• The Wall Street Journal

Solaranlagenbetreibern droht Förderentzug

    Von ANDREAS LOCHNER
dapd

Im Schatten der Sonnenkollektoren: Schafe bei Salching. Hunderttausenden Solaranlagebetreibern droht der Entzug der Fördergelder.

In den nächsten zwei Jahren müssen hunderttausende Betreiber in Deutschland ihre Solaranlagen nachrüsten, um das Netz gegen einen Blackout abzusichern. Doch viele Anlagenbetreiber spielen nicht mit und lassen die kürzlich an sie verschickten Fragebögen unbeantwortet. Keine gute Idee: Wer nicht mitmacht, bekommt die Solarförderung gestrichen.

Betroffen sind 300.000 ältere Solaranlagen, wie der Branchenverband BDEW meldet. Das ist knapp jedes vierte Sonnenkraftwerk in Deutschland. Diese sollen in den nächsten zwei Jahren technisch nachgerüstet werden. Bislang haben sie einen Systemfehler: Sollten aufgrund eines Überangebots an Strom die Frequenz in den einzelnen regionalen Stromnetzen Probleme bereiten, würden sich die Solaranlagen alle gleichzeitig abschalten und so erst recht einen Stromausfall provozieren. Dann wäre statt zu viel plötzlich zu wenig Strom im Netz.

Laut dem Beratungsunternehmen Ecofys handelt sich um immerhin 14 Gigawatt an Solarkapazitäten, die nachgerüstet werden müssen. Zu Spitzenzeiten könnten sie mehr Strom liefern als alle noch laufenden deutschen Kernkraftwerke zusammen.

Schalten sich wegen Frequenzproblemen in einer Region die Anlagen dort auf einmal ab, könnte ein sonniger Tag im schlimmsten Fall das ganze deutsche Stromnetz und die der Nachbarländer in den Blackout stürzen.

Mit neuen sogenannten Wechselrichtern sollen sich die Anlagen in Zukunft stufenweise abschalten, wenn die Frequenz im Stromnetz den Normalwert von 50 Hertz zu weit überschreitet – also zu viel Strom im Netz ist.

Umstellung kostenlos - dennoch nur geringes Interesse der Solaranlagenbetreiber

"Für die Anlagenbetreiber ist die Umstellung kostenlos", teilen die Netzbetreiber zwar mit. Allerdings seien in manchen Regionen dennoch weniger als 50 Prozent der Fragebögen zurückgekommen. Teilweise ist von nur einem Drittel die Rede.

Schon vor Weihnachten liefen Nachfassaktionen an, denn die Fristen sind laut BDEW abgelaufen. Wer dann immer noch nicht antwortet, dem wird die Solarförderung gestrichen, bis die Anlage nachgerüstet ist.

Schon bei einer durchschnittlichen Anlage mit 40 Kilowatt aus den 2000er-Jahren können so in wenigen Wochen mehrere tausend Euro im Portemonnaie fehlen, sobald die Sonne scheint und die übliche Vergütung des Stroms ausbleibt. Für alle Anlagen zusammen geht es im Stundentakt um Millionen von Euro.

Eigentlich dürfte das ein überzeugendes Argument für ein bisschen Fragebogenbürokratie sein. Die gute Nachricht für Behördenmuffel: Die Netzbetreiber wollen sogar beim Ausfüllen helfen.

Kontakt zum Autor: andreas.lochner@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 30. Juli

    Viel Wasser in Los Angeles, viel Sonne über Hongkong, bunte Hindu-Pilger in Indien, eine zerstörte Schule im Gazastreifen und Männerbeine in Glasgow: Das und noch mehr steckt heute in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städte die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.