• The Wall Street Journal

Apple leidet unter dem iPhone-Zyklus

    Von DAN GALLAGHER

SAN FRANISCO – Das iPhone hat sich für Apple als Goldgrube erwiesen, seit es vor sechs Jahre eingeführt wurde – der Verkaufsschlager unterliegt aber zunehmend einem schwankenden Zyklus. Das spiegelt sich auch im Kurs der Aktie wider.

Diesen Mittwoch, wenn Apple nach Börsenschluss die Bilanz des ersten Geschäftsquartals vorstellt, das im Dezember endete, kommt der Moment der Wahrheit. Es wird das erste Quartal sein, das durchgehend die Verkäufe des iPhone 5 enthält, das Ende September vorgestellt wurde und bereits in 100 Ländern verkauft wird, darunter China.

Analysten erwarten neues Rekordquartal

Die Prognosen ändern sich noch, doch die Mehrzahl der Analysten erwartet, dass der iPhone-Absatz bei rund 48 Millionen Geräten liegen wird. Das wären rund 80 Prozent mehr als im Septemberquartal, in das knapp eine Woche der Verkäufe des iPhones 5 eingeflossen ist. Die Verkaufszahlen waren niedrig, weil viele Kunden ihre iPhone-Käufe in Erwartung des iPhone 5 aufgeschoben hatten und das neue Smartphone in der ersten Woche des Verkaufs nur begrenzt verfügbar war.

dapd

iPhone 5 in einem Apple Store in den Niederlanden.

Sollte die Zahl von 48 Millionen verkauften iPhones stimmen, wäre das ein neues Rekordquartal für Apple. Investoren sind jedoch seit Kurzem über Daten besorgt, die auf einen Rückgang der iPhone-Verkäufe für das kommende Märzquartal hinweisen könnten. Noch ist unklar, ob der mögliche Rückgang der Produktion auf eine enttäuschende Nachfrage zurückgeht oder die starken Verkäufe direkt zum Verkaufsstart hierfür verantwortlich sind. Letzteres würde bedeuten, dass der Rückgang der Produktion nur auf eine Rückkehrt zur Normalität hinweist.

Die Apple-Aktie rutscht

Die Sorgen lasten schwer auf der Apple-Aktie. Sie verlor in den vergangenen zwei Wochen acht Prozent, seit dem Hoch von 700 Dollar im September sogar fast 30 Prozent. „Sie kommt von einem hohen Niveau – und genau das ist das Problem", sagt Gene Munster, Apple-Analyst bei Piper Jaffray. „Es gibt eine starke Konkurrenz und es gibt den Faktor, wie Apples Geschäftszyklus auf diese Konkurrenz reagiert", fügt er hinzu.

In der relativ kurzen Zeit, die es das iPhone gibt, hat es Apple in der Regel geschafft, den Absatz des Gerätes nach dem Start jeweils mehrere Quartale zu steigern. Nach dem Debüt des iPhone 3GS Mitte 2009 und dem iPhone 4 im darauffolgenden Sommer gelang es Apple, die Auslieferungen jeweils in den folgenden vier Quartalen zu erhöhen.

Neue Verkaufsdynamik seit dem iPhone 4S

Das änderte sich mit der Präsentation des iPhone 4S Ende 2011. Die Verkäufe erreichten mit 37 Millionen im Dezemberquartal 2011 einen neuen Rekord – fast 120 Prozent mehr als im selben Quartal des Vorjahres. Doch in den folgenden zwei Quartalen gingen die Verkäufe zurück und lagen erst wieder im Septemberquartal – nach Einführung des iPhon 5 – etwas höher.

Mit dem neuen iPhone könnte sich das wiederholen. Nach den jüngsten Schätzungen wird Apple im Märzquartal rund 40 Millionen Geräte ausliefern, viele erwarten auch weniger. Das würde einen Rückgang von mindestens 16 Prozent im Vergleich mit dem Dezember-Quartal bedeuten. Verschiedene Analysten und Medien berichteten, dass Apple die Bestellungen für iPhone-5-Komponenten zurückgefahren hat, was auf eine gedrosselte Produktion zurückgeführt wurde.

„Wir werden die höchsten iPhone-Verkäufe aller Zeiten sehen und die Leute denken schon darüber nach, was als nächstes kommt", sagt Walter Piecyk, Analyst bei BTIG. Piecyk nennt das ein Problem des „komprimierten Produktzyklus", bei dem sich die Verkäufe eines neuen Produkts sehr stark auf eine kurze Zeitspanne konzentriert, was sowohl an der Nachfrageseite liegt, als auch an Apples Fähigkeit, immer schneller in neue Märkte vorzudringen und mit neuen Mobilfunk-Partnern zusammenzuarbeiten.

iPhones bringen zum Start weniger Geld

Ein anderes Risiko ist, dass Apple den größten Teil der iPhones direkt nach dem Start verkauft – und damit in der Zeit, in der Apple am wenigsten daran verdient. Denn die Profitabilität des iPhone wächst mit seiner Lebenszeit, weil im Laufe der Zeit Fehler im Produktionsprozess beseitigt werden und damit auch der Ausschuss sinkt.

Für eine Aktie wie die von Apple, die überwiegend durch Erwartungen an neue Produkte getrieben wird, bedeutet das, dass der Kurs in den Monaten ohne Produktvorstellungen weniger Antriebsfaktoren hat, selbst wenn Umsatz und Gewinn sich gut entwickeln. Hinzu kommt, dass Apple nicht dafür bekannt ist, viele neue Produkte in kurzer Zeit vorzustellen. Vor dem Start des iPhone 5 behielt das Unternehmen das Design des Smartphones zwei Jahre lang bei. Das 4S etwa unterschied sich gegenüber dem iPhone 4 nur durch ein moderneres Innenleben.

„Die Aktie wird zu einer, bei die Anleger mehr Produktneuheiten in kürzerer Zeit erwarten als Apple gewohnt ist, zu realisieren", sagte Piecyk, der die Apple-Aktie mit „Halten" bewertet.

Billig-iPhone für Schwellenländer?

Derzeit gehen die Erwartungen am Markt dahin, dass Apple bald eine günstige Variante des iPhone für Schwellenländer vorstellen wird – möglicherweise in diesem Sommer. Analyst Munster, für den die Aktie ein Kauf ist, sagt, dass das Unternehmen in High-End-Smartphone-Märkten wie den USA dominant bleiben wird, künftiges Wachstum aber in den Märkten der Schwellenländer stattfinden wird.

„Das eigentliche Problem ist, wie sie den Schwellenmärkten begegnen, ohne ihre vorhandenen Märkte zu kannibalisieren. Ich glaube die Antwort sind zwei neue iPhones pro Jahr", glaubt Munster.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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