• The Wall Street Journal

Europa bleibt das Sorgenkind der Tech-Branche

    Von IAN SHERR

Zur weltgrößten Elektronikmesse CES gibt sich die Industrie optimistisch: Im vergangenen Jahr ging es mit der weltweiten Nachfrage nach Konsumelektronik bergab – doch in diesem Jahr soll der Markt für Gadgets und Geräte wieder wachsen. Und zwar auf mehr als eine Billion US-Dollar.

2012 ging es vor allem in Europa mit der Nachfrage nach den Elektronikgeräten steil bergab, wie eine Umfrage des amerikanischen Branchenverbands Consumer Electronics Association und des deutschen Marktforschungsinstituts GfK ergibt. Die Ergebnisse wurden auf einer Rede im Vorfeld der Elektronikmesse CES in Las Vegas präsentiert.

In den USA gab es zwar einen leichten Zuwachs, der aber das Minus in Europa nicht ausgleichen konnte. Auch eine steigende Nachfrage in Schwellenmärkten machte die Kauf-Unlust der von der Wirtschaftskrise geplagten Europäer nicht wett. Besonders die Verkäufe von Fernsehern gingen in den Keller, wie die Umfrage unter Unternehmen ergibt.

dapd

Tablets kommen auch im Jahr 2013 - hier ein Bild der vergangenen CES.

In diesem Jahr soll es laut Steve Bambridge, Analyst der USA-Sparte der GfK, ein verhaltenes Wachstum geben. Allerdings bleibe Westeuropa das Sorgenkind. Vor allem bei Notebooks werde es dort in diesem Jahr dramatische Einbrüche geben, ausgelöst vom Tablet-Boom, schätzen die beiden Organisationen. Schon im Dezember habe sich dieser Trend angedeutet. Da habe die Nachfrage nach Tablets die Notebook-Verkäufe stark gedrückt, nachdem im September – typischerweise geben dann Schulkinder und Studenten zu Beginn des Jahres Geld aus - noch beide Geräteklassen gut weggingen.

In den USA haben laut der befragten Unternehmen jetzt 55 Prozent der Haushalte ein Smartphone. Zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr waren es 46 Prozent, 2011 noch 39 Prozent. Die Tablets haben einen noch steileren Weg nach oben hingelegt: Jetzt haben schätzungsweise 44 Prozent der US-Haushalte eins dieser Geräte, zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr waren es noch 22 Prozent.

Laut der Umfrage soll im neuen Jahr 40 Prozent des für Konsumelektronik ausgegebenen Geldes für Smartphones und Tablets draufgehen. Bambridge von der GfK sagte, zum Teil nehme das Wachstum in der Mobilsparte anderen Bereichen – wie Computern – Marktanteile weg. Zum Teil generiere es aber neue Erträge.

Die befragten Unternehmen sagten, ein Teil des Erfolges der neuen mobilen Geräte komme daher, dass sie Dinge können, für die man früher spezielle Geräte brauchte. So würden viele Kunden - in Schwellenmärkten wie in der entwickelten Welt – Fotoapparate oder Spielkonsolen in den Regalen lassen, weil Smartphones und Tablets die entsprechenden Funktionen auch haben. Dieser Trend dürfte laut Umfrage weitergehen.

Das Chromebook von Google – das eine abgeänderte Version des Webbrowsers der Tech-Firma als Betriebssystem nutzt – könnte den Markt durcheinanderwirbeln, glaubt Bambridge von der GfK. Das Notebook habe sich schon im vergangenen Jahr in Großbritannien sehr gut verkauft. Das Note Phablet von Samsung – eine Mischung zwischen Smartphone und Tablet – habe bei der Markteinführung in Südkorea im vergangenen Jahr viele Kunden gefunden. Jetzt könnte der Konzern seinen Erfolg in anderen Ländern wiederholen.

Für die Hersteller traditioneller Geräte liegt laut Umfrage die Chance darin, sich in Richtung ihrer neuen Konkurrenten zu bewegen. So haben manche Computerhersteller damit angefangen, Geräte zu produzieren, die sich in Tablets verwandeln lassen – auch wenn noch unklar ist, ob die am Markt erfolgreich sein werden oder nicht.

Eine wichtige Erkenntnis dreht sich ums Geld: Die Smartphone-Preise dürften in Schwellenmärkten unter 100 US-Dollar fallen - ohne Subventionen. Das wird die Wachstumsraten weltweit nach oben schieben.

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