• The Wall Street Journal

Lufthansa darf Bonusmeilen entwerten

    Von KIRSTEN BIËNK

KÖLN – Im Streit um die Entwertung von Bonusmeilen hat die Deutsche Lufthansa einen Etappensieg für sich verbuchen können. Das Oberlandesgericht Köln wies eine Klage eines Vielfliegers zurück. Die Fluggesellschaft bekommt damit nach der Niederlage vor dem Landgericht Köln wieder Auftrieb. Die Vorinstanz hatte dem Kläger vor knapp einem Jahr noch Recht gegeben und der Lufthansa die Entwertung von Vielfliegerrabatten untersagt.

Lennart Preiss/dapd

Die Entwertung von Bonusmeilen durch die Lufthansa ist rechtens.

In dem Rechtsstreit geht es um die sogenannten Bonusmeilen, die der vielfliegende Hamburger Informatikprofessor gesammelt hat, um sie irgendwann gegen Freiflüge einzutauschen. Die Lufthansa hatte Anfang 2011 die Bedingungen für den Eintausch dieser Meilen im Programm Miles & More geändert und damit nach Einschätzung des Klägers sein Meilensammelkonto um knapp ein Drittel entwertet. Die Fluggesellschaft hatte damals die Preise für Interkontinentalflüge angehoben und gleichzeitig mehr Bonusmeilen als Gegenwert verlangt. Eggendorfer hielt diese Vorgehensweise für rechtswidrig, verklagte Lufthansa und gewann die erste Instanz vor dem Landgericht Köln.

Das Landgericht hatte Mitte März 2012 entschieden, dass Lufthansa Veränderungen ihres Vielfliegerprogramms mit einer Vorlaufzeit von vier Monaten ankündigen muss, damit Kunden ausreichend Zeit zum Reagieren haben. Die Fluggesellschaft dürfe zwar die Bedingungen ihres Programms jederzeit ändern, müsse ihre Kunden allerdings früh genug darüber informieren.

Dieses Urteil akzeptierte Lufthansa nicht und legte Berufung ein. Die Airline wollte ganz genau wissen, bei welchen Veränderungen der Geschäftsbedingungen sie künftig alle 22 Millionen Kunden ihres Miles & More-Programms innerhalb welchen Zeitraumes informieren muss. „Wir brauchen Rechtssicherheit", hieß es damals.

Am Dienstag entschied das Oberlandesgericht im Sinne des Unternehmens. Überraschend kam dieser Sinneswandel nicht. Der Richter des Oberlandesgerichtes hatte bereits während einer Verhandlung Ende 2012 deutlich gemacht, dass er die Entscheidung des Landgerichtes für falsch erachte und ein anderes Urteil fällen werde. So urteilte er nun, dass Lufthansa die Kunden mit einer ausreichenden Vorlauffrist informiert habe. Als Grundlage der Entscheidung diente dem Gericht ein durchschnittlicher Meilensammler. Dieser habe ausreichend Zeit, seine Meilen innerhalb eines Monats einzutauschen und damit noch zu den alten Geschäftsbedingungen. Deswegen sah es das Gericht als erwiesen an, dass Lufthansa durch die Veränderungen ihres Prämienkatalogs nicht alle Teilnehmer von Miles & More schlechter gestellt habe.

Diese Einschätzung des Gerichts akzeptiert der Kläger nicht. Aus diesem Grund will er nun den Bundesgerichtshof anrufen. „Ich bin sehr optimistisch, dass es Gründe für eine Revision gibt", sagte der Hamburger Informatikprofessor Tobias Eggendorfer dem Wall Street Journal Deutschland. Er versteht nicht, dass seine Klage abgewiesen wurde, nur weil andere Bonusmeilensammler keine so großen Nachteile wie er erlitten hätten. Schließlich habe er wegen der Entwertung seiner 900.000 Meilen geklagt. Er habe keine Chance gehabt, diese innerhalb eines Monats sinnvoll umzutauschen, argumentiert er.

Die Bonusmeilen, die Lufthansa ihren Kunden gewährt, nehmen einen großen Posten in der Bilanz des Unternehmens ein. Ende Dezember 2011 hatte Deutschlands größte Fluglinie für 201 Milliarden Bonusmeilen Rückstellungen von mehr als 1,6 Milliarden Euro gebildet. Irgendwann lösen die meisten Kunden diese Meilen gegen Freiflüge oder andere Gegenleistungen ein. Dafür trifft die Airline Vorsorge.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen