktsentiment für Spanien hat sich im zweiten Halbjahr 2012 Schritt für Schritt verbessert", sagt ein Analyst der KBC-Bank.

Mit der erfolgreichen Platzierung macht Spanien einen wichtigen Schritt, die eigenen Refinanzierungsziele zu erreichen. Denn die 2013 geplante Schuldenaufnahme steigt. Insgesamt will das spanische Schatzamt im laufenden Jahr 121,3 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln - immerhin ein Zuwachs von 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Inigo Fernandez de Mesa, Leiter des spanischen Schatzamtes, versucht, Zweifel über die Verschuldung Spaniens auszuräumen. dem Wall Street Journal Deutschland sagte er, Spanien werde die Erwartungen des Marktes zur Schuldenaufnahme erfüllen. Die Notwendigkeit einer Rettung sei momentan kein Thema.

"Spanien wandelt auf den Spuren Italiens und sendet eine klare Botschaft an die Märkte: Das Land ist in der Lage, im Segment 30-jähriger Anleihen zu vernünftigen Renditen zu emittieren", urteilt Chefanalyst Peter Sorensen von Danske Markets. Einige Analysten sind der Auffassung, selbst die Ausgabe einer neuen 10-jährigen Anleihe über ein syndiziertes Verfahren sei längst überfällig. Dabei verpflichten sich die begleitenden Banken im Vorfeld darauf, die entsprechenden Papiere zu zeichnen.

"Man sollte bedenken, dass im laufenden Monat bislang keine zehnjährigen Titel angeboten wurden. Im Februar dürfte es soweit sein", spekuliert ein Analyst von Lloyds Bank. Auch die Experten von RBC Capital Markets sehen die Möglichkeit einer solchen Emission in den kommenden Wochen für gegeben. 2012 hatte Spanien eine bestehende Staatsanleihe mit Laufzeit von zehn Jahren mehrfach aufgestockt. Doch nun könnte eine neue Serie aufgelegt werden, diesen Schritt hatte Spanien bislang gescheut. "Das wäre dann die echte Nagelprobe für die spanische Refinanzierungsfähigkeit am Markt", heißt es bei RBC Capital Markets.

Das irische Schatzamt NTMA verkaufte unterdessen wie geplant Kurzläufer für 500 Millionen Euro. Mit 0,200 Prozent wurde die niedrigste Rendite seit Juli 2012 verbucht. Damals hatte Irland die Emission dreimonatiger Schatzwechsel, aber auch die von Langläufern nach einer fast zweijährigen Auszeit wieder aufgenommen. Für das laufende Jahr hat sich Irland noch mehr vorgenommen. Ende 2013 will das Land den Rettungsschirm verlassen. NTMA-Leiter John Corrigan erwägt die Emission einer neuen zehnjährigen Anleihe. Schon Anfang Januar stockte Irland eine im Oktober fällige und mit 5,5 Prozent verzinste Anleihe im syndizierten Verfahren um 2,5 Milliarden Euro auf.

Erste Schritte zurück an den Markt unternahm Irland schon vor einem Jahr. Im Januar 2012 tauschte das NTMA 30 Prozent einer Emission mit Fälligkeit 2014 gegen neue Anleihen aus, die 2015 fällig werden.

Kontakt zu den Autoren: emese.bartha@dowjones.com und florian.faust@dowjones.com

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