• The Wall Street Journal

Google soll für Frankreichs Netz bezahlen

    Von SAM SCHECHNER
dapd

Google-Zentrale in Mountain View, USA.

PARIS – Die französische Regierung lotet Wege aus, um große Web-Unternehmen dazu zu bringen, sich an der Finanzierung lokaler Internetprovider zu beteiligen. indem sie für die Nutzung der Bandbreite zahlen, wie Technologieminister Fleur Pellerin am Montag sagte. Der Vorstoß zeigt, dass die europäischen Länder ihre Bestrebungen intensivieren, große amerikanische Unternehmen wie Google zur Kasse zu bitten.

Fleur sagte, dass die Regierung Möglichkeiten prüfe, wie die vorhandene Telekommunikations-Regulierung angewendet werden könne, um sicherzustellen, dass sich Web-Giganten am Ausbau und dem Unterhalt von High-Speed-Netzwerken beteiligen.

Google TV und andere Dienste benötgen Breitband-Internet

„In den kommenden Jahren wird es mit Diensten wie vernetzten Fernsehern, Google TV, Apple TV und Amazon TV mehr Breitband-Nutzung geben, und es stellt sich die Frage, wer für die Investitionen zahlt", sagte Pellerin. „Das ist eine Frage, auf dessen Antwort beharrt werden sollte."

dapd

Xavier Niel, der franzözische Internet-Milliardär ist Gründer des Providers Free.

Auslöser für die Erklärung der Regierung war vermutlich der Wirbel, den am Wochenende der französische Internetprovider Iliad ausgelöst hat, der unter dem Markennamen Free auftritt. Free bot seinen Nutzern die Möglichkeit, mit einer Freebox genannten Hardware Werbung auszufiltern.

Warnschuss an Google durch Webeblockade

Das sollte ein Warnschuss an Google sein, um Druck auf den Internetkonzern auszuüben, mit dem die Firma derzeit unter anderem über Zahlungen für die Bandbreitnutzung verhandelt. Der Schritt verärgerte einige französische Medienhäuser, die befürchteten, dass so auch ihre Werbeeinnahmen zurückgehen.

Pellerin rief Montagmorgen kurzfristig zuerst ein Treffen mit Vertretern von Online-Medien ein und traf sich danach mit Managern von Free. Nach dem Treffen stoppte das Unternehmen die Werbeblockade, berichteten der Minister und andere Eingeweihte.

Die Frage, wer Milliarden von Euro in den teuren Glasfaserausbau und die mobilen High-Speed-Netze investieren sollte, ist in Europa auch deshalb ein sensibles Thema, weil die zersplitterte Landschaft der Telekom-Provider unter sinkenden Umsätzen und steigenden Kosten leidet.

Google und andere Internetunternehmen argumentieren, dass sie bereits jetzt Milliarden von Dollar für Bandbreite zahlen, um ihre Kunden zu erreichen – mal über Verträge mit Content Delivery Networks, und in einigen Fällen über Vereinbarungen direkt mit den Providern. Außerdem würden die Angebote der Webdienste die Haushalte überhaupt erst dazu bringen, Verträge für High-Speed-Zugänge abzuschließen.

Die erforderlichen Breitbandnetze sind nicht billig zu haben. Der zu Vivendi gehörende Telekomkonzern SFR kündigte am Montag Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro für 2013 an, um das Glasfasernetz in Frankreich auszubauen. Die Telekommunikationsunternehmen sind immer weniger bereit, diese Kosten alleine zu tragen.

„Internetprovider haben erhebliche Kosten, um die Servicequalität ihrer Netzwerke zu gewährleisten", sagte Pierre Louette, stellvertretender Geschäftsführer der France Telecom. An dem Telekommunikationsdienstleister besitzt auch der Staat Anteile. „Es ist sinnvoll, dass Inhalteanbieter, die sie nutzen, diese auch finanzieren sollten."

Auch andere europäische Regierungen zielen auf US-Internetkonzerne

Die Diskussion darum, wie Inhalteanbieter sich an einer Finanzierung der Datennetzwerke beteiligen sollen, ist nur die jüngste Front, an der es die europäischen Regierungen mit den amerikanischen Internet-Riesen aufnehmen. Die Regierungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien überprüfen, wie sie die Steuergesetzgebung verändern können, um die Unternehmen zu höheren Steuerzahlungen zu verpflichten. Für kommende Woche wird dazu ein Bericht der französischen Regierung erwartet.

Zeitungen in Frankreich und Deutschland versuchen zudem, Suchmaschinenbetreiber – vor allem Google – zur Zahlung für Inhalte der Publikationen zu zwingen. Während in Deutschland das Bundeskabinett dazu das sogenannte Leistungsschutzrecht für Presseverleger auf den Weg gebracht hat, führt Frankreich die Aufsicht über Verhandlungen zwischen Google und einer Gruppe von Zeitungsverlagen, um eine direkte Vereinbarung zu erreichen.

In Belgien erreichte eine Reihe von Verlegern kürzlich nach einem langwierigen Rechtsstreit eine Vereinbarung mit Google, mit der sich der Suchmaschinengigant verpflichtete, Werbung in den Zeitungen zu kaufen und den Zeitungen beim Verkauf von Online-Werbung im Web zu helfen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Peking Auto Show 2014

  • Exklusiv für Abonennten Preview lesen

    [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer aber mit besonderen und limitierten Editionen, sowie mit neuen Modellen den Markt weiter zu erobern. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen