• The Wall Street Journal

Verlag Reader's Digest ist wieder insolvent

    Von JOSEPH CHECKLER

Das Geschäft mit Printmedien schwächelt, seit Nachrichten im Internet kostenlos zu lesen sind. Das spürt auch der traditionsreiche Herausgeber des US-Magazins Reader's Digest: Gerade einmal dreieinhalb Jahre nach der vorherigen Insolvenz muss der Mutterkonzern gemeinsam mit sechs Ablegern erneut den Gläubigerschutz in Anspruch nehmen. Der Verlag hat nur noch Aktiva von rund 1,1 Milliarden US-Dollar. Dem stehen Schulden in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar gegenüber, wie sich aus Unterlagen hervorgeht, die das Unternehmen beim US-Insolvenzgericht in New York einreichte. Das ist ein Unterschied von 100 Millionen Dollar, oder 75 Millionen Euro.

Einen Plan zur schnellen Beendigung des gerade erst eröffneten Insolvenzverfahrens gibt es bereits: 70 Prozent der Gläubiger hätten einer Umwandlung von 465 Millionen Dollar Schulden in Eigenkapital zugestimmt, erklärte Reader's Digest. Der für die Insolvenz ausgearbeitete Restrukturierungsplan soll schnell greifen und innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein. Das Unternehmen erhält außerdem einen 105 Millionen Dollar hohen Insolvenzkredit einer Reihe von Hauptgläubigern.

dapd

Der Stand von Reader's Digest auf der Frankfurter Buchmesse.

"Der Gläubigerschutz wird einen kräftigen Schuldenabbau erleichtern. Das hilft uns dabei, das Geschäft neu auszurichten und unsere Ressourcen auf die starken nordamerikanischen Marken zu konzentrieren. Diesen haben wir dank unserer Restrukturierungsbemühungen neues Leben eingehaucht. Das gilt besonders für das digitale Geschäft", sagte Verlagschef Bob Guth laut einer Mitteilung.

Reader's Digest blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das Magazin wurde vor 91 Jahren im New Yorker Stadtteil Greenwich Village gegründet. Eigentlich wollte der Herausgeber schon aus der vergangenen Insolvenz stark genug für ein Überleben hervorgehen. Aber selbst der massiv abgetragene Schuldenberg konnte Reader's Digest nicht vor Problemen retten, mit denen alle Printverlage schwer zu kämpfen haben. Auflagen brechen ein und Anzeigeeinnahmen bleiben aus.

Im Jahr 2011 hatte das Unternehmen schon einmal mehrere Finanzberater angeheuert und sich selbst zum Verkauf gestellt. Damals hoffte der Verlag auf einen Erlös von rund 1 Milliarde Dollar. Schließlich erwies es sich aber als gewinnbringender, nur einzelne Publikationen zu veräußern und auf den Verkauf des Gesamtkonzerns zu verzichten.

Wie schwierig das Geschäft ist, zeigt ein Blick an die Unternehmensspitze: Hier verschleißt der Verlag seit 2009 in großem Stil seine Chefs. Guth ist bereits der dritte seit Abschluss der vergangenen Insolvenz. Dem Manager gelang es immerhin, durch den Verkauf von Unternehmensteilen etwas Geld in die Kassen zu spülen. So ging im vergangenen Jahr für 175 Millionen Dollar Allrecipes.com in den Besitz der Meredith Corp über. Der Weekly Reader wurde an den Hauptrivalen Scholastic Corp veräußert. Guth bemühte sich auch, die Präsenz von Reader's Digest im Internet zu erhöhen. Dazu lizenzierte er seine internationalen Geschäfte. Aber fast alle Verlagssparten wirtschafteten zuletzt nicht mehr profitabel.

Reader's Digest gehen die Leser verloren. Der Verlag klagte bei seiner jüngsten Ergebnisvorlage über einen Umsatzeinbruch von mehr als einem Viertel. Der Grund: Immer weniger Kunden greifen bei den Magazinen und anderen Produkten zu. Deshalb kämpft das Unternehmen schon seit geraumer Zeit gegen eine Überschuldung, die nun aber nicht mehr verhindert werden konnte. Das Unternehmen befindet sich in den Händen von Gläubigern unter Führung des Bankhauses J.P. Morgan Chase.

Seit dem Jahr 2010 hat der Verlag seine Bilanz nicht nachhaltig verbessert. Weiterhin sind Gewinne Fehlanzeige. Das New Yorker Unternehmen operiert in 41 Ländern, druckt 75 Magazine, darunter 49 verschiedene Versionen unter der allseits bekannten Marke Reader's Digest.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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