• The Wall Street Journal

Eric Schmidt googelt mit Nordkoreas Elite-Studenten

    Von ALISTAIR GALE
Associated Press

Eric Schmidt besuchte das Computerlabor der Eliteuniversität von Nordkorea.

PJÖNGJANG – Die Studenten an Nordkoreas Eliteuniversität haben Eric Schmidt, Verwaltungsratschef bei Google, gezeigt, wie sie im Internet nach Informationen suchen: Sie googlen. Aber das ist in dem autoritär regierten Land ein Privileg für nur sehr wenige, denn die Regierung kontrolliert den Internetzugang streng.

Schmidt konnte sich ein erstes Bild von der Internet-Realität machen, als er mit einer amerikanischen Delegation das Computerlabor an der Im-Il-Sung-Universiät in Pjöngjang besuchte. Unter den Teilnehmern waren auch seine Tochter Sophie, der Leiter des Thinktanks Google Ideas Jared Cohen, und der ehemalige Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson.

Eric Schmidt, eigentlich ein Verfechter der Internetfreiheit, hat sich bislang nicht öffentlich zu den Beweggründen seiner Teilnahme an der Reise geäußert. Dabei befindet er sich nun in einem Land, in dem der Zugang zu Informationen über das Internet beschränkt wird. Kontrolliert wird alles von einer kleinen Gruppe, die die Regierung im Land stellt. Nordkorea gilt als das Land mit der weltweit striktesten Internetkontrolle, steht laut Machthaber Kim Jong-un aber vor einer „industriellen Revolution". In seiner Neujahrsrede kündigte der Machthaber mehr Investitionen in Forschung und Technologie sowie Computer in allen Schulen an.

Mr. Schmidt goes to Pjöngjang

Associated Press

Schmidt und Cohen unterhielten sich mit den Universitätsstudenten, die an HP-Rechnern in der so genannten „E-Library" arbeiteten. Ein Nordkoreaner demonstrierte, wie er Literatur auf der Seite der US-Universität Cornell abruft. Ein roter Aufkleber an dem Rechner wie den Computer als Geschenk des verstorbenen Staatschefs Kim Jong-Il aus.

Cohen fragte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP einen Studenten, wie er online nach Informationen sucht. Der Student klickte auf Google – „Da arbeite ich", sagte Cohen. Dann gab er den Begriff „New York City" ein und klickte auf die dazugehörige Seite bei Wikipedia. „Da arbeite ich".

Bibliothekar Kim Su-Hyang erklärte laut dem AP-Bericht, die Studenten an der Universität hätten seit Eröffnung des Labors im April 2010 Internetzugang. Die Einrichtung sei von 8 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet, auch in der vorlesungsfreien Zeit. Es gebe aber strenge Vorgaben, das Netz nur für Bildungszwecke zu nutzen.

Für viele Nordkoreaner ist das ein unvorstellbarer Luxus. Viele von ihnen sind noch nie im Web gesurft. Die Computer der wichtigsten Bibliothek in Pjöngjang sind nur mit einem Intranet ausgestattet, auf dem sich die staatlichen Medien und ausgewählte weitere Inhalte abrufen lassen. Dieser Zugang kann auch für Heimcomputer beantragt werden.

Mehr zur Nordkorea-Reise von Schmidt

Richardson erklärte außerdem, man wolle mit den Behörden vor Ort über den 44 Jahre alten Kenneth Bae sprechen. Bae ist halb Koreaner und halb US-Amerikaner und besitzt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er wurde Ende letzten Jahres in Nordkorea festgenommen, die Gründe sind jedoch unbekannt.

Richardson war seit 1996 sieben Mal in Nordkorea. Bei seiner ersten Reise gelang es ihm, die Entlassung eines US-Amerikaners zu erreichen, der wegen Spionagevorwürfen im Gefängnis saß. Bei weiteren Trips nach Nordkorea verhandelte und traf er sich mit Vertretern des Außenministeriums.

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