• The Wall Street Journal

Sicherheitspersonal streikt am Hamburger Flughafen

    Von KIRSTEN BIENK

Chaos am Hamburger Flughafen. Streikende Passagierkontrolleure verhindern am Freitag, dass Reisende ihre Maschinen rechtzeitig erreichen. So starten Flugzeuge aller betroffenen Airlines fast leer, während sich an den Sicherheitskontrollen lange Warteschlangen bilden.

"Wer nicht umbucht, wird seinen Flieger wohl verpassen", sagte eine Sprecherin des Hamburger Flughafens. Sie rechnet am Freitag mit einem Umsatzverlust im mittleren sechsstelligen Bereich. Eigentlich sollten heute 174 gut gefüllte Maschinen die Hansestadt verlassen. Nun müssen rund 19.000 Passagiere um ihren Abflug bangen, möglicherweise auf Bahn und Auto umsteigen oder eine weitere Nacht in der Stadt bleiben.

[image] dapd

Großes Chaos am Flughafen in Hamburg: Weil das Sicherheitspersonal streikt, müssen viele Maschinen am Freitag fast leer starten.

Die Airlines können nicht auf die Passagiere warten, da sie feste Flugpläne haben und zu bestimmten Zeiten an anderen Airports erwartet werden. Verzögern sie ihren Abflug in Hamburg, würde der gesamte Verkehr durcheinander geraten. Gut haben es heute in Hamburg nur ankommende Passagiere. Sie müssen durch keine Sicherheitskontrollen und können den Flughafen rechtzeitig verlassen.

Hintergrund des von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ausgerufenen Streiks sind Tarifverhandlungen für rund 600 Luftsicherheitsassistenten. Sie fordern nach Angaben des Verdi-Verhandlungsführers Peter Bremme eine Erhöhung ihrer Stundenlöhne auf 14,50 Euro. Gegenwärtig erhalten sie 11,80 Euro.

Die Arbeitgeber stellen sich ver.di zufolge aber stur. Sie hätten nur eine Erhöhung auf 12,50 Euro geboten, während sie den Beschäftigten des privaten Sicherheitsgewerbes in Nordrhein-Westfalen für die gleiche Tätigkeit 13,50 Euro zahlen würden. Diese Ungleichbehandlung will die Gewerkschaft nicht hinnehmen.

Mit der ganztägigen Arbeitsniederlegung wollen die Passagierkontrolleure nun erstmals ihrer Forderung kräftig Nachdruck verleihen. Rund 95 Prozent der organisierten Beschäftigten sind nach Angaben der Gewerkschaft am Freitag nicht zum Dienst erschienen.

Die Auswirkungen sind katastrophal. Normalerweise arbeiten die Kontrolleure in Hamburg an einem Freitag nach Angaben des Flughafens an 20 Kontrollspuren. Am Morgen war lediglich eine Spur offen. Die Passagierkontrolleure fertigen dort derzeit nach Angaben der Flughafensprecherin rund 80 Fluggäste pro Stunde ab. In Spitzenzeiten im Sommer könnten die Mitarbeiter indes bis zu 120 Passagiere pro Stunde und Spur durchschleusen, betonte die Sprecherin.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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