• The Wall Street Journal

Die neue Playstation spielt in der Wolke

    Von IAN SHERR und DAISUKE WAKABAYASHI

Zu den technischen Neuerungen, die Sony der nächsten Generation seiner Spielkonsole Playstation verpasst hat, gehört offenbar auch ein Streamingdienst für Spiele. Das berichten Personen, die mit den Plänen des Unternehmens vertraut sind. Die neue Technologie soll am Mittwoch zusammen mit der Konsole vorgestellt werden. Damit können die Nutzer auf ihre Spiele direkt über das Internet zugreifen. Auch ältere Titel sollen über den Dienst verfügbar sein. Weiterhin könne das Gerät aber Spiele klassisch mit dem optischen Laufwerk abspielen.

Reuters

Besucher spielen mit Playstation-Produkten auf der Videospiel-Messe in Tokio.

Im vergangenen Jahr hatte Sony das Unternehmen Gaikai für 380 Millionen US-Dollar übernommen. Während es mittlerweile viele Angebote für Spiele-Streams gibt, hat sich Gaikai auf visuell anspruchsvolle Programme spezialisiert. Dafür werden hochentwickelte Schaltkreise benötigt, die sich nur auf bestimmten PCs und Spielkonsolen finden.

Die Streaming-Technologie ist nur eines der Merkmale der neuen Playstation, die Sony am Mittwoch in New York vorstellen will. Von Personen, die die Konsole gesehen haben und darüber informiert wurden, heißt es, die Playstation verfüge über verbesserte Kameras für die Bewegungskontrolle und Touchpads auf den Gamepads. Rivale Microsoft wird in diesem Jahr ebenfalls eine neue Konsole vorstellen und arbeitet nach Angaben von mit den Plänen vertrauten Personen auch an einer neuen Technologie, mit denen die Bewegungen und Sprachbefehle der Nutzer verfolgt werden können.

Aber das Streaming dürfte in der Branche die höchsten Wellen schlagen. Beobachter rechnen damit, dass Cloud-Gaming zu einem wichtigen Markt wird, weil es mit weniger Kosten für den Verbraucher verbunden ist und sich so auch ausgefeilte Spiele auf Mobilgeräten verwenden lassen. „Cloud-Gaming macht Spielen viel bequemer", sagt Jen-Hsun Huang, Chef des Chipherstellers Nvidia . Sein Unternehmen hat vor der Übernahme durch Sony mit Gaikai bei diesem Thema zusammengearbeitet. „Das Spiel ist sofort da, und es lässt sich überall auf jedem Gerät spielen. Das wird zu einem Wachstum der Spielebranche führen."

Die Umsetzung solcher Streamingdienste ist technisch anspruchsvoll und teuer. Der Anbieter Onlive scheiterte daran im vergangenen Jahr. Das Unternehmen aus Kalifornien hatte 2010 seinen Dienst nach fast zehn Jahren Entwicklungszeit gestartet. Aber die vielen Hochleistungsserver, die für die Spiele benötigt wurden, verursachten hohe Kosten. Auch die Anpassung für verschiedene Mobilgeräte gestaltete sich schwierig.

Streaming widerspricht auch den Gewohnheiten der Verbraucher auf dem Videospielmarkt. Typischerweise werden die Spiele auf optischen Discs verkauft, die dann in den Konsolen verwendet werden. Wie viel die Stream-Spiele bei Sony kosten werden, bleibt unklar. Die Käufer könne sie wohl jedoch nicht an Freunde verleihen oder weiterverkaufen, wie es heute üblich ist.

Sony hat dennoch nach Angaben der eingeweihten Personen viel in Gaikai investiert. Microsoft soll ebenfalls mit Cloud-Spielen experimentiert haben, jedoch vor den hohen Kosten für ein breites Angebot für alle Nutzer zurückgeschreckt sein.

Kontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Werbung

  • [image]

    Biene, Eule, Pinguin: Die tierischen Maskottchen von Tech-Firmen

    Viele Produkte von Tech-Firmen sind schwer verständlich für Laien. Die Unternehmen haben es darum oft nicht leicht, für sich zu werben. Etliche setzen auf Tiere, um ihre Marke bekannt zu machen. Wir stellen 30 von ihnen vor.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: Im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städten die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 30. Juli

    Viel Wasser in Los Angeles, viel Sonne über Hongkong, bunte Hindu-Pilger in Indien, eine zerstörte Schule im Gazastreifen und Männerbeine in Glasgow: Das und noch mehr steckt heute in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.