• The Wall Street Journal

Der Aufstieg von al-Qaida in Afrika

    Von DAVID GAUTHIER-VILLARS
Agence France-Presse/Getty Images

Islamisten kontrollieren seit 2012 den Norden Malis, wie hier in Gao.

Die militanten Islamisten von al-Qaida, die die Verantwortung für die Attacke auf die Ölfelder im Südosten von Algerien für sich beanspruchen, haben ihre Wurzeln in Aufständen gegen die Regierung, die vor mehr als 20 Jahren in dem nordafrikanischen Land stattfand.

Verschiedene gewaltbereite Zellen entstanden in den späten 1980er Jahren, nachdem die Regierung in Algier jugendliche Aufständische blutig verfolgte, die mehr demokratische Rechte forderten.

Die islamistischen Zellen entwickelten sich später zu gut funktionierenden bewaffneten Gruppen. Ab 1991 kam es zu einer langwierigen kriegerischen Auseinandersetzung. Die algerische Armee hatte die Parlamentswahlen abgebrochen, als sich ein Wahlsieg der Islamischen Heilsfront, der Front Islamique du Salut, abzeichnete. Dabei wurden gezielt staatliche Einrichtungen und Zivilisten angegriffen.

Die Groupes Islamistes Armés bezeichneten sich selbst als bewaffneten Arm der FIS und gaben sich den Wahlspruch „Blut, Blut, Zerstörung, Zerstörung, kein Waffenstillstand, kein Dialog, keine Versöhnung." Ihr Ziel war der Aufbau eines islamistischen Staates in der früheren französischen Kolonie.

Bis 2006 starben in dem Bürgerkrieg nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen zwischen 100.000 und 150.000 Menschen. Erst 2005 wurde in einem Referendum die „Charta für Frieden und nationale Versöhnung" beschlossen, die eine Generalamnestie sowohl für die staatlichen Sicherheitskräfte als auch für militante Islamisten vorsahen, wenn sie ihre Waffen niederlegen.

Einige der militanten Kämpfer weigerten sich jedoch, ihren Kampf aufzugeben. Der algerischen Armee gelang es jedoch, sie in die nördliche Bergregion der Kabylei und in den Süden des Landes abzudrängen. Ende 2006 erklärten die versprengten Reste der Islamisten dem Terrornetzwerk al-Qaida ihre Gefolgschaft und nennen sich seitdem al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM).

Ihre wesentliche Bestimmung sehen sie darin, den Dschihad auch in Westeuropa zu führen, wie Professor Jean-Pierre Filiu vom Pariser Institut für Politische Studien sagt. Einer der hochrangigen al-Qaida-Vertreter aus dem Umfeld von Osama bin Laden hat erklärt, die AQIM-Kämpfer würden den Kreuzrittern der USA und Frankreichs „wie ein Knochen im Hals stecken bleiben".

Doch den AQIM-Kämpfern gelang es nicht, ihren Terror nach Europa zu ragen. Sie konzentrierten sich deshalb auf westliche Ziele in der Sahara über die Grenzen von Algerien, Mauretanien, Mali, Libyen und Niger. Bis heute hat sich die Gruppe zur Ermordung etlicher Europäer bekannt.

Zu den Opfern gehören vier französische Touristen, die Ende 2007 in Mauretanien getötet wurden, ebenso ein britischer Reisender in Mali 2009 und ein französischer Entwicklungshelfer, ebenfalls in Mali 2010.

Nachdem die demokratisch gewählte Regierung im März 2012 kollabierte, besetzten AQIM und andere militante Gruppen den Norden des afrikanischen Binnenstaates und setzten die Scharia, das islamische Recht, mit öffentlichen Hinrichtungen durch.

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