• The Wall Street Journal

Deutsche Autobauer glänzen in China

    Von YAJUN ZHANG UND HENDRIK VARNHOLT

Deutsche Autohersteller profitieren offenbar vom Inselstreit zwischen China und Japan: Während ihre japanischen Konkurrenten Toyota, Nissan und Honda im Jahr 2012 Absatzeinbrüche in der Volksrepubilk hinnehmen mussten, wuchsen die deutschen Autobauer auf dem weltweit größten Automobilmarkt prozentual teils deutlich zweistellig. Die Auseinandersetzung um die von Japan als Senkaku bezeichnete Inselgruppe hatte in China anti-japanische Proteste ausgelöst.

dapd

VW-Werk in Zwickau. Der deutsche Autobauer konnte seinen Absatz in China abermals massiv steigern.

Sowohl Toyota als auch Nissan registrierten 2012 zum ersten Mal seit Jahren einen Rückgang ihrer Verkaufszahlen in China: Toyota setzte in Japan rund 840.000 Autos ab - 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch Nissan erging es nicht besser. Der Hersteller verkaufte im Jahr 2012 gut 1,18 Millionen Fahrzeuge und damit 5,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Konkurrent Honda kam noch etwas glimpflicher davon. Das Unternehmen verkaufte mit 599.000 Fahrzeugen 3,1 Prozent weniger.

Deutsche Hersteller mit Absatzrekorden

Ganz anders sieht es in den Bilanzen deutscher Hersteller aus: Die feierten Absatzrekorde. Audi knackte im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Marke von 400.000 Fahrzeugen - das waren rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch der Volkswagen-Konzern und BMW werden in den kommenden Wochen wohl erneut über rasantes Wachstum in der Volksrepublik berichten: Europas größter Autobauer VW lieferte in China in 2012 allein von Januar bis November 2,53 Millionen Autos aus - gut ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Auch BMW und Mini verkaufen sich in China immer besser. Der Konzern setzte in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres rund 38 Prozent mehr Fahrzeuge der beiden Marken ab als ein Jahr zuvor - insgesamt rund 296.000 Autos.

Lediglich Daimler hinkt hinterher. Die Fahrzeugsparte Mercedes-Benz hatte mit Lieferschwierigkeiten und ineffizienten Vertriebsstrukturen zu kämpfen. So verkaufte das Unternehmen mit rund 197.000 Fahrzeugen so viele wie nie zuvor, erzielte jedoch nur ein mageres Plus von 1,5 Prozent.

Ein Grund für den dramatischen Unterschied zwischen dem Erfolg deutscher Autohersteller und dem ihrer japanischen Konkurrenten sind offenkundig die politischen Spannungen zwischen China und Japan. Sie waren im vergangenen Jahr im Streit um die Senkaku-Inseln zutage getreten: Sowohl China als auch Japan erheben Anspruch auf das Territorium, in dem Öl- und Gasvorräte vermutet werden.

Im September hatten Chinesen aus Protest Filialen japanischer Autohersteller angezündet. Auch Boykottaufrufe waren zu vernehmen. Deshalb waren im Herbst die Verkäufe des weltgrößten Autoherstellers Toyota auf Monatsbasis teilweise um die Hälfte eingebrochen.

Gleichwohl rechnen die Japaner damit, dass das Schlimmste überstanden ist. In diesem Jahr soll es wieder bergauf gehen. Toyota will in China bis Ende des laufenden Jahres 900.000 Autos verkaufen - rund 7 Prozent mehr als 2012. Nach dem Höhepunkt der anti-japanischen Proteste hatte sich der Absatzeinbruch bei dem Unternehmen gegen Ende des vergangenen Jahres wieder abgeschwächt. Im Dezember brach der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch um 16 Prozent ein.

Die japanischen Hersteller reagieren auf ihre Schwierigkeiten in China etwa mit Rabatten und Zusatzangeboten. Sie reparieren teils Fahrzeuge kostenlos, die bei anti-japanischen Demonstrationen beschädigt worden sind. Ein Sprecher von Toyota China sagte, die Kosten für derartige Programme seien derzeit zweitrangig. Höchste Priorität habe es, das Vertrauen der chinesischen Kunden in japanische Fahrzeuge wiederherzustellen.

Der chinesische Markt dürfte nach Einschätzung von Experten im nächsten Jahr wieder der Wachstumstreiber der Automobilbranche sein, die nach Expertenmeinung global wohl um rund 3 Prozent zulegen wird. Nach dem Absturz des US-Marktes in Folge der Lehman-Pleite im Jahr 2008 entwickelte sich China zum weltgrößten Automobilmarkt und konnte diese Position in den vergangenen Jahren auch behaupten. Die Mittel- und Oberschicht in dem riesigen Land wächst rasant - und mit ihr die Zahl der potenziellen Autokäufer.

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