• The Wall Street Journal

Hochzinsanleihen geht die Luft aus

    Von MATT WIRZ und PATRICK MCGEE

Hochzinsanleihen haben das neue Jahr begonnen wie sie das alte beendet hatten – euphorisch. In nur drei Handelstagen haben die Anleihen von Unternehmen mit niedrigem Rating eine Rendite von fast einem dreiviertel Prozent erzielt, obwohl die meisten anderen Anleihegattungen Verluste verzeichneten.

Auch andere Rekordmarken sind gefallen: Der Durchschnittspreis von Hochzinsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit 2004 und die Durchschnittsrenditen, die sich entgegengesetzt zu den Kursen entwickeln, fielen zum ersten Mal überhaupt unter 6 Prozent, berichtet die Bank Barclays.

Aber der Höhenflug macht Fondsmanager und Analysten vorsichtig. Die Kurse sind mit durchschnittlich über 105 Prozent nun so hoch, dass es nur noch wenig Spielraum nach oben gebe, sagen Investoren. Denn normalerweise notieren diese Anleihen unter 100 Prozent, um das höhere Ausfallrisiko der Unternehmen widerzuspiegeln.

Auf alle Fälle werde die Rendite deutlich unter den 15 Prozent liegen, die 2012 erreicht wurden, prognostizieren Analysten und Anleger. "Es ist wahrscheinlich die letzte Runde dieser Rally", sagt Kathy Jones, Anleiheanalystin bei Charles Schwab Corp.

Das stellt viele Fondsmanager vor ein Dilemma. Denn die meisten wollen weiterhin Hochzinsanleihen haben, vor allem weil sie rund 5 Prozentpunkte mehr Rendite abwerfen als die US-Staatsanleihen. Zudem würden diese Unternehmen davon profitieren, wenn sich die Konjunktur wie erwartet erholt. Aber da kaum noch Schnäppchen auf dem Markt zu finden sind, überlegen Fondsmanager nun, was und wann sie kaufen wollen.

Fondsmanager erhöhen Qualität im Portfolio

Tom O'Reilly, der bei der Neuberger Berman Group 22 Milliarden US-Dollar Hochzinsanlagen mitverwaltet, sagt, dass er inzwischen aus Unternehmen mit niedrigem Rating rausgehe und dafür solche mit höherem Rating kaufe. Das durchschnittliche Kreditrating seiner Anlagen sei deshalb höher als bei dem Index, an dem er sich messe."Wir erhöhen die Qualität unseres Portfolios, während die Renditen nach unten gehen", sagt O'Reilly.

Auch Jones empfiehlt Anlegern, aus den riskantesten Hochzinsanleihen rauszugehen und stattdessen in Anleihen mit einem höheren Rating zu investieren. Andere schauen sich jenseits der ausgetretenen Pfade nach Kaufgelegenheiten um, etwa bei Anleihen von kleineren Unternehmen, die weniger stark gehandelt werden, aber auch hohe Renditen abwerfen.

"Wir holen uns weiter Extra-Renditepunkte, indem wir uns auf kleinere Emissionen konzentrieren", sagt David Breazzano, der bei DDJ Capital Management LLC 5 Milliarden Dollar Hochzinsanlagen für institutionelle Kunden verwaltet. Diese Papiere sind zwar schwerer zu handeln und verfügen zumeist auch nur über ein niedriges Rating, aber sie werfen im Schnitt 10 Prozent ab, wie Breazzano sagt.

Hochzinsanleihen extrem schwankungsanfällig

Das ist eine gute Kaufgelegenheit für Anleger, die bereit sind, kleine Unternehmen zu analysieren und langfristig zu investieren, fügt er hinzu. Dennoch kann es mit solchen Investments auch steil bergab gehen, wenn die Märkte volatiler werden. DDJ sagt, ihre Strategie spreche Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont an.

Die meisten Fondsmanager des Sektors erwarten für dieses Jahr eine Rendite von 6 bis 9 Prozent, was in etwa den Zinskupons entspricht, die Hochzinsanleihen derzeit anbieten. Für Unternehmensanleihen mit guter Bonität liegen die Erwartungen dagegen unter 2 Prozent.

Aber Renditen, die den Kupons entsprechen, sind für Hochzinsanleihen historisch betrachtet außerordentlich selten. Denn normalerweise sind diese Junk Bonds sehr schwankungsanfällig – von einem Jahr zum anderen geht es häufig wild bergauf und -ab. Nur einmal in den vergangenen 33 Jahren haben Hochzinsanleihen eine Rendite abgeworfen, die um höchstens einen Prozentpunkt vom Kuponwert zu Jahresbeginn abwich, wie es in einer Studie der Bank of America heißt.

"In diesem Markt läuft es zumeist entweder richtig gut oder richtig schlecht, was die Erfahrung des bloßen ‚Kupon-Schneidens' in der Tat zu einem seltenen Luxusgut macht", schrieben die Bankanalysten am 26. Dezember.

Die Experten der Bank of America rechnen bei Hochzinsanleihen für diese Jahr mit einer Rendite von rund 7 Prozent, verglichen mit 10 Prozent im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Aber selbst damit wären Hochzinsanleihen noch immer "ein interessantes Angebot" für viele Anleger, so lange sie ihre Erwartungen im Zaum hielten, so die Analysten.

Anlegern drohen Verluste durch Anleiherückkäufe

Das größte Problem, das Anleger zu gewärtigen haben, sind die aktuellen Kurse. Denn 45 Prozent der Anleihen notieren auf einem Niveau, zu dem die Unternehmen ihre Anleihen zurückkaufen dürfen. Die 2015 fällige 12-Prozent-Anleihen von Clearwire zum Beispiel handelte am Freitag zu einem Kurs von 108 Prozent, kann aber laut S&P Capital IQ bis zum 3. Februar zu einem Kurs von 106 Prozent zurückgekauft werden. Für Käufer, die in der vergangenen Woche zugegriffen haben, würde dies einen Verlust von 1,9 Prozent bedeuten.

Dabei ist der Anreiz für Unternehmen groß. Weil die Zinsen auf Rekordtiefs liegen, nehmen sie gerne neues Geld auf, um alte Anleihen – mit höheren Zinsen – zurückzukaufen. 2012 wurden J.P. Morgan Chase zufolge Anleihen im Wert von rund 101 Milliarden Dollar zurückgenommen, so viel wie seit 16 Jahren nicht mehr und 38 Prozent mehr als im Jahr davor. "Das ist der Grund, warum das Kurspotenzial für Anleihen nur noch begrenzt ist", sagt Oleg Melentyev, Anleiheanalyst bei der Bank of America.

Einige sehen im Hochzinsmarkt derzeit die besten Chancen darin, gegen Junk Bonds zu wetten. Peter Tchir, Gründer von TF Market Advisors, hat sich Mitte Dezember gegen einen börsennotierten Hochzinsfonds positioniert. Am 27. Dezember hat er die Wette wieder zurückgenommen, weil seine Firma eine Lösung im Haushaltsstreit im Washington erwartete, was die Kurse steigen lassen würde. Aber angesichts der in der vergangenen Woche erreichten Kurse hat sich Tchir jetzt wieder short positioniert, er setzt also wieder auf kommende Verluste.

Spitzenfonds 2012 mit 27,3 Prozent Rendite

Dennis McCafferty verfolgt mit seinen zwei Hochzinsfonds, die er für John Hancock Financial managt, einen ganz anderen, unorthodoxen Ansatz: er untersucht sehr genau Unternehmen, die derzeit Probleme haben, und setzt auf Anleihen, die er für unterbewertet hält.

Der Erfolg seiner Strategie: Seine beiden Fonds wiesen im vergangenen Jahr die beste Performance unter fast 600 von Morningstar beobachteten Hochzinsfonds auf. Sie lieferten eine Rendite von 27,3 und 24,6 Prozent. McCafferty räumt zwar ein, dass die Renditen in diesem Jahr nicht so hoch ausfallen werden, aber "wir hoffen die Wettbewerber um mindestens zwei Prozent zu übertreffen."

McCafferty sagt, dass er mit hohem Einsatz in Hochzinsanleihen von Unternehmen investiere, die er sehr gut kenne, etwa Sirius XM Radio. Die zehn größten Einzelanlagen machten rund 30 Prozent seines Portfolios aus, sagt er. Rund 40 Prozent des John Hancock High Yield Fund sind in Hochzinsanleihen, Wandelanleihen und Aktien mit niedrigen Kreditratings investiert.

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