• The Wall Street Journal

Basel III – Die Zitterpartie für die Banken geht weiter

    Von MADELEINE NISSEN
Andreas Arnold/dapd

Für die Deutsche Bank bedeutet die Entschärfung von Basel III wenig Erleichterung.

Der Aktienmarkt hat die gelockerten Bankenregeln nach Basel III mit einem kleinen Kursfeuerwerk gefeiert. Während der Gesamtmarkt sich kaum von der Stelle bewegte, stiegen Bankaktien europaweit teilweise um mehr als vier Prozent und waren mit Abstand die größten Gewinner.

Die Aufseher hatten dem Druck der Banken-Industrie am Sonntag nachgegeben und die geplanten Vorschriften weiter aufgeweicht. Vor allem die Anforderungen zur Kapitalunterlegung von Geschäften werden erleichtert und sollen zudem erst vier Jahre später, im Jahr 2019 in Kraft treten. Vorher war über eine Verschiebung der billionenschweren Liquiditätspuffer um lediglich zwei Jahre spekuliert worden.

Darüber hinaus sollen nun neben Staats- und Firmenanleihen auch Bonds schlechterer Qualität als Sicherheiten akzeptiert werden. Sogar Aktien lassen die Kontrolleure unter bestimmten Bedingungen zu. Vor allem französische und italienische Institute profitieren davon: Die Aktien von Société Générale, Crédit Agricole und Unicredit stiegen am Montagvormittag um bis zu 4,5 Prozent. Ihre deutschen Rivalen standen ihnen aber in wenig nach: Die Papiere der Deutschen Bank verteuerten sich um 3,7 Prozent auf 36,08 Euro, die der Commerzbank um 3,1 Prozent auf 1,56 Euro.

Wenig Euphorie bei deutschen Banken

Nach einer Rechnung von JP Morgan hätten die 200 größten Banken auf globaler Ebene nach den alten Regeln im Schnitt eine Liquidity Coverage Ratio (LCR) von 105 Prozent ausgewiesen, unter den neuen hingegen liegt ihre Liquiditätsquote deutlich höher bei 125 Prozent.

Die Lobby-Arbeit der Banken hat sich damit voll ausgezahlt. Sie setzten sich mit ihren Vorschlägen durch. Eines der schlagenden Argumente für die Lockerung der Vorschriften war die Sorge, zu hohe Anforderungen an die Kapitalpolster könnten zu einer Kreditverknappung führen. Es sollte sichergestellt werden, dass die Banken in der Lage bleiben, die konjunkturelle Erholung zu finanzieren.

Die deutschen Banken selbst schienen in einer ersten Reaktion jedoch nicht ganz so euphorisch. Sie zeigten sich überzeugt, dass der Kapitalmarkt weiter eine schnelle Umsetzung der Regeln erwartet – unabhängig davon, was die Regulierer der Branche aufgeben. Die meisten Institute sind nach wie vor stark unterkapitalisiert. Die gelockerten Vorschriften sind für sie zwar eine Erleichterung, aber die Stärkung der Kapitaldecke bleibt ein Kraftakt.

Hinzu kommt, dass die gelockerten Liquiditäts-Vorgaben zumindest für die deutschen Banken nicht viel bedeuten. Mit der LCR wollen die Aufseher sicherstellen, dass die Institute genug liquide Mittel bereithalten, um in einer Stress-Situation aus eigener Kraft eine bestimmte Zeit lang zu überleben. Die Stresstests haben aber gezeigt, dass die deutschen Banken mittlerweile ganz überwiegend hierzu in der Lage sind.

„Grundsätzlich sind die gelockerten Vorschriften ein positives Signal, von der die Institute aber unterschiedlich stark profitieren", sagte DWS-Fondsmanager Tim Friebertshäuser dem Wall Street Journal Deutschland. „In erster Linie profitieren in Europa die französischen Institute, die im globalen Vergleich niedrigere Liquiditätskennzahlen vorweisen", erklärte er. Die insgesamt nach wie vor schärferen Kapitalregeln sind eine Reaktion auf die Finanzkrise. Je dicker der Kapitalpuffer einer Bank ist, desto größer ist die Chance, dass sie sich im Krisenfall selbst retten kann und nicht auf Staatsgeld angewiesen ist. In der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite 2008 mussten die Staaten Banken mit Billionensummen stützen, da im Falle eines Zusammenbruchs ein Dominoeffekt befürchtet wurde.

So sinnvoll größere Polster aus Sicherheitsgedanken sind, so schwierig sind die ungenutzten Geldberge für die Banken selbst. „Eine Bank wird immer versuchen, die Kapitalausstattung am Minimum zu halten; nicht genutztes Kapital erwirtschaftet keine Rendite und senkt daher die Gesamtkapitalrendite des Instituts", erklärte Daniel Kapffer, Partner bei Accenture . „Eine höhere Mindestanforderung ist strukturell auf jeden Fall ein Nachteil."

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

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