• The Wall Street Journal

Goldman Sachs rät zu Risikoinvestments

    Von HANS BENTZIEN

Goldman Sachs rät zu Risikoanlagen, hält einen starken Ölpreisanstieg für möglich und sieht die Gold-Story am Ende. Analysten der Investmentbank prognostizierten bei ihrer diesjährigen globalen Strategiekonferenz in Frankfurt zwar kein stärkeres Weltwirtschaftswachstum, aber steigende Unternehmensgewinne und eine anhaltend lockere Geldpolitik. Für lohnend halten sie daher den Kauf von Aktien und riskanterer Anleihen.

Goldmans Szenario beruht auf der Annahme, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik weltweit sehr locker halten werden. Europa-Chefvolkswirt Huw Pill erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bis 2015 nicht ändert. US-Chefvolkswirt Jan Hatzius rechnet damit, dass die US-Notenbank ihre Nullzinspolitik sogar bis 2016 fortführen wird. Mit diesem Sicherheitsnetz und getragen von einem kräftigen Wachstum in den Schwellenländern wird die Weltwirtschaft laut Goldman im laufenden Jahr wie schon 2012 um 3,3 Prozent wachsen. Für die Unternehmensgewinne erwartet Goldman 2013 einen Anstieg um 9 Prozent und 2014 von 12 Prozent.

Vor diesem Hintergrund riet Chefaktienanalyst Peter Oppenheimer dazu, auch 2013 Aktien überzugewichten und dabei vor allem bei japanischen und anderen asiatischen Papieren zuzugreifen. Chancen sieht Oppenheimer auch bei moderat riskanten Staatsanleihen im BBB-Bereich. Auf der Verkaufsliste hat Goldman Sachs dagegen zehnjährige Staatsanleihen. "Wir glauben, dass die Renditen in den großen Märkten - USA, Deutschland, Großbritannien - unterhalb ihrer gerechtfertigten Niveaus bleiben werden", sagte Oppenheimer.

Reuters

Ein Goldman-Händler an der New Yorker Börse.

Der für den US-Aktienmarkt zuständige Analyst David Kostin machte klar, dass für Goldman Sachs auch US-Aktien ein Kauf sind. Für den S&P 500 rechnet er mit einem Kursplus von 7 Prozent. Um die ab Ende Februar erneut drohende Fiskalklippe müssen sich Investoren seiner Ansicht nach keine großen Sorgen machen. "Die US-Regierung wird dieses Problem auf die eine oder andere Weise lösen, Portfoliomanager können sich ganz auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren", sagte er.

US-Staatsanleihen hält Kostin dagegen wegen des anstehenden Normalisierungsprozesses bei den Renditen für ein riskantes Investment. Den großen Umschwung von Anleihen zu Aktien wird es seiner Einschätzung nach geben, wenn die Rendite zehnjähriger Treasuries auf 3 Prozent steigt. Derzeit, so sagt er, hielten viele Goldman-Kunden Aktien wegen einiger Verlustepisoden in den letzten beiden Jahren noch für ein zu gewagtes Investment.

Einige interessante Prognosen hatten die Goldman-Analysten mit Blick auf Devisen und Rohstoffe parat. So wird die Entwicklung der Wechselkurse nach ihrer Einschätzung kurz- und mittelfristig das Handeln der großen Zentralbanken bestimmen.

Nach Aussage von Europa-Chefvolkswirt Pill will Goldmann nicht ausschließen, dass die EZB ihre Zinsen in diesem Jahr noch einmal senkt. Zwar rechnet Goldmann prinzipiell mit einer bis 2015 unveränderten Geldpolitik, doch könnte es bei anhaltender Euro-Aufwertung auch anders kommen. "Das größte Risiko für diese Prognose ist der Wechselkurs. Sollte der Euro - auch über die Cross Rate zum Yen - über 1,40 Dollar steigen, könnte das zu einer Zinssenkung führen", sagte Pill.

Kathy Matsui, die Chef-Aktienstrategin für Japan, deutete an, dass der Euro-Wechselkurs weiteren Aufwärtsdruck vom Yen erhalten könnte. Sie rechnet damit, dass die Japaner versuchen werden, einen regelrechten Wechselkursmechanismus zu installieren, um eine Aufwertung des Yen zu verhindern.

Sie glaubt zwar nicht, dass Japan einen bestimmten Wechselkurs anstreben wird, hält aber einen Korridor von plus minus 5 Yen um die Marke von 90 Yen für denkbar. Seit Herbst 2012 hat der Yen gegenüber dem Dollar kräftig abgewertet. Aktuell kostet ein Dollar gut 89 Yen, Mitte September waren es nur knapp 79 Yen gewesen.

Öl könnte kräftig steigen

Zum Abschluss der Konferenz lieferte dann noch Chef-Rohstoffstratege Jeff Currie einen kleinen Aufreger. Beim Ausblick auf die Ölpreisentwicklung sagte er, er würde sich nicht wundern, "wenn wir im Sommer aufwachen und der Ölpreis bei 150 Dollar" liege. Offiziell prognostiziert Goldmann für Dezember 2013 einen Preis von rund 100 Dollar. Brent zur Lieferung im Februar kostet derzeit 110 Dollar und WTI 94 Dollar.

Currie verwies darauf, dass der Ölpreis trotz des Schiefergas-Booms in den USA anhaltend hoch sei, was er vor allem auf die sanktionsbedingten Lieferausfälle des Iran zurückführte. Saudi-Arabien habe beim Versuch, diesen Ausfall auszugleichen, seine Produktion in diesem Jahr bereits auf ein 30-Jahreshoch gesteigert.

Zugleich, so argumentierte der Goldman-Analyst weiter, sei die globale Ölnachfrage zwar langsamer gewachsen, sie liege aber immer noch höher als die Förderzuwächse in den Nicht-OPEC-Ländern. Goldman Sachs hat schon mehrfach mit hohen Ölpreisprognosen Schlagzeilen gemacht.

Currie verwies außerdem auf die hohen politischen Risiken in Förderländern wie Ägypten, Iran, Irak, Libyen, Sudan, Syrien und Venezuela. Andererseits gebe es natürlich auch Abwärtsrisiken für die Ölpreisentwicklung. "Obwohl wir mittelfristig Preisstabilität erwarten, ist die Wahrscheinlichkeit signifikanter Preisbewegungen 2013 nicht zu vernachlässigen", sagte Currie. Er würde sich nicht wundern, "wenn wir im Sommer aufwachen und der Ölpreis bei 150 Dollar" liegt.

Derzeit sagt die Investmentbank jedoch offiziell für Dezember 2013 nur Preise von 99 Dollar (WTI) und 105 Dollar (Brent) voraus.

Gold verliert seinen Glanz

Ein anderes Kriseninvestment, Gold, wird seine Attraktivität nach Aussage des Rohstoffspezialisten dagegen einbüßen. Und das hat ausgerechnet etwas mit der ultra-lockeren Geldpolitik in den USA zu tun.

Nach Curries Aussage wurde der Goldpreis bisher von der quasi unkonditionierten Niedrigzinszusage der Federal Reserve gestützt. Die Märkte hätten sich nicht an den tatsächlichen Lockerungsmaßnahmen der Fed orientiert, sondern an deren bis vor kurzem gültiger Zusage, die Geldpolitik quasi unbefristet locker zu halten, sagte er und setzte hinzu: "Seit die Fed ihre Bond-Käufe mit konkreten Zielwerten verbunden hat, ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen."

Der Goldpreis hat in den vergangenen Jahren unter dem Eindruck der Finanzkrise und den geldpolitischen Gegenmaßnahmen stark zugelegt. Die magische Marke von 2.000 Dollar hat er dabei jedoch nicht überspringen können. Currie glaubt nicht, dass sich daran noch etwas ändern wird. Zwar sei kurzfristig im Zusammenhang mit der Anfang März erneut drohenden Fiskalklippe in den USA noch mal eine Rally möglich, aber prinzipiell sei die "Gold-Story zu Ende erzählt", sagte er. Aktuell liegt der Goldpreis bei 1.672,89 Dollar je Feinunze.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15.Juli

    Ein müder Fußballfan am Strand von Copacabana, ein Flugzeugwrack in der Ukraine und Freudentränen einer Kirchenfrau. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Deutschland ist Weltmeister

    Es hat geklappt! In einem nervenaufreibenden Finale gegen Argentinien schoss Mario Götze in der Verlängerung das 1:0, mit dem die deutsche Elf zum vierten Mal Fußball-Weltmeister wurde.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 13. Juli

    Der Vollmond erleuchtete die Nacht, Deutschland wurde Fußball-Weltmeister und in Mazedonien feierten die Menschen Hochzeit - das und mehr waren die Foto-Highlights vom Wochenende.

  • [image]

    Formenspiel unter der Sonne von Kalifornien

    Geometrische Formen, Holz und roher Beton bestimmen das Design von unserem Haus der Woche. Draußen lockt die Bucht von Monterey, drinnen eine Geheimtür, die direkt ins Herzstück des Anwesens führt.

  • [image]

    Die Chinesen lieben das Nickerchen im Möbelhaus

    Chinesen mögen es, an merkwürdigen Plätzen ein Schläfchen zu machen. Neu ist dieses Phänomen nicht. Ein Fotograf hat sich nun aber erstmals auf die Lauer gelegt und das seltsame Verhalten bei Ikea in Peking dokumentiert.

  • [image]

    Wer seinen Aktionären im Dax reinen Wein einschenkt

    Unternehmen planen ihr Geschäft im Prinzip bis ins Detail. Doch nur wenige wagen es, die Zielzahlen auch ihren Aktionären zu verraten. Manche bleiben sogar ziemlich vage. Eine Studie zeigt jetzt, welche Dax-Konzerne ihren Anlegern reinen Wein einschenken.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.

Erwähnte Unternehmen