• The Wall Street Journal

GM und Ford kämpfen um die beste App

    Von Ian Sherr und Jeff Bennett

Die US-Autobauer Ford Motor und General Motors wollen Besitzern ihrer Modelle mehr nützliche Apps auf dem Smartphone anbieten. Beide Hersteller kündigten am Montag an, vom Softwarespezialisten bis hin zum Ottonormalfahrer jeden einzuladen, der an neuen Programmen mitwirken möchte, die im jeweiligen Auto genutzt werden können. Technologien austauschen wollen beide Unternehmen aber offenbar nicht.

Ford sagte, das Unternehmen werde den Zugriff zu einer speziellen Verbindungssoftware namens AppLink öffnen, die das momentane Angebot von 13 verschiedenen Programmen ausbaut, die sich derzeit mit den Autos verbinden.

dapd

Ford und GM arbeiten mit Hochdruck an neuen mobilen Programmen für ihre Kunden.

„Wir sind offen für ein völlig neues Segment von Applikationen", sagte Julius Marchwicki, der die Entwicklungsprojekte bei Ford betreut. Er sagte, Ford werde eine Internetseite mit einer Dokumentation des aktuellen Stands und speziellen Zugangsdaten kreieren. Die soll Entwicklern anfangs helfen, die Apps mit ihren Autos zu verbinden.

Auch GM wird über die eigene Internetseite ein Software-Entwicklungspaket zur Verfügung stellen. Entwickler können dann mit GM in sicherer und kontrollierter Manier Autoapps designen, ausprobieren und anpassen.

Bisher hatte GM dieses Recht nur ausgewählten Entwicklern zugestanden. Die mussten dann mit GMs OnStar-System zusammenspielen. „Es wird Apps geben, die auf unsere Fahrzeuge zugeschnitten und gleichzeitig ganz anders sind als alles, was man derzeit auf Smartphone oder Tablet nutzt", sagte Phil Abrams, der bei GM für das Infotainment zuständig ist. „Es geht darüber hinaus, einfach die bisher bekannten Handy-Apps auch im Auto funktionieren zu lassen".

Spezialisiert anstatt für die breite Masse

Der Versuch von GM und Ford, Appentwickler zu locken, kommt nicht von ungefähr. Programme für das iPhone von Apple oder Smartphones anderer Hersteller, beispielsweise mit Googles Betriebssystem Android, boomen seit Jahren.

Deshalb preschten Autohersteller auch schon vor einigen Jahren mit den ersten Apps vor, die es Kunden erlaubten, Kinokarten zu kaufen, Radio über das Internet zu hören oder Statusupdates bei Facebook zu posten.

Seitdem hat sich allerdings wenig getan. Viele der potenziellen Apps lassen sich nicht für den Gebrauch auf der Straße anwenden und andere, die das tun, bieten außer einem Navigationsdienst wenig zusätzlichen Service.

„Die allerersten Apps fokussierten sich auf die breite Masse", sagt Steve Schwinke, Leiter der Appentwicklung. „Jetzt kann sich das Auto jedermanns individuellem Lebensstil anpassen. Das ist nicht einfach, denn man muss sicherstellen, dass die Apps sowohl mit der Technik als auch mit dem Auto kompatibel sind und einwandfrei funktionieren".

Beide Unternehmen hoffen, dass Schwung in die Sache kommt, indem sie sich einer großen Entwicklergemeinde anstatt einer Hand voll erlesener Experten öffnen. Die Unternehmen sind überzeugt, dass das erleichterte Zusammenspiel der Apps mit anderen Systemen zum Interesse der Entwickler beitragen wird.

GM arbeitet bereits mit Partnern wie einem Wetterkanal und plant neue Apps in den Modellen, die 2014 auf den Markt kommen und später in diesem Jahr vorgestellt werden. So wird die App des Wetterkanals beispielsweise eine Radarfunktion haben, die auf den Punkt genau, wo sich das Fahrzeug befindet, stündliche sowie ausführliche Vorhersagen liefert.

Am vergangenen Wochenende veranstaltete GM einen „Hackathon" im Palms Hotel in Las Vegas. 450 Softwareentwickler arbeiteten rund um die Uhr an verschiedenen Apps. GM fand dadurch zehn bis 15 vielversprechende Ansätze.

Sobald GM dann eine App ausgewählt und für gut befunden hat, können Kunden das Programm auf ihr Smartphone herunterladen. Danach werden sie automatisch ins Auto übertragen, sobald sich das Smartphone über das Infotainment-System verbunden hat. „Wir möchten, dass Kunden auch noch zwei oder drei Jahre nach ihrem Autokauf Apps herunterladen", sagte Schwinke. „So bleiben unsere Autos auf dem neuesten Stand".

Ford vertritt einen anderen Ansatz mit seinen Entwicklern. Das Unternehmen gewährt ihnen Zugang zur sprachgesteuerten Technologie, die mit der App zusammenspielt, sobald diese sich über das Smartphone des Kunden mit dem Auto verbunden hat.

Das hat den Vorteil, dass Entwickler nicht verschiedene Kodierungen verwalten müssen, weil die App einfach auf dem jeweiligen Endgerät des Kunden installiert ist, sagt Ford. Ford arbeitet dafür mit potenziellen Partnern zusammen, die bereits Apps entwickelt haben. Darunter sind USA Today und das Wall Street Journal. Auch Musikprogramme wie Rhapsody sind schon dabei.

Während Ford und GM ihre Plattformen öffnen, heißt das jedoch nicht, dass sie ihre Apps miteinander teilen. Außerdem wird es ein paar Regeln für Entwickler geben. So dürfen beispielsweise keine Videos gezeigt werden, auch Videospiele sind verboten. „Wir wollen keine Fahrer, die Angry Birds spielen" sagte Schwinke.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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