• The Wall Street Journal

Yen im Sinkflug nach G-20-Pakt

    Von IAN TALLEY, NATASHA BRERETON-FUKUI und PAUL HANNON

MOSKAU—Die japanische Währung hat sich am Montag im asiatischen Handel weiter abgeschwächt und testet damit die Entschlusskraft der 20 führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Diese hatten sich am Samstag auf einem Gipfeltreffen in Moskau auf die gemeinsame Linie geeinigt, ihre Währungspolitik nicht darauf auszurichten, sich Wettbewerbsvorteile im weltweiten Handel zu verschaffen. Die neue Kooperationsbereitschaft ist auch eine Reaktion auf das zuletzt aggressive Eingreifen Japans auf dem Währungsmarkt.

Vertreter auf dem G-20-Treffen sagten, dass die Mitglieder in den nächsten Monaten nun vorsichtiger mit ihren Kommentaren zur ihren Währungen umgehen müssten, um weitere Kursschwankungen zu verhindern. Einige Finanzmarktteilnehmer hatten den G-20-Pakt aber auch als grünes Licht für eine nationale Abwertungspolitik interpretiert.

Associated Press

Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde (2.v.r.) nahm am Samstag am G-20-Gipfel teil.

Am Montagmorgen fiel der Yen deshalb weiter. Für einen US-Dollar bekommen Händler rund 94 Yen, was fast 2 Yen mehr ist als zum Tagestief am Freitag, als der Wechselkurs auf 92,19 Yen rutschte. Der Wechselkurs schob in Japan, das als Exportnation von einem schwachen Yen profitiert, den Leitindex Nikkei um 2 Prozent an. In Südkorea dagegen, einem der Hauptkritiker und Leidtragenden der japanischen Währungspolitik, sank der Leitindex Kospi um 0,3 Prozent.

Schon vor Sonnenaufgang in Asien hatten Beobachter alle Augen auf den Yen gerichtet. Viele sind gespannt, wie die G-20-Länder mit einer weiteren Yen-Abwertung umgehen werden. Ihre demonstrative Einigkeit in Währungsfragen sollte vor allem die jüngsten Spannungen zwischen Industrieländern und Schwellenländern auflösen.

Die Staatengruppe hatte sich nach zähem Ringen am Samstag darauf geeinigt, dass Industrieländer weiterhin geldpolitische Anreize setzen dürfen, um ihr Wirtschaftswachstum anzufeuern – ein Vorgehen, dass in der Regel die jeweilige Währung schwächt. Im Gegenzug sollen Entwicklungs- und Schwellenländer ihre Kontrollen verstärken dürfen, um übermäßige und möglicherweise destabilisierende Kapitalzuflüsse in den eigenen Markt zu verhindern. Es war das erste Mal überhaupt, dass die Gruppe derart ausdrückliche Währungsleitlinien festlegte.

Jetzt komme es darauf an, dass die Mitgliedsländer „verbale Disziplin" zeigten und sich an die Abmachungen vom Samstag hielten, sagte der Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank, Vítor Constâncio. Zahlreiche G-20-Vertreter sagten, dass Mitgliedsländer in den nächsten Monaten mit ihren Kommentaren zur Lage auf dem Währungsmarkt vorsichtiger sein müssten, um weitere Kursschwankungen zu verhindern.

G-20-Mitglieder versprachen zudem, dass Länder mit sehr strikt geführter Währung – damit war vor allem China gemeint – schneller zu marktgelenkten Wechselkursen übergehen sollten. Allerdings machte niemand Angaben zu einem genauen Zeitrahmen. Die Staatengruppe betonte auch, es solle künftig ein besseres Verständnis dafür geben, wie einzelne Länder mit den Folgen der Geldpolitik anderer Mitglieder umgehen könnten.

Die Erklärung der G-20-Staaten zielte vor allem darauf ab, die Wogen am Währungsmarkt zu gätten. Die scharfen Wortattacken der vergangenen Wochen dürften nun etwas abebben, glaubt Marc Chandler, leitender Währungsstratege bei der US-Investmentbank Brown Brothers Harriman. „Ich denke, dass Moralgezeter wird nachlassen", sagte er.

Aber solange die Weltwirtschaft nicht schneller wächst, werden wohl auch die unterschwelligen Spannungen bleiben, welche letztlich zur offenen Konfrontation zwischen den G-20-Staaten geführt haben. „Angesichts der schwachen Erholung der wichtigsten entwickelten und aufstrebenden Volkswirtschaften", werde die Debatte wohl auch weiterhin das dominierende Thema auf der G-20-Agenda sein, sagt Changyong Rhee, Chefvolkswirt bei der Asian Development Bank.

—Mitarbeit: Costas Paris, Harriet Tory, P.R. Venkat, Chuin-Wei Yap und Ainsley Thomson

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Berichtigung
Die G-20-Staaten einigten sich am Samstag auf ihre globalen Richtlinien zur Währungspolitik. In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die Einigung sei am Freitag erfolgt.

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