• The Wall Street Journal

Warum Apple einen neuen Hit braucht

    Von THERESE POLETTI

SAN FRANCISCO — Für Anleger mit Apple-Aktien war das neue Jahr bisher eine große Enttäuschung. Zum ersten Mal seit Februar 2012 rutschten die Papiere unter die Marke von 500 Dollar. Während der Schlappe am Montag waren zu einem Zeitpunkt 17 Milliarden Dollar an Marktwert verschwunden. Seitdem haben sich die Aktien zwar wieder auf 504 Dollar erholt, doch sicher ist: Die Stimmung an der Wall Street ist umgeschlagen.

dapd

Apple Store in Dongyang (Ostchina).

Warum es zu dem Kursrutsch kam, ist immer noch unklar. In einigen Medien, unter anderem im Wall Street Journal, war zu lesen, dass Apple seine Bestellungen für LCD-Bildschirme und andere Komponenten bei den Zulieferern in Asien deutlich reduziert hat. Einige Analysten erwiderten, dass Apple dabei sei, die Zulieferer zu wechseln. Doch selbst dann schaut kaum jemand dem Bericht für das erste Quartal des Steuerjahres besonders optimistisch entgegen.

So wie PC-Nutzer mit den Mac-Fans auf ewig uneins sein werden, so sind auch die Anleger geteilter Meinung über die Zukunft von Apple. Das Argument, das Bullen wie Bären zu denken geben dürfte, ist folgendes: Der Erfolg von Apple könnte zu stark vom iPhone abhängig sein. Dabei kommt das Smartphone mittlerweile in die Jahre, und in den Industriestaaten ist eine gewisse Sättigung eingetreten. Apple müsste also ein komplett neues Produkt entwickeln.

Analysten haben Apple-Prognosen zurückgeschraubt

Einige Analysten haben ihre Prognosen für Apple zurückgeschraubt, oft wegen der schlechten iPhone-Umsätze. Scott Craig, Analyst bei Merrill Lynch, hält die Aussichten für das iPhone in der ersten Jahreshälfte 2013 für trüb. Die Nachfrage von Verbrauchern in den USA und Europa sei schwach, und der Wettbewerb von anderen Smartphone-Herstellern verschärfe sich.

Stuart Jeffrey von Nomura Research hat ebenfalls seine Prognose für die Steuerjahre 2013 und 2014 gesenkt, um die schwächeren Umsätze mit dem iPhone 5 und die schrumpfenden Bruttomargen einzurechnen.

Selbst der ehemalige Apple-Chef John Sculley meldete sich zu Wort (woraufhin sich Steve Jobs wahrscheinlich im Grabe umdreht). Sculley sagte zu Bloomberg News, dass Apple ein günstigeres iPhone für die Schwellenmärkte entwickeln müsse, wo das Unternehmen gerade Wachstumschancen verpasst.

Anleger finden außerdem, dass Apple in einigen Bereichen der Technologiewelt von seinen Wettbewerbern abgehängt wird – vor allem von Samsung Electronics. Das Unternehmen ist mittlerweile der größte Anbieter von Mobiltelefonen weltweit, berichtet Garter. Das beliebte „Galaxy"-Telefon hatte zum Beispiel noch vor dem iPhone einen größeren Bildschirm.

Kommt das Billig-iPhone?

„Viel hängt davon ab, ob Apple ein günstigeres iPhone auf den Markt bringt oder nicht", sagt Tero Kuittinen, ehemals Analyst an der Wall Street und heute Vice President der Alekstra Corp., einem Start-up, das Unternehmen dabei hilft, ihre Mobilfunkkosten zu reduzieren. In vielen Schwellenländern können die meisten Verbraucher sich keine iPhones leisten – die Geräte sind in Ländern wie Indien und Brasilien sogar noch teurer als in den USA, da es dort keine Netzbetreiber gibt, die die Kosten bei Vertragsabschlüssen mittragen. „Ich finde, Apple muss ein billigeres Gerät anbieten", sagt Kuittinen. „Samsung übernimmt beim Volumen schon die Führung."

Apple hat Spekulationen über ein billigeres iPhone kürzlich jedoch gekontert. Phil Schiller, Senior Vice President für globales Marketing, sagte einer chinesischen Zeitung Anfang des Monats, dass das trotz der Beliebtheit von günstigen Geräten nicht die Zukunft von Apple-Produkten sein werde.

Trotzdem hoffen viele auf ein günstigeres iPhone, um neues Wachstum für ein Produkt zu generieren, das derzeit einen großen Teil der Umsätze ausmacht. Das iPhone und das iPad machten im vergangenen Quartal zusammen etwa 72 Prozent der Gesamtumsätze aus.

Ein billigeres iPhone würde riesige Mengen an Umsätzen erschließen, jedoch würden dadurch womöglich die Gewinnmargen weiter schwinden. Die Produktionskosten für das iPhone 5 schätzt iSuppli auf 200 Dollar. In Schwellenländern müsste das Smartphone für 200 bis 250 Dollar verkauft werden. Um die hohen Margen aufrecht zu erhalten, müsste das günstige iPhone daher für weniger als 150 Dollar hergestellt werden.

Was ist die nächste Apple-Revolution?

Anleger müssen sich also weiter fragen, was Apple für die Zukunft geplant hat, und ob das nächste Produkt eine Branche wieder so stark revolutionieren kann wie iTunes und der iPod die Musikindustrie und das iPhone die Handywelt veränderten. Einige hoffen noch auf Apple TV, da Jobs seinem Biographen Walter Isaacson gesagt hat, dass er es „geknackt" habe.

Das Unternehmen äußert sich nicht zu Berichten über Apple TV. Doch Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research glaubt, dass die Umwälzungen bei den Zulieferern für LCD-Bilschirme darauf hindeuten, dass Apple TV noch dieses Jahr seinen Auftritt haben könnte. Chowdhry glaubt, dass Apple zu einer neuen Display-Technologie namens Indium Gallium Zinkoxid wechselt, die für große HDTV-Bildschirme ideal ist, da die Technologie schneller ist.

Diese LCD-Technologie kann auch faltbar sein. „Es könnten flexible Geräte entstehen, die man in die Hosentasche stecken kann", sagt Chowdhry. Doch all das ist bisher Spekulation. Bis Apple eine offizielle Ankündigung über zukünftige Produkte macht, müssen sich Investoren entscheiden, ob sie in das Lager der Optimisten passen oder nicht, und darauf hoffen, dass in der nahen Zukunft ein großartiges Produkt erscheint.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 21. Juli

    Eine Hindu-Frau taucht unter, ein Rennradfahrer legt die Beine hoch und Fecht-Sportler pieksen sich. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Einmal zum Mond und zurück

    Am 20. Juli 1969 gewannen die USA das Wettrennen zum Mond gegen die Sowjetunion. Die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin setzten als erste Menschen einen Fuß auf den Mond. Ein Rückblick in Bildern.

  • [image]

    Der Absturz von MH17

    Die Menschen auf der ganzen Welt reagieren mit Schock und Trauer auf den Absturz des Fluges MH17 von Malaysia Airlines in der Ostukraine. Pro-russische Aktivisten werden beschuldigt, die Maschine abgeschossen zu haben. Die genauen Hintergründe bleiben weiter undurchsichtig. Das Flugzeugunglück in Bildern.

  • [image]

    Die Chinesen lieben das Nickerchen im Möbelhaus

    Chinesen mögen es, an merkwürdigen Plätzen ein Schläfchen zu machen. Neu ist dieses Phänomen nicht. Ein Fotograf hat sich nun aber erstmals auf die Lauer gelegt und das seltsame Verhalten bei Ikea in Peking dokumentiert.

  • [image]

    Deutschland feiert seine Weltmeister

    Deutschland hat der Nationalmannschaft einen triumphalen Empfang bereitet. Hunderttausende feierten die Weltmeister vor dem Brandenburger Tor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.